Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Str. 213. dau Freitag, den 2. November.

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( Nachdruck verboten.)

Mnter Wolken. Roman von Kurt Aram .

Keine leichte Aufgabe, da einen focialen Roman zu schreiben, auch nur auf Grund der hiesigen Verhältnisse; denn Schäfer spürte, daß das längst nicht mehr sogenannte einfache Verhältnisse waren. Man mußte denn flunkern und eitel " Poesie" geben. Er hob den Kopf. Aber interessant war es nun erst recht! Jetzt zog ihn der Plan wieder an, und zwar um so mehr, je schwieriger ihm die Ausführung zu sein schien.

Er reckte sich mit Macht. Diesmal sollte, mußte es was Züchtiges geben!!

Vor der grauen Villa stand der Wagen angespannt. Otto machte sein sarkastisches Gesicht. Na, juct's ordentlich?"

Nein. Garnicht." Schäfer hatte die Sorge um die Tierchen über den Menschen ganz vergessen.

Juteressantes erlebt?"

ja, ne ganze Menge."

"

Dann schieß los!"

asda dat 1900

So werd' ich denn die nächsten Tage in die Wirtshäuser müssen, um die Männer kennen zu lernen, deren ich bisher nur zwei fennen lernte.

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Er lächelte. Das mit dem einen war auch sehr lustig. Ich suchte ja Männer, nicht wahr? Konnte aber feine finden. Endlich fand ich nun einen, der traurig aus dem Fenster sah. Ich war ganz glücklich. Vor allem auch wegen feines traurigen Gesichts. Daraus spricht sociale Not, sagte ich mir erfreut, da kannst du was lernen. Ich ging ins Haus. Der Mann blieb auch in meiner Gegenwart mißmutig und furz an gebunden. Auch das freute mich, denn ich sah darin außer der Notlage auch noch seinen festen Charakter. Ich fragte nun gar mancherlei, er wollte aber nicht recht raus mit der Sprache. Er stöhnte nur manchmal leise, was mich natürlich nur anfeuerte. Er stöhnt schon, dachte ich, da wird er auch bald reden. Schließlich fragte ich ihn ganz geradezu: So fagen Sie doch, was ist Ihnen, was drückt Sie? Vielleicht fann ich Ihnen raten, helfen? Da stöhnte er nochmals ganz dann helfen? Da ſtöhnte er nochmals ganz erbärmlich, und dann kams: Ich hab' so schreckliche 3 a hn­schmerzen, uh, uhhhhh, ich halts nicht mehr aus!" Zu famos, wie diese Magda lachen konnte!

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Sehen Sie, das war seine sociale Not. Warum binden sisSie fich denn nicht irgend ein Tuch um den Kopf? fragte ich od fand steilnehmend. Innerlich dacht' ich selbstverständlich, dann wär Es muß sich erst alles klären. Später vielleicht." silich nicht auf Dich hineingefallen. Das sieht so unpoetisch aus, Na, mir auch recht. Für ein paar Stunden mußt Du erklärte er. Ich war sehr erstaunt. Was wußte der von rich jetzt entschuldigen. Ich habe Geschäfte in der Stadt." poetisch. Wie kam er überhaupt zu dem Wort? Un­Aber bitte. Es wäre mir höchst unangenehm, wenn ich poetisch? Lieben Sie die Poesie?- Dafür laß ich mich Dich in irgendwas behinderte." totschlagen, behauptete er. Das hatte ich wirklich nicht er wartet. Hier in dem Dorf einer, der sich für Poesie tot­schlagen läßt?! Aber vielleicht kam das auch nur von den Bahnschmerzen. Da ist man ja zu allem fähig. Ich forschte weiter. Der Mann interessierte sich in der That, in allem Ernst für Poefie." Wer ist denn das?"

Otto lächelte dünn. Was sich der Federfuchser alles ein­bildete. Und das mit seiner Arbeit in der Stadt schien er wirklich ernst zu nehmen. Komisch naiv, dieser Berliner . Ne schwere Arbeit, im Klub ein paar Stunden Blech anhören und was dazu trinken!

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Otto forderte Schäfer nicht auf, mitzufahren. Er ließ die beiden absichtlich allein. Schäfer schien auch gar nicht anzu- Reusch heißt er, und Plazmeister ist er bei ihrem nehmen, daß er ihn auffordern würde. Um so besser. Er Mann." fuhr ab. Schäfer ging eiligst auf sein Zimmer, sich einiges" Ich kenne ihn gar nicht," gestand Magda beschämt. Es zu notieren. Daß er nicht allein im Haus war, vergaß ist wirklich unrecht, daß ich mich bisher so gar nicht um die er ganz über dem Schreiben und Pläne entwerfen für Leute im Dorfe gefümmert habe." sein Buch.

Ganz erschrocken fuhr er auf, als ein Dienstmädchen Klopfte und ihn zu Tisch bat. Er war ernstlich ärgerlich, daß er ge­stört wurde. Als Junggeselle in Berlin hatte er es doch be­quemer. Läftig, so ne Familienexistenz, dachte er, während er das beschriebene Papier verschloß. In Berlin bei seiner Halbblinden Aufwartefrau konnte er getrost alles herumliegen lassen, aber hier mußte er sich vorsehen. Lästig, so was!

Magda empfing ihn freundlich und fah so gut aus, daß cr bald wieder in Stimmung tam, sehr bald sogar.

Sie fragte ihn auch sofort nach seinen Erlebnissen. Aber aus wirklichem Interesse, das war gleich zu spären..

Er erzählte denn auch schon bei Tisch von der alten, die ihre zweiundneunzig Jahre zur Schau stellte und aus ihnen ein Gewerbe machte. Auch von dem weiblichen Dragoner und all den Mißverständnissen, die es da gegehen hatte.

Wie Magda angenehm lachen konnte! Nicht laut, sondern diskret, aber doch so wohlthuend. Er hörte das gern und unterstrich das Komische noch nach Kräften, um sie öfter lachen zu hören.

Er sprach immer weiter, auch während sie nach Tisch in Magdas Zimmer gingen, auch als er sich da sofort die erste Cigarette ansteckte, ohne erst lange zu fragen.

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,, Sehen Sie, Frau Magda. Er wartete ein wenig. Wie bei dieser Anrede ein freundlich Lachen in die grauen Augen trat!

,, Nicht wahr, Sie erlauben, daß ich Sie so anrede, das andre ist so konventionell und fad! Frau Magda klingt so schön." Gewiß," sagte sie und machte ein sehr ernstes Geficht dazu, als handle es sich um eine große Sache. Das amüsierte Schäfer.

Eigentlich hab' ich heute im großen und ganzen die Ge­schichte am verkehrten Ende angefaßt. Aber bitte, nichts Ihrem Mann sagen! Das Vergnügen gönne ich ihm nicht." Magda nickte zustimmend.

Das freut mich, Frau Magda, denn ich hab' schon' nen Ach? Wirklich?"

Plan!"

zu

das

"

Gleich. Erst möchte ich mit dem poetischen Plazmeister Ende kommen... Uebrigens, haben Sie' ne Ahnung, was ist, Plazmeister? Ich nicht."

ch leider auch nicht."

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Also plötzlich fragte er mich, ob ich Scheffel kenne? Leider kann ich den hiesigen Dialett nicht imitieren, der so gut zu Land und Leuten paßt, so rauh und' n biffel wüft. Selbstverständlich kenne ich Scheffel, erwiderte ich. Nun wurde der Mann ganz erregt. Wie sieht er aus, ist er groß, ist er blond?- Ja, persönlich kenne ich ihn nicht, er ist ja schon lange tot. Der tot? Da irren Sie sich, meinte der Platz­meister, ich hab' doch noch vor einem Jahr ein Buch von ihm gekauft. Der poetische Plazmeister war nämlich in allem Ernst der Meinung, Leute, von denen man Bücher kaufen könne, müßten auch noch leben. Er wurde jezt wieder wortkarg und unfreundlich. Er dachte offenbar, ich mache mich über ihn lustig, oder hätte ihn geradezu angelogen mit meiner Behauptung, daß ich Scheffel tenne. Als er wieder mal so recht kläglich stöhute, fagte ich: Das ist im Leben häßlich eingerichtet, daß bei den Rosen gleich die Dornen stehn. Da strahlte er über's ganze Gesicht und drückte mir energisch die Hand. Das Wort schien ihm ein rechter Trost zu fein in feinem Leiden. Ich gestand ihm dann, daß ich auch Dichter sei. Ich war begierig, welchen Eindruck das auf ihn machen würde. Er aber glaubte das einfach nicht. So sehen keine Dichter aus, behauptete er kategorisch. Wie denn? fragte ich. Das ist sehr schwer zu sagen, meinte er Er hätte es aber im Gefühl, und ich hätte jedenfalls gar nichts Poetisches. Freundlich, nicht wahr? Daraufhin ging ich bald."

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Magda und Schäfer schwiegen eine Weile. Das Schweigen dauerte sogar lange.

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Warum auch nicht, dachte Schäfer. Wirklich gebildet