258 Rolf Hecker Dawid Borisowitsch Rjasanow(1870 – 1938) Der Vater Rjasanows Selman-Ber Aaronow Goldendach war ein mittelständischer Händler in Odessa. Mit seiner Frau hatte er 13 Kinder, neben Dawid B. Rjasanow, geboren am 10.März 1870, überlebten sechs Schwestern die ersten Lebensmonate. In der Rubrik Nationalität seiner Kaderakte notierte Rjasanow: Jude nach Herkunft, Russe nach Nationalität. Rjasanow besuchte zunächst private Schülerpensionate, später das 2. Gymnasium in Odessa, in der fünften Klasse wurde er im Mai 1886 wegen„Unfähigkeit in Griechisch“ ausgeschlossen. Seit Mitte der 1880er Jahre war er in Kreisen revolutionärer Jugendlicher bekannt, lehnte jedoch scharf jede Form von Extremismus und Terror ab. Er beteiligte sich an einem Zirkel der Volkstümler, später an einer marxistischen Gruppe. Schon im Oktober 1887 machte er erste Bekanntschaft mit der Polizei, die ihn verhörte. Im Januar 1889 reiste Rjasanow erstmals ins Ausland, setzte seine Studien an der Sorbonne in Paris und in anderen Universitätsstädten der Schweiz und Österreichs fort. Im Juni 1889 nahm er am Gründungskongress der II. Internationale in Paris teil, wo er die russischen Revolutionäre P. L. Lawrow und G. W. Plechanow kennenlernte. Nach seiner Rückkehr nach Russland im April 1890 nahm er seine politische Bildungsarbeit in Odessa erneut auf. Im Oktober 1891 wurde er verhaftet, zu vierjähriger Einzelhaft verurteilt und danach nach Kischinjow verbannt und unter Polizeiaufsicht gestellt. Am 20. Januar 1900 emigrierten Rjasanow und seine Frau Anna Lwowna ins Ausland und ließen sich zunächst in Paris nieder, ab 1901 lebten sie in Berlin. In jener Zeit war es üblich, Publikationen unter einem Pseudonym vorzubereiten. J. M. Steklow schlug Rjasanow vor, sich nach der Romangestalt Jakow Rjasanow in W. A. Slepzows„Trudnoe wremja“[Schwere Zeit](1865) zu nennen. Rjasanow gründete die Gruppe„Borba“[Kampf] mit dem Ziel, eine Vereinigung der unter-
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