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Zivile Konfliktbearbeitung - Allheilmittel oder Leerformel? : Möglichkeiten und Grenzen eines viel versprechenden Konzepts
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ARTIKEL /ARTICLES Zivile Konfliktbearbeitung Allheilmittel oder Leerformel? Möglichkeiten und Grenzen eines viel versprechenden Konzepts CHRISTOPH WELLER/ ANDREA KIRSCHNER* G ewaltanwendung auszuschließen, obwohl sich soziale Konflikte nicht verhindern lassen und notwendig für gesellschaftlichen Wandel sind, ist das übergeordnete Ziel ziviler Konfliktbearbeitung. Dafür haben sich in modernen Gesellschaften die unterschiedlichsten Methoden, Instru­mente und Verfahren herausgebildet. Hierzu gehören die gesellschaft­liche Anerkennung von Regeln, Gesetzen und Gerichtsurteilen, die Etab­lierung eines staatlichen Gewaltmonopols sowie demokratische Verfah­ren, in denen frei gewählte Repräsentantinnen und Repräsentanten Mehrheitsentscheidungen herbeiführen. Andere Methoden betreffen die Absicherung von Minderheitenrechten, Mediationsverfahren, Verhand­lungen unter Hinzuziehung einer sogenannten»Dritten Partei«, die den Interessenausgleich ermöglichen soll, sowie Interventionen und Maß­nahmen zur Reduktion von(sozialer) Ungerechtigkeit. Für all die ge­nannten Formen ziviler Konfliktbearbeitung wurden vielfältige Instituti­onen aufgebaut und etabliert(Verfassungen, Gerichte, Polizei, Parla­mente, Organisationen, Schiedsverfahren, aber auch ungeschriebene soziale Regeln und Verhaltensmuster etc.), um eine Kontinuität des ge­waltfreien Konfliktaustrags zu gewährleisten. Daraus entsteht ein erheb­liches Maß an Sicherheit, nicht ständig mit der Anwendung von Gewalt rechnen zu müssen. Dies schafft zugleich großes Vertrauen im gesell­schaftlichen Zusammenleben, weil man Konflikte eingehen kann, ohne Gewalt befürchten zu müssen. In einem breiten Verständnis bedeutet »zivile Konfliktbearbeitung« also, Normen und Institutionen zu besitzen oder zu entwickeln, die bei aktuellen und zukünftigen Konflikten Ge­waltanwendung verhindern. Bemühungen, mit gesellschaftlichen Konflikten gewaltfrei umzuge­hen, sind nicht neu. Es handelt sich im Grunde um ein Menschheitspro­* Für hilfreiche Anmerkungen zu früheren Fassungen dieses Beitrags danken wir den KollegInnen am Institut für Entwicklung und Frieden( inef ) sowie Barbara Müller und Martin Quack. 10 Weller/Kirschner, Zivile Konfliktbearbeitung Allheilmittel oder Leerformel? ipg 4/2005