Druckschrift 
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
Entstehung
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5.1 Forschen mit/für und durch marginalisierte Communitys Angeleitet von Asiye Kaya und Jane Weiß In dem Workshop Forschen mit/für und durch marginalisierte Communitys wurden Forschungspraktiken und forschungsethische Standards machtkritisch hinterfragt, Methoden und Forschungsansätze ausgetauscht und das Verhältnis von Wissen­schaft zu Praxis und Community diskutiert. Die Themen reichten von Community­Leadership und Selbstpositioniertheit in der Forschung über Verpflichtung und Verantwortung gegenüber Communitys, Gesprächspartner_innen bis hin zu Gren­zen, Zweifeln und Widersprüchen in den Forschungsmethoden und der Forschung mit, für und durch marginalisierte Communitys. Zu Beginn des Workshops lernten sich die Teilnehmenden mithilfe von Fragen zur Selbstpositionierung und(forschungsrelevanten) Erfahrungsherkunft, über eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse sowie über Zukunftsvisionen kennen. Die didaktisch anleitenden Fragen lauteten wie folgt(Asiye Kaya): (1) Woher komme ich? Damit sind die Vorerfahrungen in Zusammenhang mit dem thematischen Schwerpunkt, die Selbstpositionierung, gemeint. (2) Wo stehe ich gerade? Damit ist der aktuelle Bezug zu dem Themenschwer­punkt, die eigene Position und die gegenwärtige oder zukünftige Relevanz des Themas gemeint. Woher komme ich? Wo stehe ich gerade? machtkritisch positioniert community-orientiert partizipativ­parteiisch Wo möchte ich hin? 102 5. Parallelworkshops Dabei wurden aus einer machtkritischen Position heraus u.a. Ansätze einer com­munity-orientierten Forschungsethik(Jane Weiß) sowie Methoden und Ansätze einer subjektorientierten/positionierten, partizipativen, community-kontrollierten und parteiischen Forschung(Asiye Kaya) vorgestellt. Als grundlegendes Merkmal für die community-orientierte Forschungsethik wurde das Prinzip der informierten Einwilligung und das Prinzip der Nicht-Schädigung historisch diskriminierter und marginalisierter Communitys hervorgehoben. Der Ansatz der subjektorientier­ten, partizipativen, community-kontrollierten und parteiischen Forschung steht im Gegensatz zu dem Mythos einer objektiven Wissenschaft. Dabei machen die Forschenden bzw. das Forschungsteam sichtbar, aus welcher Perspektive gespro­chen wird, in welchem Interesse die Forschung betrieben wird, die Daten erhoben und genutzt werden. Hierbei sind die Forschenden und die erforschten Subjekte diejenigen, die eigenes Wissen mitbringen und unterschiedliche Machtpositionen einnehmen. In diesem Kontext ist die Selbstpositionierung der Forschenden und die Art und Weise der Kommunikation zentral, um bestehende Machtverhältnisse aufzubrechen und gerechtere Prozesse der Datenerhebung und-verwendung auf­zubauen. In diesem Austausch wurden Fragen nach Zugängen, Sichtbarkeit und Archivierung von Wissen marginalisierter Communitys gestellt, wie z.B.: Wie können wir Wissen diverser gestalten? Wie können wir komplexeres Wissen gerade hinsichtlich marginalisierter Communitys schaffen, erwerben und auch sichern?(Jane Weiß) Zusätzlich wurden Fragen der Machtdifferenzen und der Aushandlung dieser in der Praxis gestellt, wie z.B.: Für wen ist die Auswahl der Forschungsmethode und die Forschung per se nütz­lich? Ist die Forschung empowernd?[...] Ist es empowernd für die Community selbst, weil sie ihr eigenes Wissen nochmal formen, verbalisieren und für die eigene Community verwenden kann?(Asiye Kaya) Innerhalb des Workshops fanden diese machtkritischen Ansätze für die Forschung mit/für und durch marginalisierte Communitys breite Zustimmung durch die An­wesenden, besonders weil diese in keiner Weise Teil des wissenschaftlichen Main­streams sind. Darauf aufbauend war das Verhältnis von Wissenschaft zur Praxis bzw. zur Community von großer Bedeutung. Zum einen ging es um die Frage, wer über wen forscht, warum die Forschung betrieben wird und in welchen histori­schen Kontinuitäten diese Forschung steht. Dabei wurden Forschungsprojekte kri­tisiert, in denen marginalisierte Communitys ohne die Einbindung von Menschen aus den Communitys erforscht werden. Forschungsprojekte über marginalisierte 103