Oury Jalloh in der Zelle untersucht habe und kein Feuerzeug bei ihm gefunden werden konnte. Die Initiative hat durch ihre Selbstorganisierung nicht nur eigene Investitionen angestellt, sondern auch die Eltern von Oury Jalloh unterstützt und sie z.B. 2007 zur Gerichtsverhandlung in Dessau dazu geholt. Sie haben außerdem einen Brandgutachter aus Irland beauftragt, weil 29 Brandgutachter_innen in Deutschland kontaktiert wurden, jedoch keine_r diesen Fall behandeln wollte. Der Brandgutachter bestätigte, dass die Matratze ohne Brandbeschleuniger nicht hätte brennen können. Außerdem hat die Initiative das Feuerzeug untersucht. Es wurde zwar keine DNA auf dem Feuerzeug gefunden, jedoch Fasern von Hundehaaren. Die Ergebnisse der selbstorganisierten Untersuchungen wurden dem Gericht vorgelegt. Das Gericht lehnte jedoch alles ab. Daraus schlussfolgert Bah, dass die tatsächliche Aufklärung des Falles systematisch behindert wurde; trotz der 15 Jahre anhaltenden, unnachlässigen Bemühungen und dem öffentlichen Druck durch die Initiative. Die Initiative kam zu dem Entschluss, dass es ein Kollektivmord war. Während der gesamten Zeit wäre die Tür der Zelle offen gewesen. Wenn die Tür zu gewesen wäre, hätte das Feuer nicht genug Sauerstoff erhalten, um sich so auszubreiten, wie es sich ausgebreitet hatte. Das Feuer wäre irgendwann erloschen. Dass das nicht passierte, heiße, dass die brennende Matratze in der Zelle viel Sauerstoff erhielt und somit, dass die Tür der Zelle offen stand. Daraus schließt die Initiative, dass das gesamte Polizeirevier wusste, was in der Zelle geschah. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh arbeitet nicht nur am Fall von Oury Jalloh, sondern berät auch in den Fällen des NSU-Komplexes. So berieten sie beispielsweise die Angehörigen und Aktivist_innen um den NSU-Komplex eine_n unabhängige_n Gutachter_in zu beauftragen. Ziel der Initiative ist es, den strukturellen Rassismus in der Polizei und Gesellschaft in Deutschland sichtbar zu machen und Menschen im Kampf dagegen zu unterstützen und zu bestärken. 8. Rassismus und Empowerment in Ostdeutschland Ibraimo Alberto: 8.3 Vom Boxer zum Sozialarbeiter- Kämpfen um(Über-)Leben in zwei Systemen: DDR und BRD(Zusammenfassung) Ibraimo Alberto kam 1981 als Vertragsarbeiter in die DDR. Bei seiner Ankunft wurde Alberto von bewaffneten weißen Männern empfangen und herumkommandiert. Wie vielen anderen Vertragsarbeiter_innen wurde auch ihm bei seiner Ankunft der Reisepass entzogen. Eine Rückkehr nach Mosambik war nur auf eigene Kosten möglich und kam daher nicht in Frage, weil es 15 Jahre dauern würde, bis er die Flugkosten in einem Gefängnis in Mosambik abgearbeitet hätte. Er hatte Glück, dass er in Berlin gelandet sei, erzählte Alberto. Damals war er sehr jung gewesen, wie alle Vertragsarbeiter_innen, und habe unmögliche Träume gehabt. Eigentlich wollte er ein Sportstudium absolvieren. Stattdessen wurde er im Fleischkombinat Berlin zum Fleischer ausgebildet. Ein paar Jahre darauf entdeckte er das Boxen für sich. Unter Jugendlichen gab es fast jedes Wochenende Schlägereien, erzählte Alberto. Das Boxen spielte für Alberto eine wichtige Rolle zum Selbstschutz und zum Schutz von Schwächeren. Später nahm Alberto an Wettkämpfen in der DDR und im Ausland teil. Bei internationalen Wettkämpfen trat er sogar für die DDR an. Eine Staatsbürgerschaft erhielt er jedoch nicht. Das Boxen hat für Alberto eine zentrale Bedeutung: als Medium zur Selbstbestärkung und Von links nach rechts: Riham Abed-Ali, Ibraimo Alberto 152 153
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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