Aufsatz 
Schwierige Nachbarschaft : die Neuausrichtung der griechischen Türkeipolitik von der Imia-Krise bis Helsinki ; [Dokument]
Entstehung
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Schwierige Nachbarschaft. Die Neuausrichtung der griechischen Türkeipolitik von der Imia-Krise bis Helsinki KOSTAS SIMITIS D ie seit Jahren unterschwellig vorhandenen Spannungen in den Bezie­hungen zwischen Griechenland und der Türkei kamen schließlich in der Imia-Krise zum Ausbruch. Nach wie vor ging es dabei um die Tat­sache, dass die Türkei griechische Rechte in Frage stellte, nämlich den Anspruch Griechenlands auf die Festlegung seiner Hoheitsgewässer und seiner Festlandsockel unter Einschluss der großen und kleinen Inseln in der Ägäis. Die Krise hatte sich angebahnt, als Andreas Papandreous Re­gierungsfähigkeit zunehmend durch Gesundheitsprobleme eingeschränkt war. Möglicherweise hing dies mit der Überzeugung zusammen, Grie­chenland sei infolge des Krankenhausaufenthaltes seines Ministerpräsi­denten von einem umfassenden Schwächezustand ergriffen. Jedenfalls fiel die Krise in den Beginn meiner ersten Amtszeit, zehn Tage nach meiner Ernennung zum Ministerpräsidenten durch die Regierungsfraktion der pasok am 22. Januar 1996, noch bevor das Parlament meiner Regierung das Vertrauen ausgesprochen hatte. Während der Weihnachtstage des Jahres 1995 lief der türkische Frach­ter»Fingen Akat« an einer der beiden Imia-Felsinseln im Nordosten von Kalymnos auf Grund. Die griechischen Ordnungskräfte eilten zu Hilfe, doch der Kapitän wies sie mit dem Argument ab, das Schiff befinde sich in türkischen Hoheitsgewässern. Die griechische Seite teilte Ankara mit, wenn die Hilfe der griechischen Schlepper abgelehnt werde, bleibe der Frachter auf unbestimmte Zeit liegen. Die Antwort Ankaras lautete: »Wer das Schiff abschleppt, spielt keine Rolle, aber über das Thema muss verhandelt werden.« Am 28. Dezember, also zwei Tage später, schleppten zwei griechische Schiffe den Frachter in den nahe gelegenen türkischen Hafen Kiuluk. Am 29. Dezember ließ Ankara Griechenland eine Verbalnote zukom­men. Darin wurde behauptet, die Imia-Felsinseln seien Teil des türki­schen Territoriums und gehörten zur Provinz Bodrum. Am 9. Januar übermittelte die griechische Botschaft Ankara eine Verbalnote, in der sie die Behauptungen der türkischen Seite als unhaltbar zurückwies. Am 102 Dokument/ Document ipg 4/2009