lich diskutiert hat. 9 In ihre Analyse des Buches Pippi Langstrumpf macht Eggers (2008) darauf aufmerksam, dass eine starke Differenzierung zwischen weißen und schwarzen Menschen in der Narration implizit ist. In der Welt von der unabhängigen und selbstbewusste Pippi Langstrumpf ist die Trennung und Zuordnung von nicht-weiß deutlich erkennbar:„Schwarze Kinder werden als stumme, handlungsabhängige Figuren konstruiert. Schwarze Menschen und Schwarze Gesellschaften werden als Masse konstruiert“. 10 In den Erzählungen sind heteronormative Rollenzuweisungen von Frauen und Männern zu erkennen. Während die männlichen Figuren genannt und näher beschrieben werden, verbleiben die weiblichen Figuren in einer sekundären Erzähllinie und werden ausschließlich anhand ihrer Beziehungen zu den zentralen Figuren, wie in der Rolle als Ehefrau oder Großmutter, dargestellt. 11 Ebenfalls ist eine Hierarchisierung der Figuren in der Geschichte durch Zuschreibung zu erkennen. 12 In diesem Fall jedoch findet, anders als Mätschke dies definiert, bei der Geschichte von Kimani eine umgekehrte Zuschreibung statt, d. h., die Hierarchisierung „zwischen weißen Hauptakteur_innen und Schwarzen Repräsentant_innen“, 13 ist in diesem Fall umgekehrt: Die Hauptfigur Kimani und ihre Familie sind schwarz und die Repräsentant_innen anderer Lebensformen, Wertkonzepte sowie wirtschaftlicher und politischer Ansichten, die negativ besetzt sind; dies im Kontrast zu den Weißen, d. h. Mister Morris, seine Frau und deren Tochter Bessie. Eine Ausnahme innerhalb der negativ konnotierten Zuschreibungen zu den Weißen bildet die Frau von Mister Morris, die als Einzige positiv beschrieben und besetzt wird. Die Mutterrollen im Buch, d. h. Kimanis Mutter und Großmutter sowie die Figur von Mister Morris Frau, werden mit positiven Zuschreibungen wie fröhlich und warmherzig und entsprechenden Merkmalen dargestellt. Dies ist z.B. anhand der folgenden Textpassage zu erkennen:„[Die] Frau des Farmers, Bessies Mutter, war eine gute Frau gewesen, freundlich; sie lachte sehr gerne, und sie sang auch“. 14 9 Vgl. Maureen Maisha Eggers,„Rassifizierung und kindliches Machtempfinden. Wie schwarze und weiße Kinder rassifizierte Machtdifferenz verhandeln auf der Ebene von Identität, 2005, 19 f. 10 Maureen Marsha Eggers,„Pippi Langstrumpf – Emanzipation nur für weiße Kinder? Rassismus und an (weiße) Kinder adressierte Hierarchiebotschaften,“ https://blog.derbraunemob.info/wp-content/uploads/2008/10/pippi_langstrumpf-emanzipation_nur_fuer_weisse_kinder.pdf(abgerufen am 26.04.2021), 1. 11 Vgl. Jutta Hartmann,„Doing Heteronormativity? Funktionsweisen von Heteronormativität im Feld der Pädagogik“ in Managing Diversity: Die diversitätsbewusste Ausrichtung des Bildungs- und Kulturwesens, der Wirtschaft und Verwaltung, herausgegeben von Karim Fereidooni und Antonietta P. Zeoli, Antonietta (Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2016), 105–134. 12 Vgl. Jens Mätschke,„Rassismus in Kinderbüchern: Lerne, welchen Wert deine soziale Positionierung hat!“ 249–268. 13 Mätschke,„Rassismus in Kinderbüchern: Lerne, welchen Wert deine soziale Positionierung hat!“ 254. 14 Richter, Kimani, 15. 182 10. Un-/Sichtbarkeit und Mit-/Selbstbestimmung von Migrant_innen... Präsenz von Kinderbüchern aus den Zeiten der DDR heute Wie präsent sind Kinderbücher und Geschichten aus der DDR im Leben von Kindern(beispielsweise in Neubrandenburg) heute? Dies war eine der Fragen, die während des Kinderbuchprojektes„Kinderbücher aus der DDR“ im Rahmen der Projektwoche„30 Jahre Friedliche Revolution – Quo vadis Demokratie?“ 15 2019 an der Hochschule Neubrandenburg behandelt wurde. Professorin Dr. Matilde Heredia hat gemeinsam mit einer Gruppe von fünf Studierenden ein lebendiges Buchprojekt gestaltet, welches über mehrere Monate(01.10.2019 bis 15.01.2020) stattgefunden hat. Kinder aus der benachbarten Grundschule und dem Hort haben in dieser Zeit die Hochschule Neubrandenburg besucht und dort an einem LiteracyAngebot teilgenommen. 16 Dabei wurde das Buch Matti im Wald von Edith Rimkus und Horst Beseler(1966) vorgelesen und anschließend in gemütlicher Atmosphäre gemalt und über die zuvor vorgelesene Geschichte gesprochen. Das Ziel des Kinderbuchprojektes war es, einen Raum für den Dialog mit den Kindern und ihren Familien zu schaffen. Ein unerwartetes Ergebnis bei diesem Projekt war die positive Reaktion von Eltern, Großeltern, Erziehungsberechtigen, aber auch Mitarbeiter_innen der Hochschule auf die Arbeit mit„Kinderbüchern von damals, 17 woraufhin sie eigeninitiativ von ihren eigenen Lieblingsbüchern und-geschichten erzählt haben. Eine weitere Erkenntnis bestand darin, dass die Kinder, die das Angebot genutzt haben, über wenig bis kaum Wissen über„dieses andere Land“ 18 verfügten und in ihren Familien„keine alten Bücher[aus der DDR-Zeit] vorgelesen werden“. 19 Einige der Erwachsenen berichteten über positive Literacy-Erfahrungen während der eigenen Kindheit und Jugend in der DDR, die überwiegend mit Familienerinnerungen in Verbindung standen. 20 Eine kritische Betrachtung der Kinderliteratur aus der Zeit der DDR seitens der Erwachsenen fand bei dem Kinderbuchprojekt nicht statt. Hierzu ist es jedoch wichtig, zu betonen, dass in diesem Kontext rassifizierende Kinderbücher nicht thematisiert wurden; im Vordergrund standen der Dialog und die Begegnung. Die ersten Schritte im Rahmen der hier erläuterten Forschung verdeutlichen, dass im pädagogischen Kontext der Frühen Kindheitspädagogik dieser Thematik bis dato wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde und wird und diese Tatsache im Gegensatz zu der Realität, d. h. auch und gerade den zunehmend heterogenen Kindergartengruppen und Grundschulklassen in Deutschland 15 Professorin Dr. Júlia Wéber von der Hochschule Neubrandenburg hat im 30. Jubiläumsjahr der Friedlichen Revolution die Projektwoche vom 11.11. bis zum 15.11.2019 in Kooperation mit der Stadt Neubrandenburg und der organisierten Zivilgesellschaft in den Räumlichkeiten der Hochschule ins Leben gerufen: https://www. hs-nb.de/hochschule/aktuelles/30-jahre-friedliche-revolution/ 16 vgl. Nickel 2015. 17 Äußerung einer Mitarbeiterin der Hochschule Neubrandenburg, die in der DDR aufgewachsen ist, zu den Büchern der DDR. 18 Äußerung eines Kindes bezüglich der DDR. 19 Beschreibung eines Kindes hinsichtlich der eigenen Bücher. 20 Vgl. Nickel 2015, S. 15 f. 183
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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