Druckschrift 
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
Entstehung
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MDR.Schuld ohne Sühne: Warum rassistische Täter in der DDR davon kamen, am 15.11.2017 bei MDR Fern­sehen Exakt Die Story, https://www.mdr.de/investigativ/exakt-die-story-alltagsrassismus-ddr-100.html (abgerufen am 14.06.2021). MDR.Unfall oder Verbrechen? Neue Ermittlungen zu Tod eines DDR-Vertragsarbeiters. am 17.11. 2017 bei MDR Fernsehen Exakt Die Story, https://www.mdr.de/nachrichten/politik/gesellschaft/mosambikaner­vertragsarbeiter-tod-ddr-ermittlungen-jahrzehnte-spaeter-100.html(abgerufen am 14.06.2021). Niederländer, Loni.Das politische Wesen der Skinheadgruppierungen und ihre Sicherheitsrelevanz, AK 574 (17.08.2012). Piesche, Piesche.Eine entpolitisiere Geschichte, TAZ, https://taz.de/Peggy-Piesche-ueber-den­CSD/!5608995/(abgerufen am 14.06.2021). Rabenschlag, Ann-Judith.Arbeiten im Bruderland.(15.9.2016), https://www.bpb.de/geschichte/zeitge­schichte/deutschlandarchiv/233678/arbeitsmigranten-in-der-ddr(abgerufen am 14.06.2021). Rosa Luxemburg Stiftung.Erinnern stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive, he­rausgegeben von Massimo Perinelli, Lydia Lierke. https://www.rosalux.de/publikation/id/43063(abgerufen am 14.06.2021). Waibel, Harry. Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED. Frankfurt a.M.: Peter Lang, 2014. Waibel, Harry.Der Fall Merseburg: Lynchmord an Delfin Guerra und Raul Garcia Paret in Merseburg am 12. August 1979. https://www.mobile-opferberatung.de/wp-content/uploads/2017/12/news54_Langfassung_ Der-Fall-Merseburg.pdf(abgerufen am 14.06.2021). 92 4. Erinnerungs-, Gedenk-, Widerstands- und Zugehörigkeitsnarrative Angelika Kim: 4.4 Intersektionalität über Generationen und Landes­grenzen hinweg Reflektionen einer Ostdeutschen über ihreWurzeln 1 Als mein Vater, ein junger sowjetischer Wehrdienstleistender, die DDR der 1980er Jahre besucht, ist er wie verzaubert. Bis heute, im Jahr 2020, wird in meiner Familie von dieser Reise erzählt. Ja, er besuchte auf dem Weg nach Deutschland auch das Konzentrationslager in Auschwitz. Das Foto von Schuhen aus angeblich menschlicher Haut war meine erste Berührung mit den Grauen des Nationalsozialismus als Kind. Doch diese Deutschen waren anders als die Deutschen in der DDR. Die Menschen in der DDR erschienen meinem Vater als unglaublich freundlich, fröhlich und reich. Sie trugen bunte Kleidung von hervorragender Qualität. Die Mädchen hatten sehr robuste warme Lederstiefel an und die Erwachsenen tranken süßen heißen Wein auf den verschneiten Straßen. Mein Vater sagt immer natür­lich auf Russisch:Die Menschen in der DDR waren so reich! Die Kinder bekamen Wurst im Brot zu essen. Sie nahmen die Wurst raus, aßen sie und das Brötchen schmissen sie einfach weg! Ich habe bunte Bilder im Kopf, als wäre ich dabei ge­wesen, wie mein Vater, ein 18-jähriger koreanischer Soldat aus der Kasachischen UdSSR, mit weit geöffneten Augen diese satten und gut gekleideten Kinder beob­achtete und dann kurz in der Mülltonne nachschaute, ob wirklich gerade Brot weg geschmissen wurde. Über 20 Jahre später fand sich mein Vater auf dem Gebiet der ehemaligen DDR wieder. Ich war auch dabei. Doch es sah gar nicht aus wie in den bunten Bildern, die mein Gehirn im Laufe der Jahre und der sich immer wiederholenden Erzäh­lungen geformt hatte. Es war nicht mehr die DDR; es war Ostdeutschland. Unser neues Zuhause. Ich empfand die Menschen nicht als freundlich oder fröhlich und sicherlich nicht als reich. Die Kleidung war nicht bunt und die Schuhe der Kinder fielen mir nicht 1 Hierbei handelt es sich um keinen wissenschaftlichen Beitrag im herkömmlichen Sinne, sondern um einen literarischen autobiographischen Text, der auch zum Teil das Chaos und die Herausforderungen der gelebten Intersektionalität widerspiegeln soll. Dies sehe ich als meinen Beitrag zum Wandel der Wahr­nehmung dessen, was alswissenschaftlich gilt und wasgut genug oderstrukturiert genug ist, um in einer Tagungsdokumentation veröffentlicht zu werden –Standards, die Jahrhunderte lang von alten weißen privilegierten und unterdrückenden cis hetero männlichen Strukturen geschaffen und verfestigt wurden. 93