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Einzelpreis 20 Pfg.
3. Jahrgang
Die Freiheit erscheint morgens und nachmittags, Sonntags und Montags un einmal. Der Bezugspreis beträgt bet freier Zustellung ins Haus für Groß- Berlin 10,- m. im voraus zahlbar, von der Spedition selbst abgeholt 8,50 m. Für Post bezug nehmen fämtliche Postanstalten Bestellungen entgegen. Unter Etreifband bezogen für Deutschland und Österreich 16,50., für das übrige Ausland 21,50 9. uzüglich Baluta- Aufschlag, per Brief für Deutschland und Sfterreich 30,-. Redaktion, Expedition und Berlag: Berlin 2, Breite Straße 8-9.
Mittwoch, 1. Dezember 1920
Nummer 509
Abend- Ausgabe
Die achtgespaltene Stonpareillezelle ober beren Raum koftet 5,-. einschließlich Teuerungszuschlag. Kleine Anzeigen: Das fettgedruckte Wort 2, M., febes weitere, Wort 1,50 M., einschließlich Teuerungszuschlag. Laufende Anzeigen laut Tarif. Familien- Anzeigen und Stellen Gesuche 3,20 m. netto pro Beile. Stellen- Gefuche in Wort- Anzeigen: bas fettgedruckte Wort 1,50 M., jedes weitere Wort 1,- M Fernsprecher: Bentrum 2030, 2645, 4516, 4603, 4635, 4648, 4921
Freiheis
Berliner Organ
der Unabhängigen Sozialdemokratie Deutschlands
Die kommunale Krise
Anläßlich des Rüdtritts des Oberbürgermeisters Wermuth prach die bürgerliche Bresse von der schweren tommunalen Krise der neuen Stadtgemeinde Berlin. Diese Behauptung ist richtig, und so schmerzlich es ist, sie zugeben zu müssen, so find wir doch der Meinung, es hat keinen 3wed, diese offenichtliche Tatsache verschleiern zu wollen. Sie ist letzten Endes Das Ergebnis der 3ersplitterung der sozialistischen Arbeiterschaft, deren Früchte nun die Reaktion einheimit.
Bei den Wahlen am 20. Juni standen sich nur zwei sozias liftische Parteien gegenüber, die eine Mehrheit der Wähler auf ihre Seite brachten. Die Unabhängige Sozialdemofratische Partei wurde doppelt so stark als die rechtssozialistische. Sie konnte deshalb erwarten, großen Einfluß auf die Saltung der Rechtssozialisten in der Gemeinde und auf die gesamte Berwaltung der Stadt ausüben zu können. Diese Erwartung ging auch in Erfüllung. Es wurde durch das zu fammengehen von Unabhängigen mit den Rechtssozialisten verhindert, daß diejenigen Bestrebungen in der S. P. D., die auf Anschluß an das Bürgertum abzielten( Seilmann, Scheidemann) Erfolg hatten.
Als aber die inneren Auseinandersetzungen in der U. S. P. begannen und deutlich anzeigten, daß die Partei in furzer Seit zerrissen sein werde, dadurch an Einfluß auf die Massen berliere und in der Zahl ihrer Vertreter in der Gemeinde zurückgehe, gewann die dem Zusammengehen der sozialistischen Graftionen in der Stadt abgeneigte Richtung der S. P. D. an Einfluß. Das fand seinen äußeren Ausdruck in dem halb uldenden Gewährenlassen der bürgerlichen Parteien in der Breußischen Landesversammlung, als sie die Verschlechterung les Gesetzes über die neue Stadtgemeinde Berlin beschlossen.
Das Märzablommen muß erfüllt werden!
Die Orgesch in Berlin
Mie in der Morgenausgabe gemeldet wurde, hat der Polizeipräsident Richter eine Kampforganisation der Rechtsparteien ausgehoben. Der Leiter der Organisation, Hauptmann Bostelmann, ist, nach berühmtem Vorbild, entflohen. Er wird sich nun einen anderen Wirkungstreis suchen und seine bisherige Tätigkeit mit verdoppeltem Eifer fortsetzen. Finden wird man den Verschwörer ebensowenig, wie den berüchtigten Hauptmann feffer, der seit Monaten stedbrieflich verfolgt wird, sich da durch aber nicht im mindesten stören läßt, sondern, unter dem besonderen Schutze der Rechtsparteien stehend, seine Tätigkeit unte gehindert fortfekt. Das außerordentliche Gericht arbeitet nur gegen die Linksparteien. Selbst dem„ Berliner Tageblatt" ist das bekannt; es sieht sich aus Anlaß des vorliegenden Falles ge= zwungen, folgendes festzustellen:
,, Bei dieser Gelegenheit muß wieder einmal hervorgehoben werden, daß auffälligerweise das auf Grund der Verordnung vom 30. Mai 1920 gebildete außerordentliche Gericht noch nies mals gegen geheime Organisationen von rechts in Tätigkeit getreten ist, und daß auch die anläßlich des Weißenfeer Kommunistenprozesses von der Anklagebehörde selbst angekündigten Berhandlungen gegen Rechtsorganisationen, insbesondere gegen ben Hauptmann v. Pfeffer, noch immer auf sich warten lassen. Vielleicht äußert sich einmal das Reichswehrministerium, bem die außerordentlichen Gerichte unterstellt sind, über diese unverständlich lange Dauer des Verfahrens."
Warum schreitet der Polizeipräsident Richter, warum schreitet bas außerordentliche Gericht nicht endlich auch gegen den Sportflub" Olympia ein? Dieser„ Sportklub" umfaßt die früheren Beitfreiwilligen des Schuhregiments Groß- Berlin. Er ist jetzt 11 000 Mann start, Führer ist Major v. Seeringen, ein alter Kappist, der vor einer Woche mit Escherich eine Bea jetzt mit seiner Organisation ebenfalls der„ Orgesch" angeschlossen hat. Der„ Sportflub" ist in einzelne Blocs eingeteilt. Haupt
Blocarlamierungsort ist die Oberfeuerwerterschule, Moabit. Bei einem eventuellen Aufstand erhält der Sportklub Olympia die Bezeichnung Notwehrregiment I. Weitere Führer sind: General Mobius, Major Bischel, Major Brettschneider, Sauptmann Willamowit- Möllenborf.
Aus all diesen Tatsachen ersehen wir, daß die militärischen Ge= heimverbände nicht aufgelöst find. Sie haben nur ihren Namen
Wir wissen uns frei von einer Ueberschähung der Machtpofition, die das Proletariat innehat, wenn es die Verwal tung der neuen Stadtgemeinde beherrscht. Die Wirksamkeit ber proletarischen Vertreter ist begrenzt durch die Gesetze des Reiches und des Staates. Und solange hierbürger liche Mehrheiten bestehen, wird jede wirklich soziali- sprechung im Palais in der Wilhelmstraße gehabt hat und sich tische Maßnahme stets den entschiedenen Widerstand des Bürgertums und der fapitalistischen Regierungen hervorrufen. Daß dies gegenwärtig in sicherster Aussicht steht, hat ja nicht nur die Verordnung des Reichspräsidenten anläßlich des Elettrizitätsarbeiterstreifs gezeigt, sondern auch die drohende Anfündigung des Ministers Koch im Reichstag und der Ruf der bürgerlichen Parteien nach einem Diktator für Berlin. Es wäre eine Juusion, anzunehmen, daß Regierung und bürgerliche Parteien die durch die Städteordnung garantierte SelbstMerwaltung der Gemeinden als ein Pflänzlein Rühr- michht- an ansehen. Im Gegenteil. Für Berlin steht die Selbst Verwaltung nur auf dem Papier und nur solange, als sie den bürgerlichen Parteien und der Regierung ungefährlich ist und der Einfluß der Arbeiterschaft sie zu erhalten weiß. der 6. B. it bie Stellung der sozialistischen Parteien in der neuen Stadtgemeinde noch mehr erschüttert worden. Boten schon die Verhandlungen zwischen U. S. P. und S. P. D. bei den gegen fählichen Auffassungen zuweilen große Schwierigkeiten, die die Erledigung aller Aufgaben verzögerten, so wurde das nach dem Hinzutritt der Neufommunisten noch schlimmer. Nun bestanden drei Gruppen, die unter einen Hut zu bringen waren. Zwar hatten die Neufommunisten es als eine Selbstverständlichkeit bezeichnet, daß sie für gemeinsam beschlossene Handlungen auch nach außen hin die Berantwortung übernehmen wollen. Daß das aber nicht geschehen werde, unter: lag für die, die die Neufommunisten fennen, faum einem 3weifel. so weniger als damit gerechnet werden mußte, 1 daß durch de Borherrschaft der Moskauer Ideologie in dieser Partei weit über das zulässige Maß hinaus politische und außenpolitische Motive die kommunalpolitische Haltung be:
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schaften haben die dringende Pflicht, das Märzabkommen durch zudrücken. Sonst tommen sie über kurz oder lang unter die Räder der Reaktion und drohen, wie in Ungarn, zermalmt zu werden.
Kahr hat gefiegt!
Der banerische Ministerpräsident von Kahr war Ende lezier Woche in Berlin und hatte mit den maßgebenden Stellen eine Unterredung über die Beibehaltung der Einwohnerwehren. Die Reichsregierung hat sich über das Ergebnis der Besprechung sehr vorsichtig geäußert, unsere Reichstagsfraktion wird sie daher durch eine kleine Anfrage zwingen, I la ren Wein einzuschenken. Nach den vorliegenden Meldungen scheint v. Kahr einen vollen Sieg davongetragen zu haben. In bayerischen Regierungsfreifen wird nicht mit einer Auflösung der Einwohnerwehren gerechnet. Es heißt, die Entente habe sich mit dem jezigen Zustand abgefunden, sie wolle nur, daß sich die bayerischen Einwohnerwehren auf eine bestimmte Mitgliederzahl beschränken, außerdem soll den Wehren der zentralisierte Charakter genommen werden
In München find verschiedene englische Generäle eingetroffen, die sich über die Lage unterrichten wollen. General Macolm
hatte auch eine Aussprache mit dem früheren rechtssozialistischen Minister Auer. Was bei diesen Unterhandlungen herauskommt, wissen wir zur Stunde noch nicht. Fest steht aber, daß die Arbeiterschaft den Rüstungen der Gegenrevolution nicht mehr ruhig zusehen kann. Drgesch und Einwohnerwehren sind ausgesprochene monarchistische Kampforganisationen. Auch Reichswehr und Sicher heitspolizei sind monarchistisch verseucht.
Soll die Republik erhalten bleiben, dann bedarf sie zu ihrem Schuße der Arbeiter. Wenn also Orgesch und Einwohnerwehren nicht aufgelöst werden, dann müssen die Arbeiter schnellstens eine Gegenorganisation ins Leben rufen. Nur so sind sie
sicher, nicht wieder wie am 13. März überrumpelt zu werden.
Die Pfalz klagt an
Auf dem Parteitag der badischen Sozialdemokratie hielt der pfälzische Parteiführer Profit( Ludwigshafen) eine Begrüßungsansprache. Er wandte sich mit scharfen Worten gegen den Abgeordneten Held von der bayrischen Volkspartei. Bon Bayern drohe der Pfalz eine große Gefahr. Bayern, d. h. die Regierung Kahr, glaube ein Reservatrecht auf die Ein. wohnerwehren zu besigen. Die Pariser Politit habe wohl in München erst den Eindrud erwedt, als ob sie für die bayrischen Einwohnerwehren eine stille Billigung zugestehe. Auch arbeitet sie durch die Stärkung der Königspartei darauf hin, die Einheit der deutschen Republik zu zerschlagen. In nicht mizzuverstehender Weise hätten aber die Sozialdemokraten Nordbayerns und der Pfalz der Königspartei zu verstehen gegeben, daß bei einer Revolution von rechts Franken und die Pfalz für sie verloren feien. Die Pfalz tlage darum die bayrische Reund seine Regierung zur Silfe auf.
geändert, sind durch Escherich zentral organisiert worden und deshalb heute von viel größerem militärischen Wert als vor bem 13. März. Die Gefahr für die Republit wächst von Tag zu, Tag. Die Regierung fann und will feine Abhilfe bringen. Darum muß der Front der militärisch organisierten Reaktion die Front gierung vor dem Forum des deutschen Volkes an und rufe dieses der organisierten Arbeiter entgegengestellt werden. Die Gewerk
feiten; auch in der Arbeiterbewegung gebrauchen Führer das Vertrauen und bedürfen seiner öffentlichen Versicherung, wenn die Gegenrichtung so start ist, daß sonst, ihr Sturz zu erwarten wäre.
Die tommunistische Presse macht auch diesen lächerlichen Versuch der Verschleierung zu nichte. Sie gibt offen zu, daß die Neufommunisten Wermuth wegen seiner Haltung im Streif nicht mehr stützen wollten, fie desavouiert also ausbrücklich die eigene Stadtverordnetenfraktion, die sich diesem Diktat fügen mußte. Für diese Untlarheit ist bezeichnend die folgende Stelle in der Polemik der„ Roten Fahne"
gegen uns:
Wermuth war vielleicht gut und am Blaze in einer Zeit fried licher Entwidlung, eines latenten Klaffentampfes. Wermuth licher Entwidlung, eines latenten Klassenkampfes. Wermuth wurde in dem Augenblid unmöglich, als die Sprengung der fapitalistischen Fesseln, die Sprengung der tapitalistisen Fesseln, die
Das ist in der Stellungnahme zu dem Oberbürgermeister Wermuth deutlich hervorgetreten. Es ist richtig, die Neufommunisten waren mit der Haltung Wermuths in der Streifs frage unzufrieden. Aber sie, die ihn mitgewählt hatten, tung zu stürzen. Ihre Anträge vermieden sorgfältig jeden waren trotzdem frei von der Absicht, ihn wegen diefer Halieberringung ber Bourgeoisie im verschärften
wurde.
lassen fampf zur Eristensfrage des Proleta riats, zu seiner aktuellsten und wichtigsten Gegenwartsaufgabe
wurde.
der Bourgeoisie im verschärften Klassenkampf zur Existenzfrage des Proletariats werden?- auch die Absicht, fünftig in Groß- Berlin Politit auf eigene Faust zu machen. Denn wenn die U. G. B. eine objektive gegenrevolutionäre Partei ist, genau wie Wermuth, so ist doch selbstverständlich, daß die, revolutionäre" Partei der Neufommunisten mit ihr nicht pattieren tann, sondern sie auch in der Stadtverord netenversammlung bekämpfen muß. Daher anscheinend aud die Erklärung der„ Internationale" sofort nach dem Rüdtritt Wermuths, man werde an Dr. Weyl genauso wenig Freude erleben.
Bei dieser Sachlage scheint es, als ob durch das Verhalten der Neufommunisten sich die sozialistische Mehrheit im Nebel aufgelöst hat. Denn sie seht voraus eine Einigung über die gemeinsam zu vertretenden Maßnahmen, die nach dem der neukommunistischen Fraktion vorgeschriebe nen Verhalten nicht mehr zu erwarten ist. Daher die große Freude des Bürgertums über den leichten Sieg, den es dank dieses Verhaltens in überraschend kurzer Zeit errungen hat und den es nun nach Kräften auszuwerten sucht. Ohne die fommunistische Frattion haben zwar die beiden anderen sozialistischen Fraktionen noch eine fleine Mehrheit. Sie verfügen über 104 Sige, die Bürgerlichen über 99. Aber bei der anscheinend im Wachsen begriffenen Hinneigung der Rechtssozialisten zum Bürgertum steigt auch bei ihnen die Neigung, Konflitte zu vermeiden und in manchen Fragen wenigstens mit den Bürgerlichen zusammen zugehen.
Forderung der Untersuchung zu dem zwed, das Vorgehen der streifenden Elektrifer zu entschuldigen. Sie verweigerten Es ist Demagogie, echt menschewistische Demagogie, wenn die zunächst zwar die Unterschrift für einen Antrag, der Wer- Freiheit" versucht, den politischen Fall Wermuths in einen momuths Haltung in der Streit frage billigte, halfen aber zu was wollte, später selbst mit, die Formulierung für den Antrag zu fin- fondern was Wermuth objektiv war, steht zur Debatte. Wer Dienste der minderbemittelten Bevölkerung" ausgesprochen en, durch dem Wermuth, Anerkennung für sein Mitten im muth wat objektiv ein Gegenze volutionär, genau is wie ein Rautsty, ein Crispien und ein Blatt wie die Freiheit" objektiv gegenrevolu Da damit der Zweck, den Ansturm der Bürgerlichen gegen tionär und gelb find, trok vielleicht ihres guten Willens, ben. Ganz anders aber gestaltete sich die Situation, als sie gegen dieses Verhalten ber kommunisten nichts einzuwen- solutionäre zu sein. Dem Proletariat ist mit moralischen Urteilen in seinem Rampfe gar nichts geholfen. Es ist endlich Zeit, daß es die Unterschrift unter diesen von ihnen vorher gebilligten politisch denken lernt. Und dazu soll ihm der Fall Wermuth Antrag zurüdzogen, ein Beschluß, den die neufommunistische helfen." Fraktion mit nur einer Stimme Mehrheit gefaßt hat. Die stellen, zeugen deshalb von findlicher Einfalt. Solche Versionen wie soll in der Stadtgemeinde Berlin die Spren fagen, alles außerhalb ihrer Reihen ist gegenrevolutionär, Berjuche, ein solches Bertrauensnotum als überflüjjig hinzu nehmen. Sie pffenbaren neben völlig unberechtigten Illu trauenstundgebungen sind feine bürgerlichen Aeußerlich-| gung der fapitalistischen Fesseln erfolgen, die Niederringung
Es ist schwer, diesen Nebensarten einen Sinn zu ent
Schon jetzt suchen die Bürgerlichen diese Situation auszu nuken. Ihre Presse bietet ihre Mitarbeit an. Sie spricht deutlich die Erwartung aus, daß nach der Haltung der Neutommunisten eine Einigung über einen gemeinsamen Kandidaten der Sozialisten für den Bosten des Oberbürgermeisters nicht erfolgen fönnen. Sie weist mit Recht darauf hin, daß sos wohl, wenn die Neufommunisten an der Auffassung festhalten, die Bekundung des Vertrauens fei überflüssig, wie wenn sie
taum ein Ausweg zu sehen sei, auf dem ein sozialistischer Kaws