Communitys, die ohne die Inklusion von Menschen aus diesen Communitys konzipiert sind, fehle ein gewisses Erfahrungswissen, was eine Barriere in der theoretischen und praktischen Auseinandersetzung und dem Verständnis von marginalisierten Communitys darstellen könne. Im deutschen Kontext werden Forschende aus marginalisierten Communitys sogar regelmäßig der Befangenheit bezichtigt, obwohl Menschen als Forschende aus einer marginalisierten Community viele Wissensinhalte und Erfahrungswissen/biographisches Wissen und Zugänge mitbringen, welche sich andere Wissenschaftler_innen erst anlesen, im Forschungsprozess erfragen, erforschen und aufbauen müssen. Zum anderen ging es um neue, niedrigschwellige Forschungsmethoden und-ansätze, sowie Methoden und Ansätze zur Stärkung von marginalisierten Communitys wie z.B. Biographiearbeit, in der gesellschaftlich unterschiedlich positionierte Menschen und Communitys selbsterzählend Wissen teilen, sammeln und archivieren können. Grundsätzlich stand im Fokus des Workshops die anwendungsbezogene Forschung, in der die Wechselwirkungen zwischen Theorie und Praxis erkannt, reflektiert und im Interesse von marginalisierten Communitys mobilisiert werden. Demnach soll Forschung Grenzen haben und Grenzen einhalten. Forschung soll im Interesse von marginalisierten Communitys betrieben werden und nicht die Instrumentalisierung von Communitys im Interesse der Forschenden und ihrer beruflichen Karriere bedeuten. Um die Deutungshoheit bei der Community zu verorten, soll Forschung über marginalisierte Communitys primär von Menschen aus den Communitys selbst betrieben werden, auch weil diese eine für die Forschung wertvolle und wichtige Wissensebene, das biographische Wissen, mitbringen. Darüber hinaus wurde entgegen einem Mainstream Verständnis von Wissenschaft hinterfragt, was als Wissen und als Wissenschaft gilt. Dabei wurde für alternative Wege des Wissen-Schaffens, wie z.B. autobiographische Selbsterforschung, plädiert. So mache nicht nur institutionalisiertes, akademisches, sogenanntes wissenschaftliches Wissen die Wissenschaft aus, sondern jede Form von Wissen, die aus den marginalisierten Positionen heraus geschaffen wird. Machtkritische Forschung mit/für und durch marginalisierte Communitys bedeutet in diesem Sinne, partizipativ und communitity-geleitet zu forschen. Zum einen muss hierfür innerhalb des Forschungsprozesses eine regelmäßige Einbindung der Communitys und ein reger Austausch mit den Communitys erfolgen. Zum anderen muss eine aktive Rückkopplung des Forschungsstandes und der Forschungsergebnisse an die Communitys gewährleistet werden. Damit ein Wissenstransfer stattfinden kann, muss akademisches Wissen herunter gebrochen und zugänglich gemacht werden. Des Weiteren können Weiterbildungs- und Qualifikationsangebote – z.B. zum Führen von qualitativen Interviews – für Menschen aus marginalisierten 104 5. Parallelworkshops Communitys zu ihrer Einbindung in die Forschung führen und zu machtkritischen Prozessen beitragen. 5.2„Wie kommen wir zusammen?“(Erfahrungs-)Austausch und Diskussion zu BIPoC Selbstorganisierungsprozessen und Community-Building am Beispiel von korientation e.V. und asiatisch-deutscher Selbstorganisierung Angeleitet von Phương Thúy Nguyễn und Riham Abed-Ali Unter der Fragestellung„Wie kommen wir zusammen?“ sind in diesem Workshop BIPoC-Einzelpersonen,-Aktivist_innen,-Wissenschaftler_innen und-Vertreter_innen von Migrant_innen(selbst)organisationen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte in einem Safer Space(geschützteren Raum) für persönlichen Austausch, Vernetzung, Stärkung und Unterstützung ins Gespräch gekommen. Themen des Workshops waren der aktuelle Stand, spezifische Herausforderungen sowie Möglichkeiten und Bedarfe für die Selbstorganisierung von BIPoC-Communitys in Ostdeutschland. Welche Kämpfe wurden von der ersten Generation geführt? Was kann aus den Erfahrungen der Selbstorganisierung unterschiedlicher Communitys sowie Community-übergreifend voneinander gelernt werden und wo soll es künftig hingehen? Ursprünglich hatte korientation 1 diesen Workshop initiiert, um einen Raum anzubieten, um als BIPoC und Migrant_innen zusammenzukommen, um sich zur Frage der Selbstorganisierung auszutauschen. Geplant war für den Workshop, dass sie von ihren Erfahrungen asiatisch-deutscher Selbstorganisierung berichten, aber auch andere organisierte und nicht-organisierte Menschen ihre Prozesse teilen, um voneinander zu lernen und in Diskussion zu treten, wie Allianzen geschmiedet oder Kräfte gebündelt werden können. Aufgrund der Pandemie-Situation zu der Zeit mussten die Referentinnen Sina Schindler und Jee-Un Kim leider absagen und die Organisatorinnen Phương Thúy Nguyễn und Riham Abed-Ali sprangen kurzfristig für sie ein, um den Workshop nicht ausfallen lassen zu müssen. 1 „korientation ist eine(post)migrantische Selbstorganisation und ein Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven mit einem gesellschaftskritischen Blick auf Kultur, Medien und Politik.“(korientation, 2021) 105
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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