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Jenseits des Mainstreams I Halil Can: 2.3 Die„Wende“ in Deutschland und das Sprechen der anderen Deutschländer_innen aus dem„dritten Raum“ – mit Empowerment und Powersharing Es ist Herbstzeit in Deutschland, Zeit zum Feiern, alle Jahre wieder, und nun zum 30. Mal. Erinnert wird an die Wende, die viel gepriesene friedliche Revolution, den Fall der Berliner Mauer, das Wunder vom 09. November 1989. Es ist aber auch ein Tag mit einem faden Beigeschmack, denn zugleich ist dieser auch der Gedenktag an die Reichspogromnacht gegen jüdisches Leben im NS-Reich am 09. November 1938. Gefeiert wird die Wende daher stattdessen am 03.Oktober, dem Tag der Einheit zu einem wiedervereinigten Deutschland; genau genommen dem„Beitritt der DDR zur BRD“ am 03.10.1990, wie im deutsch-deutschen Einigungsvertrag zu lesen ist. In dem Satz„Es wächst zusammen, was zusammengehört!“(Willy Brandt) fand dann der deutsch-deutsche Einheitsgeist seinen sprachlichen Ausdruck und populären Widerhall. Vereinen und Erinnern ohne die Anderen(Deutschländer_innen) 1 Obwohl im Grundgesetz(GG) der Bundesrepublik Deutschland(BRD) die Vollendung der Einheit als nationalstaatliches Ziel fest verankert war, hatte dennoch kaum jemand die Wiedervereinigung für möglich gehalten. Das Grundgesetz der BRD sah jedoch lediglich eine ethnisch-nationale Vereinigung der Bewohner_innen beider Staaten vor. Die nicht-deutsche Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik(DDR), wie z.B. Vertragsarbeiter_innen, waren von diesem Recht ausgeschlossen. So galten nach dem Staatsangehörigkeitsverständnis der damaligen BRD gemäß Art. 116 des GGs von 1949 alle deutschen Bürger_innen der DDR 1 Entgegen von kulturalisierenden und rassialisierenden Fremdbezeichnungen aus der deutschen Mehrheitsgesellschaft gibt es mittlerweile im rassismuskritischen Diskurs zahlreiche Selbstbezeichnungen von Fremdmarkierten, etwa mit Bezeichnungen wie BIPoC(für eine Definition des Begriffs siehe Fußnote 43), andere Deutsche, Schwarze Deutsche. Mit kritischem Blick auf die ethnisierende Konnotation in der Bezeichnung„Deutsch“ wird hier mit der Betonung auf das Land als Lebensort die Bezeichnung„Deutschländer_in“, verstanden als territoriale und damit inklusive Bennenungspraxis, gewählt. Zugehörigkeit wird hier nicht über Herkunft, Hautfarbe oder Rechtsstatus vorgestellt, sondern allein über den Lebensort. Da jedoch aufgrund von rassistischen Strukturen Ungleichheiten bestehen bleiben, findet hier auch für rassialisierte Menschen die Bezeichnung„andere Deutschländer_innen“ Verwendung. Die Kritik und Überwindung der Privilegierung und Diskriminierung basierend auf dem völkisch-kulturalistischen Nationenverständnis ist eine wesentliche Intention den Begriff„Deutschländer_in“ auch zu verwenden. 47
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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