Anterhaltungsblatt des Vorwärts
St: 252.
od Grill
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Auswanderer.
Donnerstag, den 28. Dezember.
( Nachdruck verboten).
1899
und seiner Lackstiefel zuzuwenden. Doch der Champagner prickelte ihm im Schädel. stachelte sein Dentvermögen auf und trotz feines Claque und seiner Lackstiefel begann Herr Pinchaud zu
Novelle von Charles Foley. Autorisierte Uebersetzung überlegen. Aus allen diesen geschlossenen Wohnungen erfah er,
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von Wilhelm Thal.
I.
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daß die Städte, eine Gruppierung von Menschen, die sich zu dem alleinigen Zweck der gegenseitigen Verteidigung vereinigt hatten, infolge einer schrecklichen Uneinigkeit zu einer Anhäufung von Als er die Oper verließ, die er ohne seine Tochter. Orten wurden, die schlimmer als die Höhlen der Urmenschen Madame Harpiot. oder Therese, feine alte Wirtschafterin zu anzusehen waren. Welcher Bezirk verabscheute nicht den andern benachrichtigen, besucht, wurde Herr Pinchaud unangenehm von Bezirk, welches Haus suchte nicht seinem Nachbar zu schaden, einem starken Schneefall überrascht, dessen Flocken sich welches Stockverf war nicht der Feind des unteren Stockwie ein endloser Faden weißer Wolle an den elektrischen verfes? So fehrten die Städte, indem sie sich civilisierten, zur Laternen hinuntergezogen. Es war ein Dezemberabend, Ungaftlichkeit, zum wilden Egoismus zurück. Damit Herr Pinchaud der Himmel klar und falt und ganz dazu geeignet, zum Beispiel seinen Zug um 12 Uhr 40 Minuten nicht verfäumte, daß man sich in einem überheizten Theaterjaale behaglich mußte er, da die Omnibusse nicht mehr fuhren und die Tramwayfühlen konnte. Dort hatte er gleich einen guten Platz im wagen ins Depot zurückgebracht waren, um Auteuil zu erParterre, ziemlich weit von der Claque, gefunden, und reichen, ganz Paris zu durchwandern, in der beständigen Angst, bei„ Robert der Teufel " vier glückliche Stunden durch in diesen öden Gegenden unangenehme Begegnungen zu er Iebt; bei seinen Lieblingsmelodien hatte mit dem leben. Stopf gewackelt und die Arien vor sich hergesummt, während War das nicht gräßlich und zeugte das nicht von einer sie gleichzeitig der Tenorist, die Altistin und der Sopran socialen Gleichgültigkeit, die an die Urzeit erinnerte? auf der Bühne fangen. Im letzten Zwischenaft hatte Herrn Pinchaud stand noch das Aushilfsmittel der er. bon cinem so gleichmäßig föstlichen Abend ent- Hotels zu Gebote. aber würden ihm sich diese zückt. fich hintereinander zwei kleine Stelche Champagner öffnen? Und dann, famute er sie überhaupt? Konnte geleistet; nur um sich die Stimme aufzufrischen, wie er sich er nicht in ein zweideutiges Haus eintreten? Und er ein selbst gestand, denn trotz der Aufforderung seiner Nachbarn, Mann, der einige Louisdors in der Tasche hatte, konnte sich fich ruhig zu verhalten, hatte er die Partien Roberts". noch aus der Sache herausziehen, aber in seiner Aufregung ., Alices" und Bertrams" leise mitgeträllert. Das Terzett stellte sich Herr Pinchand ein schwaches Wesen vor, eine war an jenem Abend ganz wunderbar nach Wunsch gegangen, Frau, eine in der Großstadt verlorene Fremde, die von und deshalb empörte dieses häßliche Better Herrn allem entblößt war. Was sollte sie hier in diesem un Pinchaud wie ein Mangel an Rücksichten, wie eine gebeuren Steinlabyrinth anfangen, zwischen diesen endUnverschämtheit. Denn wenn sich Herr Pinchaud ein- losen Mauern eines entsetzlichen Gefängnisses? Ach, die mal heimlich ins Theater wagte, so zwang zwang ihn Menschen waren doch eigentlich recht grausam zu nichts, sich gerade diesen Abend eher als einen anderen aus den Menschen! Wenn zum Beispiel Herr Pinchaud vor Kälte zusuchen. Er war wohlhabend, Witwer, und wohnte in umfam oder irgend ein Strolch ihn erstach, dann würden Auteuil, fern von seiner einzigen Tochter, die mit einem diese Menschen ruhig weiter schlafen; sie würden es nicht einGerbereibefizer int Montrouge verheiratet var; es mal erfahren. Uuerhört! Da war es doch tausendmal besser, stand ihm also frei, sich den Zeitpunkt auszusuchen einer durch die nackten Wüsten streifenden Horde, einem und sich die Sache erst genau zu überlegen. Hätte wilden Stamme auzugehören, der sich in den Wäldern aufer die geringste Ahnung gehabt, daß die weißen Sterne und hielt, als in dieser gefühllosen Stadt zu leben, die ihre ehrder flare Mond ein Schneegestöber im Gefolge haben würden, lichen Menschen den Schrecken der Nacht auslieferte, wie man er wäre ruhig, behaglich in seine Decke eingewickelt, in seinem in dem römischen Girfus die Märtyrer den Krallen der RaubEessel am warmen Ofen figen geblieben! Dagegen jetzt tiere hinwarf! diefer Sturm! Und er hatte nicht einmal einen Regenschirm Diefes fühne Bild ließ den dicken Mann erschauern. für seinen Claque und keine Gummischuhe für seine Lack- Und plößlich kam ihm der wahrhaft außergewöhnliche Gedanke, stiefel, die noch von der Hochzeit feiner Tochter herstammten. daß er selbst jeden Abend in seinem wohligen, warmen ErdDer plötzliche Anfall von schlechter Laune des friedlichen geschoß ohne die geringste Unruhe in sein weiches Bett Sentiers läßt sich also begreifen. fletterte und dort gemütlich einschlief, ohne an die anderen zu denken, an die Obdachlosen, die in der Nacht herum. irrten. Und auch seine Tochter, Madame Harpiot, dachte nie daran, ebensowenig Therese, seine alte Wirtschafterin, noch sonst einer seiner Verwandten oder seiner Freunde. Und doch lebten alle so wie er, ruhig und ohne Gewissensbisse. Warum? Was hatte er, Pinchaud, gethan, daß ihn dieser Gedanke heute abend quälte? Woher famen diese plötzlichen Gewissensbisse eines schuldigen Egoismus? Und ohne daß etwas diese seelische Statastrophe voraussehen ließ, rang sich in einem lebermaß des Schmerzes, des Bedauerns, der unflaren Zärtlichkeit ein höchstes, unerwartetes Streben[ aus seinem Herzen los: er wollte gut fein.
Indessen fügte sich Pinchaud nach diesem ersten Merger, dank den beiden Champagnerkelchen, ziemlich philosophisch in das Unvermeidliche, streifte seine Hose auf und wanderte dem Bahnhof zu. Die erbliche Sparsamkeit der Familie verunkte ben ter zu verschmähen Als sich das Bublifum rechts und links zerstreut hatte und die Wagen an ihm vorübergefahren waren, befand sich Herr Pinchaud ganz allein auf der Straße.
Das war recht unangenehm!
Durch die wirbelnden Flocken zuckten die blassen Gasflammen, als wenn sie im Sterben lägen. Die Boulevards erschienen wie ein nebliger Abgrund. Die schwarzen, fahlen Bäume, die düsteren Mauern, die sich von den weißen Das war in seinem Hirn sozusagen nur ein Aufzucken, Dächern und dem hellen Erdboden abhoben, machten den das die sorgenvolle Beschäftigung mit seinem Nachtzuge plötz Eindruck ungeheuerer Trauerbuchstaben. Die Fensterläden, lich wieder erstickte. Der Bahnhof war in Sicht. die Eisenstäbe vor den Geschäften, erschienen wie schwere erleuchtete Zeiger deutete auf 12 hr 20 Minuten. Er Lider, die sich über den Augen toter Häuser geschlossen dachte nur noch daran, sich sein Billet zu kaufen und hatten. wühlte in feiner Westentasche, dann wollte er langsam
Der
Diefe Betrachtungen überraschten und erschreckten Herrn die Treppe hinaufsteigen, 11111 sich nicht zu erhitzen. Pinchand. Was dachte er da, er, der gewöhnlich so wenig Eine kalte Feuchtigkeit an den Füßen verstimmte ihn, dachte? Warum erregten diese Aeußerlichkeiten an diesem doch er hoffte, es würde im Waggon warm sein. Da Abend düstere Vorstellungen in ihm, während er doch seine Wohnung nur fünf Minuten vom Bahnhof entfernt gewöhnlich alles Mögliche betrachten konnte, ohne daß deshalb lag, so war nichts zu befürchten. Sobald er nach Hause fam, der geringste Gedanken in ihm wachgerufen wurde? Sicher- wollte er ein Streichholz in das Fener stecken und den Tisch lich war es der Champagner, der ihm diesen Streich spielte, an die fröhliche Flamme heranrücken, um zu soupieren; im und in weiser Klugheit, da er für seinen Schlummer Be- Büffett stand nach ein falter Hühnerflügel, ein Schüsselchen klemmungen oder gar Alpdrücken befürchtete, bemühte er sich Gänsepasteten und drei bis vier Flaschen 1870er Saintfeine Aufmerksamkeit ausschließlich der Erhaltung seines Hutes Jacques, ein recht warmer Wein, der nicht zum Denken