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Morgenausgabe

Nr. 569

A 286

46.Jahrgang

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Vorwärts

Berliner Boltsblatt

Donnerstag 5. Dezember 1929

Groß- Berlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf.

Die stapelttge Ronpareilegelle 80 Bfennig. Reflamezelle 5.- Reichs mart Aletne Anzeigen das fettge Drudte ort 25 Bfennig( aufäffig met Fettgebrudte Morte). tebes wettere Bort 12 3fennie Stellengefuche das erfte Bort 15 Bfennig, tebes wettere Bort 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaben sablen für met Borte Urbeitsmark Selle 60 Pfennig. Familienanzeigen Seile 40 Pfennig. Unzeigenannabme imhaupt eschäft Lindenstraße 3, wochentägli eon 81, bis 17 Uhr.

Bentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

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Deutschnationaler Zerfall.

Bildung einer chriftlich- sozialen Gruppe im Reichstag.

Die der Chriftlich sozialen Reichsvereinigung an| gehörenden Reichstagsabgeordneten veröffentlichen fol. gende Erklärung:

Die der Christlich - sozialen Reichsvereinigung an. gehörenden Reichstagsabgeordneten schließen sich zu

einer Christlich - sozialen Gruppe im Reichs. tag zusammen. Sie sind bereit, mit den anderen aus der deutschnationalen Reichstagsfraktion ausge schiedenen Abgeordneten eine frattionelle Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Für die Ver

tretung ihrer christlich- sozialen 3iele in ihrer parlamentarischen Tätigkeit behalten fie fich bolle Bewegungsfreiheit vor. Hülfer, Hartwig. Behrens, Dr. Mumm, Lambach.

Graf Westarp legt den Fraktionsvorsitz nieder. Die Sigung der deutschnationalen Reichstagsfraktion, die um 14 Uhr begann, war nur von kurzer Dauer. An ihr nahmen auch Abgeordnete der preußischen Landtagsfraktion teil, u. a. die Abge­ordneten Steuer und Dr. Kaufhold. Zu Beginn der Sigung gab der Vorsitzende, Graf West arp, die Erklärung ab, daß er den Frattionsvorsig niederlege, daß er aber selbstverständ­lich in Parlei und Fraktion bleibe. Dr. Oberfohren dankte Graf Westarp für seine treue Arbelt als Fraffionsvorfigender. Die Sigung wurde darauf vertagt.

Die Ausgeschiedenen.

gleich das Ende der nationalen Opposition.

Die Unentwegten halten das Fähnlein aufrecht: Hugen­ berg , die Allbeutschen, die Nationalsozialisten, der Stahlhelm. Gie hoffen auf die Minderheit, die Geschichte macht, auf die Minderheit, die immer kleiner wird. Endkampf? Ach nein, nur Agonie!

Die Erfolge der Politit der Notwendigkeit waren stärter| Spaltung seiner Partei, und diese Spaltung befiegelt zu als die Sammelparole der nationalen Opposition." Jeder Schritt auf dem steinigen Wege nach vorwärts war eine ge­wonnene Position der Politit des gefunden Menschenver­ftandes gegen die Demagogie der Leidenschaft. Das Ende des Ruhrkampfes hat die Art an die Wurzeln der Illusionen der nationalen Opposition gelegt die Befreiung des Rhein­nationalen Opposition gelegt lands, die Revision des Dawes- Blanes, die endgültige Fest segung der Reparationsverpflichtungen vollendet, was damals begann.

Hugenberg - des geschichtlichen Sinnes so bar wie des politischen Verständnisses hat fünf Minuten vor zwölf Uhr noch einmal den Bersuch gemacht, die Deutschnationale Bolts partei in ihrer bisherigen Gestalt zu behaupten durch die Wiederaufnahme der Parolen der nationalen Oppofition". Er hat nicht begriffen, daß das Problem anders für helfferich stand als für ihn. Er hat nicht begriffen, wie sich die historische

Situation gewandelt hat!

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strebende Clemente gesammelt in einer Bartei und sie zu­Helfferich hat fozial und auch politisch auseinander­fammengehalten durch das Bindemittel der nationalen Oppo­fition". Als die Politik der Verständigung vorwärtsschritt, nach der Annahme des Dawes- Blans, vollzog diefe- Partei den Schritt aus der Sammlungsperiode in die der politischen Wirffamteit. Eintritt in die Regierung, Anpaffung an das neue System, Vertretung der Interessenten, die sie vorwiegend zusammenschloß, im demokratischen Barlament. Die natio­nale Opposition" hat sie aus diefer Lage wieder heraus­geriffen die Demagogie der Sammlungsperiode rächte sich. Seitdem strebten die heterogenen Elemente auseinander: Opposition gegen den starren Monarchismus, Opposition gegen den fozialreaktionären Kurs, Fall Lambach! Der ideologische Schleier der Bolts" partei auf der Grundlage

Die Zahl der aus der deutschnationalen Reichstagsfraktion ausgetretenen Abgeber, nationalen" Demagogie zerriß. ordneten beträgt zwölf. Es sind die Abgeord neten Lambach, Hartwig, Hülser, Klönne, Lejeune- Jung, Treviranus , Lindeiner- Wildau, Schlange- Schöningen, Keudell, Mumm, Behrens, Hötzsch.

Weitere Austritte stehen bevor.

Im Anschluß an den Austritt von deutschnationalen Reichstagsabgeordneten aus Fraktion und Partei haben auch die deutschnationalen Landtagsabgeordne ten Kliesch und Meyer- Hermsdorf dem Vor­stand ihrer Fraktion von ihrem Austritt aus der deutschnationalen Landtagsfraktion, Meyer- Hermsdorf auch aus der Partei, Mitteilung gemacht.

Graf Dohna ausgeschlossen.

Wie gemeldet wird, hat der Landesverband Ostpreußen der Deutschnationalen Bolkspartei den Grafen Dohna wegen feines in der Berliner Börsenzeitung" veröffentlichten Auffages 3u neuen Ufern" aus der Partei ausgeschlossen. 93101

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Sie begreifen es nicht einmal, was vor sich geht! Der Pressechef des Herrn Hugenberg deklamiert angesichts der Spaltung: Im Bertrauen auf ihren Führer wird die nationale Opposition dem Endlampf entgegen­gehen. Nicht auf der Grundlage des heutigen Staates, jon­dern in der Ueberwindung des heutigen Staatssystems. Nur Minderheiten machen Geschichte, nicht solche, die sich zur Masse schlagen!" Sie begreifen es nicht, daß dies das Ende der nationalen Opposition" ist, die Vollstreckung eines geschichtlichen Todesurteils! Der Endlampf fommt nicht, er ist aus! Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat er­fannt, daß die endgültige Reparationsregelung und die Be­freiung des Rheinlands die historische Stunde ist aber die Blinden um Hugenberg sehen nicht sie leben immer noch in den Zeiten vor 1923!

Die nationale Opposition" war einst eine glänzende Barole zur Sammlung aller Mißvergnügten gegen die Republit, denen man die Herrlichkeiten des Kaiserreichs malte - vor dem Kriege, versteht sich. Ein Helfferich hat dies Instrument der Demagogie zur Parteisammlung virtuos ge­handhabt mit der Abficht, die ,, nationale Opposition" von der Protestlerpartei einst zur wirklichen Macht zu führen. Macht schaffen durch Aufwühlung der Leidenschaften gegen die Politik, die die Staatsparteien nach der Niederlage zu führen gezwungen waren das war ihr Sinn. Das Ziel aber: Ausnutzung der Macht zum Sturze der Demokratie, zur radi­falen Bertretung der Interessen der Gruppen, die im Kaiser­zeiche herrichten!

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Hugenberg hat diese Partei zurückführen wollen aus der Periode des Wrfens in die Periode der Sammlung, aus der Periode der Machtverwirklichung in die der Agitation, mit derselben Parole, die im Augenblick der Uebernahme des An­teils an der Macht so eklatant, so weithin sichtbar um der Macht willen preisgegeben worden war! Er hat die offen drängen wollen durch eine politische Idee, bie teine Resonanz hervortretenden sozialen und politischen Gegenfäße zurüd mehr in den Massen findet, weil sie geschichtlich überholt ist, weil ihre Unvereinbarkeit mit der Gegenwart und den Lebensinteressen des Boltes sichtbar vor aller Augen liegt.

Er hat geglaubt, zurückzugehen zu helfferich, und hat nicht begriffen, daß dieser weit über den Hugenberg von heute hinaus war, weil sein 3iel die Macht, die Bier nach der Macht war, nach dem Anteil an der Macht, an den er sich antlammern wollte.

Die Deutschnationalen, die Partei und Fraktion ver laffen, die Gehenden, empfinden die Zerstörung ihrer Partei auf das tieffte, fie fühlen, daß die helfferichsche Konzeption der Sammlung zerschlagen ist. Aus dem Absagebrief des Herrn Lambach an Hugenberg spricht weißglühender Born des wirklichen Bolitikers: die Brüden über Elbe , Main und Rhein zerschlagen, die Brücken über die Stände zerstört, tiefftes Mißtrauen gegen die Deutschnationale Boltspartei in die chriftliche Arbeiterbewegung gesät!

Hugenberg bleibt allein mit den Unentwegten und der Rheinlandes hineinragt. Die Elemente seiner Partei, die nach antiquierten Sammlungsparole, die seltsam unzeitgemäß aus der Zeit vor dem Ruhrkampf in die Zeit der Befreiung des praftischer Bolitit, nach Machtkampf um Intereffen drängen, die bei dem großen Kampf um die Lastenverteilung, um die stehen wollen, flüchten vor der Politik der Sterilität, der un­fruchtbaren Opposition, des sturen Abwartens auf den Sturz der Demokratie, die eben in dieser Parteikatastrophe ihre ge­waltige Macht erweist.

Die Bertreter der Landwirtschaft schicken sich an zu gehen, Herr Schlange- Schöningen ist bereits ge­gangen.

Prominente Unternehmervertreter wie Klönne und Leopold rebellieren. Sie begreifen, daß man sozialreationäre Pläne nicht verwirklichen tann, wenn man das Tischtuch gegenüber den Arbeitern und Angestellten zerschneidet, die noch in der Illusion der natio­nalen Boltsgemeinschaft, der Harmonie der Klassen befangen find. Sie begreifen, daß man zur sozialen Reaktion nicht nur ein Programm und den bösen Willen, sondern auch macht im parlamentarischen System befißen muß. Sie wollen vor in einer nicht foalitionsfähigen Partei, wenn das große poli allen Dingen nicht abseits stehen in unfruchtbarer Opposition, tische Ringen um die Finanzreform und den Kurs der Wirtschaftspolitit anhebt. Für sie ist die Flucht vor Hugenberg der Weg zur Verstärkung der Front gegen die Sozialdemokratie.

Hugenberg zog aus, um den Marrismus zu schlagen, aber diese Kräfte entfliehen entfeßt, weil sie fürchten, daß die Front gegen den ,, Marrismus" durch Hugenbergs Willen zu sehr geschwächt werden könnte!

Helfferich hat sich und seine Bartei nach dem Rathenau­mord von den Alldeutschen, den offenen Butschisten, den politischen Mördern, getrennt. Er hat die Leidenschaften be­nußt. die diese Kreise umgaben, er hat sie gepeitscht, um dann die Trennung zu vollziehen um des Weges zur Macht willen. ,, nationale" Demagogie ist zerriffen, die Illusion der Hugenberg hat in der Stunde der Krise der Deutsch­ nationalen Bolkspartei das Bündnis mit den Alldeutschen, mit den Nationalsozialisten, mit den Butschisten aufs neue geschlossen- er hat zerstört was die Deutschnationale Boltspartei bisher erreicht hatte. Die Antwort ist die

verhältnisse im gegenwärtigen Reichstag die Folge der deutsch­Welche Neugruppierungen, welche Wandlung der Macht­nationalen Spaltung sein werden. das muß fich zeigen. aber über das Parlamentarische hinaus ergibt sich: die Klaffenharmonie in der Deutschnationalen Bolks­partei ist zerstört, Bewegung gerät in einen Edpfeiler des bürgerlichen Parteiensystems, der mit der Boltsgemeinschafts­ideologie Bolfskräfte binden wollte gegenüber der Sozial­demokratie, die nicht ins bürgerliche Lager gehören!

Verlorene Illufionen!

Lambachs Abrechnung mit Hugenberg .

Der Reichstagsabgeordnete am ba ch veröffentlicht im| Sie Ihre Tätigkeit als Parteivorsitzender eröffneten, diese ,, Deutschen " den folgenden Offenen Briefan Hugen Brüden wieder zerstört berg: Durch Ihren Brief nach Amerita und die darin ent­Sehr geehrter Herr Geheimrat! Es war ein Verdienst der haltene Aufforderung an ausländische Rapi­Deutschriationalen Volkspartei, den konservativen Ge- talisten zur Beteiligung a m Kampfe gegen danten von den ostelbischen Positionen aus über Elbe und große Teile der deutschen Arbeitnehmerschaft main hinübergetragen und ihn mit den chriftlich haben Sie den Weg zur innerdeutschen Verständigung über inner­sozialen Gedanken des Westens vermählt zu deutsche soziale Fragen verlassen und sich außerhalb jener haben. Durch Ihre Politik ist dieser Erfolg wieder zerschlagen Willensgemeinschaft gestellt, die eigene Not aus eigener worden. Die konservativen Brücken über Elbe, Rhein und Main Kraft in eigener Bürde überwinden will. sind durch Sie zerstört worden.

Die Deutschnationale Volkspartei hatte unter ihrem ersten Bor­fißenden eine Brüde über die Kluft zwischen den Ständen geschlagen. Sie haben durch ihre betriebsame Förderung der rrwege ber Sozialpolitit, mit ber

Die Deutschnationale Volkspartei , die einst eine Hoffnung des deutschen Arbeitnehmerfums gewesen war, stößt infolgedessen heute in der Arbeitnehmerschaft auf fiefes Mißtrauen. Die Deutfcnationale Bolfspartei hatte Brüden zu den