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BERLIN Sonnabend

23. Februar 1929

Der Abend

Erfcheint täglich außer Sonntags. Sugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3

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Nr. 92

B 46 46. Jahrgang.

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Eiſenbahnunglück in Dortmund

Drei Reisende getötet, sieben schwer verletzt.

Dortmund , 23. Februar.[

Der Personenzug, der, aus Wanne kommend, um 10 Uhr in Dortmund eintrifft, erlitt bei der Ein­fahrt in den Hauptbahnhof aus bisher unbekannter Ur­fache einen schweren Unfall. Ein Wagen dritter Klasse wurde umgeworfen, die beiden folgenden Wagen entgleisten. Bis jetzt sind drei Tote, sieben Schwer und zehn Leichtverlette zu verzeichnen. Toten sind zwei Frauen und ein Mann. Die Namen der Toten und Schwerverletten stehen noch nicht fejt. Die Leichtverletten konnten nach Anlegung von Notverbänden nach Hause entlassen werden.

Der planmäßig um 10,11 Uhr von Castrop auf dem Dortmunder Hauptbahnhof eintreffende Personenzug entgleifte in einer Weiche etma 200 Meter vor der Einfahrt. Während die Lokomotive und die beiden ersten Wagen die richtige Fahrrichtung einhielten. schob fich der dritte Wagen auf ein Nebengleis und stürzte un­mittelbar unter dem Einfahrtssignal um. Der verunglückte Bagen muß auseinandergeschweißt werden. Die Arbeit ist bereits in An­griff genommen. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, befinden sich darin ein oder zwei Tote. Es steht noch nicht einwandfrei fest, ob noch weitere Personen in diesem Wagen sind.

Ueber das Unglüd erhalten mir folgende Darstellung: Als der an dritter Stelle laufende Wagen 3. Klasse die hinter dem Einfahrtssignal liegende Beiche passierte, stürzte er um. Dabei wurde der Waggon an der Seite, auf die er zu liegen tam, start zertrümmert und die Seitenwand fast völlig aufge­riffen. Unglücklicherweise war gerade dieser Wagen, im Gegen­fatz zu den hinter ihm laufenden beiden Wagen, start besetzt. Bon den Passagieren, die an der betreffenden Seite jaßen und beim Umstürzen des Wagens unter diesen und zwischen die Wandtrümmer gerieten, fonnten drei, und zwar zwei Frauen und ein Mann, nur als Leichen geborgen werden. Sieben Reifende mußten mit mehr oder weniger schweren Berlegungen, Beinbrüchen und Quetschungen in das Dortmunder Krankenhaus transportiert werden, während acht bis zehn Fahrgäste, die auf der anderen Seite des Wagens geseffen hatten, ziemlich glimpflich mit leichteren Hautabschürfungen davonkamen.

Die beiden nach­

folgenden Wagen, die ebenfalls entgleisten, blieben neben den Gleisen stehen und stürzten nicht um. Die Aufräumungsarbeiten zur Frei­machung des gesperrten Bahnhofsgleises dauerten bis in die Mittagsstunden

Bisher steht noch nicht fest, aus welchem Grunde mitten in dem in langsamer Fahrt in den Hauptbahnhof Dormund einlaufenden Lokalzug ein Bagen plöglich entgleisen fonnte. Die Untersuchung ist noch im Gange. Bis Mittag waren die Toten, die aus der 11mgebung von Dortmund zu stammen scheinen, noch nicht re­fognofziert, da sie keine Ausweispapiere mit sich führten. Die Hilfsaktion konnte, da die Unfallstelle dicht vor der Bahnhofs­balle liegt, sofort umfassend einsehen.

Eröffnung der Unfall- Woche.

Werbewoche für Unfallverhütung.

gefahren und die Mittel zur Abwehr hinweisen.

Noch mehr als von Krankheiten, gilt von Unfällen das vorführungen, Ausstellungen usw. auf die Unfall­Wort: Beijer als heilen ist verhüten Wie Unfälle verhütet werden können, darüber soll die Reichs- Unfallver­hüfungs. Woche( Ruwo) weitere Kreise der Bevölkerung be­Sie wird veranstaltet von den deutschen Berufs­

lehren.

HELFT

UNFALLE

VERHUTEN!

REICHS UNFALLVERHÜTUNGS WOCHE 24.FEBR: 3.MARZ 1929

VERANLASST VON DEN VERBANDEN DER DEUTSCHEN BERUFSGENOSSENSCHAFTEN.

genossenschaften, denen ja, da sie Träger der Unfallver­ficherung sind, an der Verhütung von Unfällen sehr viel liegen muß. nach dem Muster der Gesundheitswoche will die Reichs- Unfallver­hütungs- Woche in der Zeit vom 24 Februar bis zum 3. März im ganzen Deutschen Reich durch Vorträge, Film­

gehen müsse und daß für ihre Erhaltung Mittel bereitstehen müßten. Die Deffentlichkeit ist leicht geneigt, solche Zusicherungen als Taten Die jüngsten Eisenbahnunfälle. zu nehmen, bis ein neues Unglüd bligartig den schweren Zwiespalt zwischen Worten und Taten der Reichsbahn beleuchtet. Es hat Eine Mahnung an die Reichsbahngesellschaft. wenig Sinn, wenn die Reichsbahngesellschaft versucht," Bon unterrichteter Seite wird uns geschrieben: durch die Geschwindigkeit ihrer Dementis jede öffentliche Erörterung Wieder haben wir in Deutschland ganz kurz hintereinander zu unterbinden, wobei das Urteil über die Schuldfrage zuweilen verschiedene schwere Eisenbahnunfälle zu verzeichnen, die ins poreilig vorweggenommen wird. Die deutsche Deffentlich besondere durch das Vorbeifahren an aufhalt" stehenden Signal- teit hat das Recht zu fordern, daß die Reichsbahngesellschaft sich masten entstanden sind. Was nutzen uns alle sonstigen Sicherheits- nicht darauf beschränkt, sondern durch praktische Arbeiten die Be­maßnahmen für die richtige Lage der Fahrstraßen, was die gute triebssicherheit auf ihren Bahnen gewährleistet. Unterhaltung des Oberbaues, was die Verstärkung der Fahrzeuge, wenn immer wieder alles durch Nichtbeachtung der Hauptsignate illusorisch wird. Was nußen der Deffentlichkeit und dem reisenden Publikum die Hinweise, daß ein Berschulden des Lokomotivführers

vorliegt und daß bei 600 Millionen Bugtilpmetern und insgesamt 1,8 Milliarden Signalbeobachtungen durchschnittlich nur 20 fehler­hafte Beobachtungen im Jahre gegen 40 vor dem Kriege zu ver­zeichnen find". Alle diese Beschwichtigungsversuche fönnen doch über die Tatsache nicht hinwegtäuschen, daß troz jahrelanger Hinweise der Deffentlichkeit auf Vorrichtungen zur 3ugbeeinfluffung, welche folche Unfälle mit ihren durchweg schweren Folgen fast sicher ausschließen, diese Anregungen nicht beachtet worden find. Wenn die Reichsbahn jetzt anführt, daß sie von ihrem 53 000 Kilometer umfaffenden Streckennet 2900 Kilometer mit 3ug beeinflussungsvorrichtungen versehen hat, so gesteht sie damit doch nur ein, daß auch sie solche Einrichtungen für zweckmäßig hält, ihren Ausbau aber unverständlicherweise seit Jahren verzögert hat. Wiederholt ist von der Reichsbahngesellschaft, ins­besondere angesichts der zahlreichen und schweren Unfälle der legten Jahre, erklärt worden, daß die Betriebssicherheit allem anderen vor

Heute 2 Grad Wärme.

Das vom Amtlichen Wetterdienst vorausgefagte I a u wetter ist mit großer Pünktlichkeit eingetroffen. Während in der egen nen Nacht noch Grad Kälte herrschten, stieg das Quecksilber in den Morgenffunden und mittags wurden gegen 2 Grad Wärme gemeffen. Das Tauwettergebiet erstreckt sich über ganz Nordwestdeutschland bis zur Oberlinie. Die Ursachen des Tau­wetters find milde Luftzufuhren aus dem Nordwesten, die überall Trübung, östlich der Elbe starte Schneefälle und einen allge­meinen Anstieg der Temperaturen hervorgerufen haben. Auch in Süddeutschland ist es bedeutend wärmer geworden. München hatte gestern 24 Grad Kälte, heute wurden nur noch minus 10 Grad ge­meffen. Die Wetterlage ist zurzeit etwas kompliziert. Bon Nordosten wird ein neuer Kaltlufteinbruch gemeldet, der in Ostpreußen bereits wieder ein Sinfen der Temperaturen zur Folge hat. Vor­aussichtlich wird auch Berlin in den Bereich des neuen Kältegebiets gelangen. Bei schwachem Froft werden stärtere Schneefälle vorausgejagt,

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In Berlin wird eine große Zahl von Vorträgen über die Unfallgefahren in Betrieben, im Verkehr, in der Hauswirtschaft und im Sport aufklären. Eine Ruwo Ausstellung im Hause Potsdamer Straße 120, an der sich Behörden und Organi­sationen beteiligt haben, wird mit ihren anschaulichen Darbietungen besonders eindringlich wirken. Das Arbeitsschußmuseum ( Charlottenburg , Fraunhoferstraße 11/12) und das heitshaus Kreuzberg ( Am Urban 10/11), die sich in den Dienst der Rumo stellen, rechnen gleichfalls in dieser Zeit auf starter Besuch. Auch der Sport beteiligt sich mit Vorträgen, Schwimm festen usw.

Gesund­

Heute mittag wurde die Reichs Unfallverhütungs­Woche mit einer Festfizung eröffnet. Dr. Spieder, Vor­sitzender des Verbandes der Deutschen Berufsgenossenschaften, wies in einer Begrüßungsansprache auf die Bedeutung der von der ge­samten Deffentlichkeit unterstützten Ruwo hin. Minister Wissell gab einen Ueberblick über die Schwere der durch Unfälle herbei­geführten Schädigungen an Gesundheit, Leben und Gut. Jährlich 24 000 Tote sind das traurige Ergebnis, und über 1 Million Menschen gehören zu dem Heer der Unfallrentner, die ihre Gesundheit und Erwerbsfähigteit großenteils oder gänzlich ver­loren haben. Die Reichsregierung unterstützt die Bemühungen, über die Unfallgefahren aufzuklären und die vermeidbaren Unfälle aus­zuschalten. Für Für das das Reichsgesundheitsamt nahm Präsident Dr. Hamel das Wort. Es versteht sich von selbst, daß die Ge= fundheitsbehörden diese Aufklärungsbestrebungen fördern. Auf die Beteiligung der Polizer, die durch ihre Straßen­ordnung zur Unfallverhütung beiträgt, wurde vom Polizeivizeprä­sidenten Weiß hingewiesen. Auch die Schule wirkt mit, und eine besondere Organisation, Schulverkehrswacht", für die ihr Vor­figender, Reftor Hauer, sprach, betreibt planvolle Belehrung der Kinder über die Unfallgefahren.

Geöffnet sind zu unentgeltlichem Besuch: Ruwo­Ausstellung, Potsdamer Straße 120, bis 3. März, täglich von 9 bis 22 Uhr; Deutsches Arbeitsschußmuseum, Charlotten­ burg , Fraunhoferstraße 11/12, bis 3. März, täglich von 9 bis 14 Uhr und 16 bis 22 Uhr; Gesundheitshaus Kreuzberg, Am Urban 10/11 , dauernd werktäglich von 9 bis 21 Uhr, Sonntags von 10 bis 14 Uhr.

Sowjetfredite in Amerika .

Washington , 23. Februar. Der Chef der Sowjetbant, Scheinmann, hat in längeren Stonferenzen, die sich über zwei Tage erstreckten, mit dem Präsidenten der Bundesbankbehörde die Mög­lichkeiten erörtert, für die geplanten langfristigen Kredite der Sowjetregierung bei den amerikanischen Banken angemessene Sicherheiten zu hinterlegen, ohne daß dabei internationale Schwierigkeiten entstehen wie im vergangenen Jahre, als die von Rußland nach Amerika gesandten Goldbarren von den Bundes­reservebanken wegen der von der Bank von Frankreich geltend gemachten Ansprüche nicht als eine für russische Rechnung hier lagernde Geldsumme betrachtet oder auch Nachrichtenbureau mitteilt, hat Scheinmann bei dieſen nur abgeschätzt werden konnten. Wie das hiesige russische Konferenzen keinerlei politische Fragen angeschnitten.

Aus der KPD .

Maffenflug fommunistischer Aerzte.

Die Bezirksleitung Berlin- Brandenburg schloß folgende Partei­mitglieder wegen schwerer Berstöße gegen die Grundsätze der mitglieder ,, wegen Partei, Propagierung reformistischer Auffassungen und schweren Disziplinbruches" aus der Kommunistischen Partei aus: Karl Köhler, Gertrud Brandler, Erna Halbe, Willy Schönbeck, Eberhard Wiskow, Walter Dupré, Dr. Leo Klauber, Dr. Ewald Fabian, Th. Gabben, Franz Schleiter.

Ferner wurde ein Berfahren gegen Dr. Rosenthal und Dr. Minna Flate eingeleitet.