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BERLIN Sonnabend, 10. März

Der Abend

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66

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Nr. 120

B 60 45. Jahrgang.

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Der Geheimrat macht Geschäfte

319 Ho

Neue Verhandlungen im Metallfonflikt.

Demonstrationszug durch Ackerland.

arer Arbejde

Der Marsch von 800 Erwerbs- und sogar Obdachlosen aus dem südlichen Grenzland Dänemarks hat sich bereits in Vejle aufgelöst, nachdem er neun seiner Teilnehmer mit einer Eingabe an den Reichstag nach Kopenhagen geschickt hatte. Wahrend der ganzen mehrtägigen Demonstration hat es keinerlei Zwischenfälle oder Zusammenstöße gegeben.

Leberraschung im Metallkonflikt.

Heute nachmittag neue Verhandlungen.

2. diese Erhöhung gilf vom 1. April 1928 ab,

Die zu heute vormittag 9% Uhr in Aussicht 3. der Lohntarif läuft bis zum 31. März 1929 und fann erft­gestellte Entscheidung des Schlichters Wissell, ist Vielmehr sind die malig am 15. Februar 1929 zu diesem Termin gekündigt werden. noch nicht getroffen worden. Wird er nicht zu dieser Frist gekündigt, fo läuft er je drei Monate Parteien zu nochmaligen Verhandlungen um mit fechswöchiger Kündigungsfrist weiter, 14% Uhr geladen worden.

In ganz Pommern erregt ein Fall berechtigtes Auf­sehen, in dessen Mittelpunkt der frühere preußische Land­tagsabgeordnete und Geheime Oberregierungsrat im Reichs­amt des Jnnern, Dr. Paul Boenisch, steht. Gegen ihn, der zugleich Rittergutsbesitzer auf Hohenhagen in Pommern ist, hat nämlich die Ostdeutsche Siedlungs- Gefell­fchaft m. b. H. bei der Generalstaatsanwaltschaft Stettin Anzeige wegen wissentlichen Meineides und, ge­meinsam mit 13 Siedlern, Anzeige wegen Betruges erstattet.

Die Begleitumstände dieser Strafanzeige find sensationell. Ge heimrat Boenisch hat im Jahre 1921 den Landmesser Haase zur Gründung der

Citdeutschen Siedlungs- Gesellschaft veranlaßt. In seiner Eigenschaft als Landmesser hatte Haase Dr. Boenisch fennengelernt. Während der Inflationszeit gingen die Geschäfte gut, und es wurden teilweise freihändig, teilweise im Rentengutsverfahren etwa 10000 Morgen durch Haase als Ge schäftsführer der Ostdeutschen Siedlungs- Gesellschaft aufgeteilt. Im Juli 1924 schloß die OSG. mit Boenisch einen notariellen Vertrag über die Aufteilung des Boenisch gehörigen Gutes Hohenhage it. Man vereinbarte, die, Aufteilung sollte bis zum 1. Auguft 1926 durch geführt werden, und Boenisch sollte von Haase als Mindesterlös 290000 Reid) smart erhalten. Die Unfosten der Aufteilung uno Zwischenwirtschaft sollten auf die DSG. fallen. Der Barerläs aus der Aufteilung oder aus Verkäufen aus dem Gutsinventar war auf ein Sonderfonto der Raiffeisenbank in Stolp einzuzahlen, über das Haase frei verfügen tonnte mit der einschränkenden Ber pflichtung, zunächst 33% Prozent des Guthabens an Boenisch abzuführen. Bon dem Mehrerlös über 290 000 Reichsmart sollte die OSG. zunächst 13000 Reichsmart für sich erhalten, der meitere Mehrerlös sollte zwischen der Gesellschaft und Boenisch ge­teilt werden. Auf Grund dieses Vertrages erhielt Haase Voll. macht. Höhenhagen im ganzen oder teilweise zu verkaufen oder fonstwie zu verwerten. Die Sache tam aber anders.

Gleich nach Bertragsabschluß stürmten Gläubiger des faiferlichen Geheimrats und Rittergutsbesitzers die OSG., um auf Be­zahlung der Schulden des Dr. Boenisch zu drängen.

Dabei waren auch fleine Handwerkerschulden und ähnliches. Auf Bureben eines Rechtsanwalts bezahlte Haase. Nun war der Geheimrat ständiger Gaft auf dem Bureau der DSG., um sich dauernd nach eingehenden Geldern Geldern zu erfundigen. 3ahlen, zahlen, zahlen" war sein Losungswort. Haase hat daraufhin erhebliche Summen an Boenisch gezahlt, und zwar insgesamt etwa 55 000 Reichsmart.

4. die Parteien haben sich gegenseitig bis zum 17. März, mittags Offenbar soll ein letter Versuch gemacht werden 12 Uhr, über die Annahme des Schiedsspruchs zu erklären. einen Tarifvertrag abzuschließen. Die Bertreter der Gehilfenschaft beraten zurzeit noch über ihre hat dann freilich das Erweiterte Schöffengericht in Stolp für Recht Stellungnahme zu diesem Schiedsspruch.

WIB. meldet: Wie wir erfahren, fanden den ganzen Bor­miffag über beim Schlichter Miniffer a. D. Wiffell ein­gehende Beratungen über die Frage der Verbindlichkeit. erflärung des Schiedsspruches für die Berliner Metallindustrie statt, Eine Entscheidung darüber, ob der Schied: fpruch verbindlich erflä t wird, ist bis gegen mittag noch nicht getroffen. Es nerlartet, daß die Beratungen auch der Erwägung gelten, ob es nicht zweckmäßiger ist, erst noch einmal eine neue Schlichtungstammer zu Birben, die eine weitere Annäherung der Parteien verfuchen würde. Die Entscheidung des Schlichters ist im Laufe des Nachmittags ju

erwarten.

Schiedsspruch im Buchdruckgewerbe.

Erhöhung des tariflichen Wochenlohns um 3,50 Mart.

Ju der Lohnstreifigkeit im deutschen Buchdrudgewerbe hat das Zentralschlichtungsamt folgenden Schiedsspruch gefällt:

1. der Spikealoha wird von 52,50 m. je Woche auf 56 m. je Boge erhöht.

Anfang des, 20. Berliner ".

Berliner

Aufregende Jagden in der ersten Nacht! Bericht im Sportleil.

Haase hatte nun auf Hohenhagen insgesamt 14 Stellen absteden laffen, aber bauernd machte Boenisch Ausflüchte, wenn diese Stellen den Siedlern übergeben werden sollten. Anzahlungen feitens der Siedler waren zwar geleistet und an Boenisch abgeführt, aber die Leidtragenden waren die DSG. und die armen, zum großen Teil aus dem abgetretenen Often zugewanderten Kleinsiedler. Als es nun zwischen Boenisch und der OSG. zum Krach fam, ging Boenisch so weit, feinerseits den Direktor Haase von der DEG. wegen Betruges zu verflagen und auch die 13 geschädigten Siedler zu einer Klage gegen Haafe zu veranlassen. Am 4. Oftober 1927 erkannt, daß Direktor Haase in allen 14 zur Anflage stehenden Fällen auf Kosten der Staatstaffe freizusprechen ist. Geradezu Ber­nichtendes aber steht in der Urteilsbegründung über den als Zeugen geladenen kaiserlichen Geheimen Oberregierungsrat und Vortragen. den Rat a. D. Rittergutsbefizer Dr. Baul Boenisch. Das Gericht tam zu der Ueberzeugung, daß Boenisch in der turzen Zeit von Haase annähernb 23000 Mart zuviel bekommen hat, und das Urteil fährt dann wörtlich fort:

.3m übrigen erschien der Zeuge Boenisch dem Gericht völlig unglaubwürdig. Diefer Zeuge verwidelte fich dauernd in Wide fprüche, widerrief vielfach vorher gemachte Bekundungen und fuchte sich der Beantwortung von Fragen über seine Ver. Schuldung durch ausweichende Redensarten zu entziehen. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme bestand kein Zweifel, daß der Zeuge Boenisch ein Mann von recht zweifelhaftem Charakter ist.

Beiterhin wurde im Prozeß gerichtskundig, daß Boenisch im Jahre 1912 als aftiner Oberregierungsrat im Reichsamt des Innern auf Grund seiner Beziehungen ein fieines Gut in der Nähe von Berlin getauft hat, und zwar zum Preise von 12000 Mart. Diefe bat er jedoch nicht bar bezahlt, sondern hypothe