Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 4.

Dienstag, den 7. Januar.

( Nachdruck verboten.)

4] Toma Gordjejew. Roman von Magim Gorti. Deutsch von Klara Brauner Zu Mittag man auf russische Art", wie Majakin sagte. Zuerst wurde eine große Schüssel von fetten Schtschi mit geröstetem Brot, aber ohne Fleisch, auf den Tisch ge­stellt. Dann gab es dieselben Schtschi mit Fleisch, das in fleine Stücke geschnitten war, dann einen Braten, junges Schwein, Gans, Kalbsbraten oder eine Fischpastete mit Brei, dann tam wieder eine Schüssel Suppe mit Eingeweiden oder Nudeln. Das alles wurde mit irgend etwas Süßem abgeschlossen. A13 Getränk gab es Swaß dazu, aus Preißelbeeren, Wacholderbeeren oder Brot Antonina Michailowna hatte immer einige Sorten davon. Man schweigend und seufzte nur manch­mal vor Müdigkeit. Von den Kindern bekam jedes seine be­sondere Schüssel, alle Erwachsenen aßen aus einer. Von einer solchen Mahlzeit ermattet, legte man sich schlafen, und zwei, drei Stunden nacheinander war in Majakins Haus nichts als Schnarchen und schläfrige Seufzer zu hören.

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Nach dem Erwachen trant man Thee und sprach dabei von den Stadtneuigkeiten, von den Chorfängern, den Diakonen, von Hochzeiten und von dem unanständigen Betragen eines der Kaufleute. Nach dem Thee sagte Majakin zu seiner Frau: Nun, Mutter, gieb mal die Bibel."

Am häufigsten las Jakow Tarassowitsch aus dent Buch Hiob vor. Nachdem er die Brille in der schweren Silber­fassung auf seine große Raubtiernase gesetzt hatte, musterte er seine Hörer mit den Augen, ob auch alle auf ihren Pläßen waren. Sie saßen alle dort, wo er sie zu sehen gewohnt war, und auf ihren Gesichtern lag der ihm bekannte stumpfe ängst­liche Ausdruck von Frömmigkeit.

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1902

sich, doch manchmal sagte er unzufrieden und mit schlecht ver­borgener Unruhe zu ihm:

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Warum schaust Du drein wie der Wauwau? U- uh! Warum lachst Du so wenig?"

Und er klagte dem Paten:

" Ich fürchte, daß der Foma der Mutter nachgerät. Er hat auch so traurige Augen."

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Du beunruhigst Dich zu früh," gab Majakin lächelnd zur

Antwort.

Auch er liebte seinen Taufsohn, und als Ignat eines Tages erklärte, er würde Foma zu sich nehmen, war Majakin aufrichtig betrübt.

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Laß ihn hier," bat er. Sieh, der Junge hat sich an uns gewöhnt, er weint ja,"

"

., Er wird schon aufhören... nicht für Dich ist mir ein Sohn geboren worden. Bei Euch ist hier eine dumpfe Luft... es ist langweilig wie in einem altgläubischen Kloster. Das schadet dem Kind. Und mir ist auch nicht froh zu Mute ohne ihn. Wenn ich nach Hause komme, ist's leer. Ich möchte am liebsten nicht um mich schauen. Ich kann doch nicht seinetwegen zu Euch übersiedeln... ich bin nicht für ihn da, sondern er für mich. So ist's. Jezt ist meine Schwester Anfissa gekommen er wird also Aufsicht haben

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"

Und man brachte den Knaben in das Haus des Vaters. Dort empfing ihn eine komische alte Fran mit einer langen, gebogenen Nase und einem großen, zahnlosen Mund, groß und unterſegt, in einem grauen Kleid und mit grauen Haaren, die mit einem schwarzen seidenen Kopfputz bedeckt waren. Sie mißfiel zuerst dem Knaben, sie erschreckte ihn so­gar. Doch als er auf ihrem gefurchten Geficht die schwarzen Augen entdeckte, die ihn freundlich anlächelten, schmiegte er sogleich seinen Kopf an ihre Knie.

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Mein armes Waisenkindchen," sagte sie mit einer fammetartigen Stimme, die vor Fülle des Zones zitterte, " Es war ein Mann im Lande Uz begann und fuhr ihm leise mit der Hand übers Gesicht. Wie er Majakin mit heiserer Stimme, und Foma, der mit Ljuba in sich anschmiegt... mein liebes Kindchen!" einer Ecke des Zimmers auf dem Sofa saß, wußte Es war etwas besonders Süßes und Weiches in ihrer schon, sein Pate würde jetzt gleich schweigen und sich Liebkosung, etwas, was Foma ganz neu war, und er blickte mit der Hand die Glaze streicheln. Er saß da, hörte zu und mit Neugierde und Erwartung im Gesicht der Alten in die malte sich dabei diesen Mann aus dem Lande Uz aus. Dieser Augen. Diese Frau führte ihn in eine neue, ihm bisher Mann war groß und nackt, seine Augen waren so riesengroß unbekannte Welt ein. Gleich am ersten Tag, als sie ihn zu wie beim Christus auf den Heiligenbild, und die Stimme Bett gebracht hatte, sette sie sich neben ihn und fragte ihn, war wie eine große Blechtrompete, auf der die Soldaten in sich zu ihm beugend: den Sommerzelten blasen. Dieser Mann wuchs mit jeder Minute, er erreichte den Himmel, versenkte seine dunklen Hände in die Wolken, zerriß sie und schrie mit furchtbarer Stimme:

,, Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen und das Leben den betrübten Herzen?"

Foma erschrak und fuhr zusammen; der Schlaf flog davon, und er hörte die Stimme des Paten, der an seinem Bart zupfte und mit feinem Lächeln fagte:

Die

Soll ich Dir ein Märchen erzählen, Fomuschka?" Und seitdem schlief Foma immer unter den Sammet tönen der Stimme der Alten ein, die vor ihm ein zauber­haftes Leben entrollte. Helden, die Ungeheuer besiegten, weise Prinzessinnen, Narren, die klug waren- ganze Scharen von neuen, seltsamen Menschen gingen an der bezauberten Phantasie des Knaben vorüber, und seine Seele nährte sich gierig von der gesunden Schönheit der Volkspoesie. Schäße des Gedächtnisses und der Erfindungsgabe dieser Alten waren unerschöpflich, sie erschien ihm oft beim Ein­Der Knabe wußte, daß der Pate das von dem Manne schlafen bald der Here im Märchen ähnlich, aber einer guten aus dem Lande Uz sagte, und das Lächeln beruhigte ihn. und lieben Here, bald der schönen Wassilissa der Weisen. Er wird nicht den Himmel zum Einstürzen bringen, dieser mit weit offenen Augen und angehaltenem Athem blickte der Mann mit seinen schrecklichen Händen wird die Wolfen nicht Knabe ins nächtliche Dunkel, von dem das Zimmer erfüllt zerreißen. Und Foma sieht wieder den Mann, er sigt war, und sah es beim Licht des Lämpchens, das vor dem auf der Erde, sein Körper ist mit Würmern und staubigen Schwären bedeckt, seine Haut eitert. Er ist schon klein und bedauernswert, er ist einfach ganz wie die Armen vor der Kirchenthür...

Schau, was der wagt..."

Und er spricht:

,, Und wie mag ein Mensch gerecht vor Gott sein? Und wie mag rein sein eines Weibes Kind?"

" Das sagt er zu Gott ..." erklärte Majakin eindringlich. ,, Wie kann ich gerecht sein, wenn ich schwaches Fleisch bin? Das ist eine Frage an Gott ... Was sagt Ihr dazu?" Und der Vorlesende sah seine Zuhörer siegesgewiß und fragend an.

Es ist ihm zu teil geworden, dem Manne Gottes," widerten sie seufzend.

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er­

Jakow Majakin sieht sie lachend an und sagt: Närrinnen... Legt lieber die Kinder schlafen." Ignat tam täglich zu Majakins, brachte dem Sohn Spiel eug, nahm ihn stürmisch auf die Arme und preßte ihn an

Heiligenbild brannte, leise erzittern. Und Foma erfüllte es mit wunderbaren Bildern des Märchenlebens. Lautlose, aber lebendige Schatten krochen über die Wände und den Fuß­boden; der Knabe liebte es und fürchtete sich, ihr Leben zu beobachten, ihnen Formen und Farben zu verleihen, und nachdem er sie zum Leben berufen hatte, es in einem Augen­blick, mit dem bloßen Zwinkern seiner Wimpern zu zerstören. In seinen dunkeln Augen erschien etwas Neues, das kind­licher, naiver und weniger ernst war; die Einsamkeit und die Dunkelheit, die ihm das bange Gefühl einer steten Erwartung erzeugten, er regten und entwickelten seine Neugierde und bestimmten ihn dazu, in eine dunkle Ecke zu gehen, um nachzuschauen, was dort in den dichten Hüllen des Nebels verborgen war. Er ging hin und fand nichts, verlor aber nicht die Hoffnung, etwas zu finden...

Den Vater fürchtete und achtete er. Ignats Riesengestalt, seine posaunenähnliche, schmetternde Stimme, das bärtige Ge­sicht, der Kopf mit dem dicken Wald von grauen Haaren, die