Eine Offenheit, die die Erkenntnis erlaubt, dass auch Migrant_innen dieses Landes die Herausforderungen der Wende am eigenen Leid erfuhren und zur Bewältigung dieser beitrugen. Eine Offenheit, die es zulässt, dass die ostdeutsche Identität nicht am Aussehen oder Dialekt festgemacht wird, sondern nur an einem: Nämlich daran, dass man„Dreiviertel“ sagt statt„Viertel vor“. Literatur: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Carl von Ossietzy Universität Oldenburg.„Aussiedler/Spätaussiedler“, zuletzt geändert am 25.04.2021, https://ome-lexikon.uni-oldenburg. de/begriffe/aussiedlerspaetaussiedler(abgerufen am 14.06.2021). Bundeszentrale für politische Bildung.„Jüdische Kontingentflüchtlinge und Russlanddeutsche“, Kurzdossiers Zuwanderung, Flucht und Asyl: Aktuelle Themen, zuletzt geändert am 25.04.2021, https://www.bpb.de/ gesellschaft/migration/kurzdossiers/252561/juedische-%20kontingentfluechtlinge-und-russlanddeutsche (abgerufen am 14.06.2021). Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.“Spätaussiedler“, Artikel Heimat& Integration, zuletzt geändert am 25.04.2021, https://www.bmi.bund.de/DE/themen/heimat- integration/kriegsfolgen/spaetaussiedler/spaetaussiedler-node.html(abgerufen am 14.06.2021). Schader Stiftung.„Zuwanderer auf dem Land- Forschung: Integration von Aussiedlern“, Ländlicher Raum, zuletzt geändert am 25.04.2021, https://www.schader-stiftung.de/themen/ demographie-und-strukturwandel/fokus/laendlicher-raum/artikel/zuwanderer-auf-dem- land-forschung-integration-von-aussiedlern (abgerufen am 14.06.2021). Bundeszentrale für politische Bildung.„Zuzug von(Spät-)Aussiedlern und ihren Familienangehörigen“, Zahlen und Fakten Die soziale Situation in Deutschland, zuletzt geändert am 25.04.2021, https://www.bpb. de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in- deutschland/61643/%20spaet-aussiedler(abgerufen am 14.06.2021). 98 4. Erinnerungs-, Gedenk-, Widerstands- und Zugehörigkeitsnarrative 4.5 Zusammenfassung der anschließenden Diskussion In der anschließenden Diskussion wurde die Praxis des Gedenkens und Erinnerns in ihrer Vielschichtigkeit und Verwobenheit mit gesellschaftlichen und politischen Repräsentations- und Partizipationssansprüchen diskutiert. Herausforderungen und Hindernisse von Gedenk- und Erinnerungsarbeit sind dabei z.B. die fehlende oder sehr fragmentierte Verschriftlichung der Geschichte Schwarzer Menschen in Deutschland, so Clara-Rose Parson. Dies führe zur Abhängigkeit von immateriellen Archiven innerhalb von Familien, die bei Schwarzen Kindern eines alleinerziehenden weißen Elternteils nicht gegeben sind. Besonders im Kontext von DDR-Geschichte und ostdeutscher Gegenwart stießen Clara-Rose Parson und Julian Ibrahim Reich in ihrer Recherche zum Leben und Wirken Schwarzer Menschen auf gesellschaftlichen Widerstand, den sie in der Tradition des Verschweigens von Rassismus und rassistischer Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart verorten. Der Gegenwind, den Parson und Reich in ihrer Arbeit erfahren, kann jedoch als positives Zeichen eines effektiven Aufbrechens gesellschaftlichen Schweigens und des gelungenen Schaffens eines neuen Narratives verstanden werden, so ein Kommentar dazu. In diesem gesellschaftlichen Kontext sei der Prozess des Wissen-Schaffens über die Geschichte(n) und die Kämpfe von Migrant_innen in der DDR ein Prozess der Ermächtigung, selbstbestimmt gedenken und erinnern zu können, so Phương Thúy Nguyễn. Das Schweigen über und Verschweigen von historischen Erfahrungen und Kämpfen innerhalb von migrantischen Communitys versteht sich jedoch auch als Bewältigungsmechanismus und als Reaktion auf eine Geschichte von Traumata, so Angelika Kim. Das Schweigen erlaubt es einer Generation trotz Traumata weiterzumachen, erschwert jedoch den Zugang einer anderen, jüngeren Generation zu Wissen und zu Erfahrungen, die mit traumatischen Geschichten zusammenhängen. Außerdem könne das Verschweigen von Unterschieden eine Strategie zur Schaffung eines Zusammenhaltes innerhalb einer Community darstellen, so Kim. Im Zentrum der Tagung standen die Möglichkeiten und Bedarfe eines intergenerationalen Wissens- und Erfahrungsaustauschs, sowohl innerhalb von Communitys als auch Community-übergreifend. Besonders im Kontext von DDR-Geschichte und ostdeutscher Gegenwart stellten Phänomene der Vereinzelung und der weißen Sozialisierung Hindernisse und Herausforderung für einen intergenerationalen Austausch dar, so Cynthia Zimmermann. Die Vereinzelung, das Nicht-AnknüpfenKönnen, das Verschweigen und Vertuschen auch innerhalb von Familien und der Frust und die Wut, die sich daraus ergeben, nutzte Cynthia Zimmermann als Antrieb, um die eigene Geschichte und die Geschichte der Community zu erforschen. Daran knüpfte Phương Thúy Nguyễn mit Erfahrungen von emotionalen Widersprü99
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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