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BERLIN Dienstag,

4. September 1928

Der Abend

Erfcheint tåg lid außer Sonntag& Bugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 m. pro Monat. Redaktion und Expedition: Berlin SW 68, Lindenstr.3

Spätausgabe des Vorwärts

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r. 418

B 207

45. Jahrgang.

66 unzeigenpreis: Die einfaltige Nonpareillezcils

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Freie Bahn im Berliner Verkehr

Städtische ,, Berliner Verkehrs- A.- G." mit 400 Millionen Kapital

Bollendet das Wert! Begonnen mit ber Rommmali fierung der Straßenbahn, fortgeführt mit dem allmählichen Attienauffauf der Hochbahn und der Aboag, zu einem vorläufi. gen Abschluß gebracht durch den Einheitstarif und den Inter effengemeinschaftsvertrag zwischen den drei Berkehrsgesellschaften im Frühjahr 1927. Und nun wird den städtischen Körperschaften endlich die Vorlage über die 3usammenlegung aller brei Ge fellschaften in eine einheitliche Berliner Berkehrs- A.- G." unter breitet. Bollendet das Wert! Eine Berkehrsgesellschaft mit 400 millionen Attien besig, die sich restlos in den Händen einer Kommune befinden- Deutschland , Europa ' haben nicht ihresgleichen bisher! Die Reichshauptstadt mird fortan die uneingeschräntte Herrin über den Ber fehr in ihren Straßen sein.

Steuerforge und Kreditforge.

Wie es ward? Aus zwei Quellen entsprang die jüngste Ent micklung, die so schnell zum Ende brängte. Steuerforge hieß die eine, Kreditsorge die andere. Solange ein wenn auch nur verschwindend kleiner Teil der Aktien bei der Hochbahn und Aboag in privaten Händen war, so lange hatten diese Gesellschaften die volle Steuerlast zu tragen. Auch dann, wenn ihnen die Straßenbahn aus ihren Ueberschüssen namhafte Beträge für den Bau von Schnellbahnen übereignete, wurden diese Summen als ,, Einnahmen" mit 20 Proz. zur Vermögens- und Körperschaftssteuer herangezogen. Die Aufnahme von Krediten aber war bei der Struttur der formell getrennten Gesellschaften außerordentlich er­schwert, städtische Anleihen für den Ausbau des Verkehrs be. durften der Genehmigung der sattsam bekannten Beratungsstelle". Aber über diesen Sorgen stand die Erfahrung des letzten Jahres, daß die bisherige lose Zusammenfassung der drei Gesellschaften feine wirtliche Vereinheitlichung zu schaffen vermocht hatte, daß in Berkehrs- wie in Arbeiterfragen noch immer ein durch­aus unerwünschter Ressort Partitularismus obwaltete, verständlich aus der historischen Entwidlung wie aus der Einstellung der leitenden Persönlichkeiten.

Die Gesellschaften liquidieren!

Nun ist der Knoten, an dessen Lösung man sich vergeblich ver­sucht hatte, durchhauen. Hochbahn und Aboag treten in Liquidation, die restierenden Privataftionäre erhalten städtische Obligationen an Stelle der bisherigen Aktien. Es gibt keine Be­triebsgesellschaften mehr, aber es gibt auch teine Privatattionäre mehr im Berliner Verkehr. Es gibt nur noch eine einzige Verkehrsattiengesellschaft, die den gesamten Besiz an Verkehrsmitteln übernimmt und deren Attien sich zu 100 Broz. im Besiz der Stadt befinden. Alle. Sicherungen gegen Veräußerung usw. dieser Aktien sind ge troffen, der unmittelbare Einfluß der Stadt auf die Gestaltung und die Entwicklung der Gesellschaft ist sichergestellt. Zweifellos wäre eine noch günstigere Lösung denkbar gewesen und die Sozial­demokratie insbesondere hätte sie befürwortet: die Uebertragung des Eigentums an den Verkehrsmitteln auf die Stadt selbst und die Schaffung einer einheitlichen Betriebsgesellschaft. Dieser Lösung stand aber leider der auf 30 Jahre abgeschloffene ameritanische Anleihevertrag der Hochbahn entgegen, der eine Kommunalisierung der Hochbahn ausdrücklich verbietet Wir können nicht umhin, auch jetzt wieder zu betonen, daß die­jenigen Stellen. Die feinerzeit hinier verschlossenen Türen diesen Bertrag abgeschlossen haben, durch den Berirag bewußt die von uns erstrebte Lösung zu verhindern suchten. Um so mehr freuer wir uns, daß es jetzt gelungen ist, unter geschickter Ausnutzung der Büden des Vertrages die Schaffung einer einheitlichen Besiß gesellschaft in städtischer Hand zu erreichen. Denn eine Ablösung der Anleihe wäre bei dem riefenhaften Disagiofie war feinerzeit zu 89% aufgelegt nicht in Frage gekommen.

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Nur noch eine Verkehrsgesellschaft!

So wird denn nun nach der 3uftimmung der städti­ichen Rörperschaften, die fchon jet sicher ist, in Butunft eine einzige Berkehrsgesellschaft den gesamten Berkehr der Reichshauptstadt betreuen. Die Kosten der Transaktion an Steuern usw. werden rund zweieinhalb Millionen betragen, die Ersparnis an Steuern beträgt bereits im ersten Jahre über fünf Millionen Mark. Doch das ist so erfreulich es auch sein nicht die Hauptsache. Eine Aktiengesellschaft mit 400 Mil­( ortfegung auf der 2, Seite.)

mag

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Das sterbende Alt- Berlin.

Berlins Romantik wird bald der Geschichte angehören. Die hier im Bilde wiedergegebenen Häuser an der Friedrichsgracht werden nicht mehr lange am Ufer der Spree stehen.

Den Stiefsohn niedergeschossen.

Der Täter beging Selbstmord.

3m Verlaufe eines Streites schoß heute früh der 50jährige Händler Hans Rümm aus der Chauffeestraße 77 zu Brih auf dem Hof des Nebengrundftüdes feinen Stief­john, den 25jährigen Franz Dertel nieder. Der Täter brachte sich unmittelbar darauf einen tödlichen Schläfen­ichuß bei.

Franz Dertel betrieb früher mit seinem Stiefvater einen ge= meinsamen Handel Bei den Abrechnungen tam es aber ständig zu Streitigteiten, so daß D. zu dem Entschluß tam, sich von seinem Vater zu trennen. Er zog zu seiner Mutter, die von Rümm, ihrem zweiten Mann, getrennt lebte und in der Chauffeestraße 26 eine aus Stube und Küche bestehende Wohnung innehat. Seit jener Zeit datieren die 3 mistigteiten und häufig gerieten die beiden Männer, die sich auf der Straße oft begegneten, in heftigen Wortwechsel. Besonders in der vergangenen Woche nahm der Familienstreit immer heftigere Formen an. Rümm sprach auch verschiedentlich Drohungen gegen feinen Stiefsohn aus.

Heute früh fam Rümm zu Dertel, und beide gerieten sogleich wieder in einen erregten Wortwechsel Dertel wies schließ lich dem Aelteren die Tür, der sich unter schweren Drohungen ent­fernte. Als sich D. nach einigen Minuten an seine Arbeitsstelle begeben wollte und den Hof betrat, verstellte ihm sein Stiefvater, der sich in einer Ede verborgen gehalten hatte, den Weg. Als Dertel ihm sagte, daß er mit ihm nichts zu tun haben wolle, 30g Rümm voller Wut einen Revolver hervor und gab auf seinen Stiefsohn einen Schuß ab, der den jungen Menschen in den Unter­leib traf. Durch die Detonation des Schusses wurden aus bewohner alarmiert, die fofort hinzueilten, um dem An­

Der Kongreß der Arbeit. Der Kriegsanleihe- Schwindel. Das Feuer auf der Eisinsel.

Berichte 2. Seite.

geschoffenen Hilfe zu leisten. Rümm, dem jetzt der Weg zur Flucht abgeschnitten war, richtete plöglich die Waffe gegen fich felbst und schoß sich in die rechte Schläfe.

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Beide Männer wurden durch Wagen des Städtischen Rettungs­amtes in das Neuköllner Krankenhaus gebracht, wo Rümm einige Zeit nach seiner Einlieferung starb. Auch Dertel liegt so schwer danieder, daß an seinem Aufkommen gezweifelt werden muß.

Deffentliche Sammlungen verboten!

Im Einvernehmen mit dem Preußischen Staatskommissar für die Regelung der Wohlfahrtspflege hat der Berliner Polizeipräsident ab 15. September 1928 jämtliche Sammlungen von Geldspenden zu vaterländischen, gemeinnüßigen oder mild­tätigen 3weden( Wohlfahrtszwecken) auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie an sonstigen öffentlichen Orten Groß- Berlins unter­fagt.

Wie wir hören, ist dieses Verbot vor allem darauf zurückzu­führen, daß öffentliche Sammlungen in letzter Zeit derart über­hand genommen haben, daß sie in den belebten Straßen Groß­Berlins( Unter den Linden , in der Friedrichstraße , am Kurfürsten­ damm usw.), vor den Theatern und Konzertfälen zu einer Belästi­gung des Publikums geworden sind und besonders bei den zahl­reichen Ausländern, die sich in Berlin aufhalten, einen peinlichen Eindrud hervorgerufen haben. Biele zuschriften, die dem Bolizei­präsidenten in dieser Angelegenheit zugegangen sind, haben nach ein­gehender Rücksprache mit den in Betracht kommenden Stellen zu dem generellen Verb ot aller öffentlichen Sammlun gen geführt.

Wirbelsturm in der Krim .

In der Krim richtete ein Wirbelsturm, der mit einem Bollenbruch verbunden war, große Zerstörungen an. In Sebastopol sind sieben Personen umgekommen. An vielen Stellen wurden die Anlagen der Weinberge und Gärten weggespült und das Vieh getötet. Der Eisenbahnverkehr Simfero­pol- Sebastopol ist unterbrochen.