Groupthink im West Wing: Der»Vorkrieg« zum Irakkrieg STEPHAN BÖCKENFÖRDE REVIEW ESSAY Hans Blix, Mission Irak: Wahrheit und Lügen . München: Droemer, 2004. Original: Disarming Iraq, New York: Pantheon Books, 2004. Richard A. Clarke, Against All Enemies: Inside America’s War on Terror . New York: Free Press, 2004; dt.: Against All Enemies: Der Insiderbericht über Amerikas Krieg gegen den Terror . Hamburg: Hoffmann und Campe, 2004. Todd S. Purdum(and the Staff of The New York Times), A Time of Our Choosing: America’s War in Iraq . New York: Times Books, 2003. Ron Suskind, The Price of Loyalty: George W. Bush, The White House, and the Education of Paul O’Neill . New York: Simon&Schuster, 2004. Bob Woodward, Plan of Attack . New York, London: Simon&Schuster, 2004; dt.: Der Angriff . Stuttgart, München: dva, 2004. W arum kam es zum Irakkrieg? Der Verweis auf die bekannten Motive – Sturz eines Menschenrechte verachtenden Regimes, Durchsetzung der unterschiedlichen un -Resolutionen, Sicherung der weltweiten Ölversorgung, Beseitigung eines Israel gefährdenden Regimes, das zudem im Verdacht stand, den weltweiten Terrorismus zu unterstützen und sich Massenvernichtungswaffen zu beschaffen, Veränderung der geopolitischen Koordinaten durch Errichtung eines weiteren us -Brückenkopfes im Mittleren Osten – reicht zur Erklärung nicht aus. Denn das Vorgehen von Kollektivakteuren beruht jenseits von einem einzigen überragenden Interesse – dem nationalen Überleben – üblicherweise auf einer Vielzahl von – oft widersprüchlichen Motiven und Partikularinteressen der Einzelakteure, die ein undurchsichtiges Bild wechselnder Begründungen abgeben. In diesem Sinne ist auch die oft fehlinterpretierte Passage aus Paul Wolfowitz’ Vanity-Fair-Interview vom 9.5.2003 zu verstehen, in dem der ipg 1/2005 Review Essay 185
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