Kefa Hamidi, Isabel Herling: 10.2 Menschen und Institutionen für Kommunikation und Partizipation(mikopa)! Eine Post- migrantische Selbstorganisation für partizipative Öffentlichkeit in den neuen Bundesländern(Zusammenfassung) In diesem Beitrag wurde das(selbst-)organisierte Projekt"Menschen und Institutionen für Kommunikation und Partizipation"(kurz: mikopa) vorgestellt. Mikopa ist in Leipzig ansässig und versteht sich als Plattform und Think Tank, um vielfältige Projekte zu verwirklichen. Es ist ein Kooperationsprojekt von dem Forschungszentrum für Entwicklungskommunikation – Communication for Social Change (EC4SC) vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft(IfKMW) der Universität Leipzig und dem Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur (ZEOK) e.V. Im Fokus des Projektes stehen die Partizipation und die Schaffung von partizipativen Formaten mit dem Ziel der Wissensgenerierung und des Austauschs zwischen der Wissenschaft, Medienschaffenden,(post-)migrantischen Selbstorganisationen und Aktivist_innen. Dabei soll ein kontinuierlicher Dialog zwischen Personen aus(post-)migrantischen Selbstorganisationen, der Politik, den Medien und der Öffentlichkeit geschaffen werden. Das Ziel dabei ist es, Migrant_innen, Postmigrant_innen 1 und BIPoC und ihre Geschichten, ihre Erfahrungen und ihre Perspektiven sichtbar zu machen – nicht nur in Randbereichen, sondern auch im Mainstream. Mikopa möchte die Entwicklung vorantreiben, dass die Realität gesellschaftlicher Vielfalt in den Medien und der Öffentlichkeit widergespiegelt werde. Kefa Hamidi leitete den Beitrag mit den Erkenntnissen der Kommunikationsforschung der letzten 10 Jahre ein. Erstens habe die Kommunikationsforschung festgestellt, dass Menschen mit internationalen Biografien immer als marginalisierte Menschen dargestellt werden – sowohl in der Berichterstattung als auch in Strukturen wie z.B. den Redaktionen. Das heiße, die Repräsentation von Migrant_innen und BIPoC sei im Vergleich zu der gesellschaftlichen Struktur niedrig. Zweitens werden Themen von Migrant_innen und BIPoC oft nur in sogenannten Ethnomedien repräsentiert. Diese Medien beschränken sich auf eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe, was Kefa Hamidi als Forscher kritisch betrachte. Wo Strukturen, Räume oder Teilöffentlichkeiten entstehen, interessiere er sich zum 1 Die Begrifflichkeiten„postmigrantisch“ und„postmigrantische Gesellschaft“ wurden als eine Zustandsbeschreibung einer Gesellschaft diskutiert, in der Austausch zwischen unterschiedlichen Akteur_innen aus den gesellschaftlichen Gruppen der Migrant_innen und BIPoC und der Mehrheitsgesellschaft zu Aushandlungsprozessen führe. Damit verbunden sind neue Entwicklungen, das Aushandeln von Handlungsstrategien und gesellschaftliche Veränderungen, die es zu beobachten gebe. Mehr dazu in der Diskussion zum Panel. 186 10. Un-/Sichtbarkeit und Mit-/Selbstbestimmung von Migrant_innen... einen dafür, wer als Akteur_in dahinter steht, und zum anderen für die Inhalte in diesen Räumen. Durch die neuen digitalen Technologien wurde die Beobachtung dieser Räume zu einem Schwerpunkt der Kommunikationsforschung. Auch das Forschungszentrum„Communication for Social Change”(C4SC) möchte diese Räume beobachten und ihre Strukturen, Akteur_innen und Inhalte erforschen. Mikopa betrachte dabei drei Bereiche: Forschung, Lehre und Transfer. Mikopa selber gehöre dabei zu dem Bereich Transfer. Dort gehe es vor allem um den Austausch mit den gesellschaftlichen Akteur_innen, insbesondere mit den zivilgesellschaftlichen Organisationen. Für die Konzeption von mikopa sei die Perspektive der postmigrantischen Gesellschaft zentral. Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, werde von einigen Gruppierungen in der Gesellschaft anerkannt und befürwortet und von anderen abgelehnt und geleugnet. Dabei werde eine Polarisierung in der Gesellschaft beobachtet, bei der es u.a. um Zugehörigkeit und nationale Identität gehe. In diesem Kontext sei es verpflichtend zu betrachten, wie Organisationen der Migrant_innen zusammen mit sogenannten klassischen Organisationen arbeiten und Allianzen bilden, in denen sie sich für bestimmte Themen einsetzen. Zentral in diesem Prozess seien die Aushandlungen über die Thematik, wie die zukünftige Gesellschaft gestaltet werden soll. In diesen Aushandlungsprozessen könne davon ausgegangen werden, dass jede Position eine Gegenbewegung verursache. In diesem Kontext sei der Dialoggedanke relevant. Dabei werden unterschiedliche Gruppen, welche bei dem Aushandlungsprozess beteiligt sein möchten, beobachtet. Ob diese Gruppierungen jedoch einen Zugang zu diesem Prozess bekommen, sei eine andere Frage. Organisationen der Migrant_innen haben durch die Schaffung von eigenen Aushandlungsräumen eine kommunikative Macht entwickelt. Diese Räume beinhalten Akteur_innen, die bestimmte Inhalte und Interessen verfolgen. So entstehen Teilöffentlichkeiten, weil BIPoC und Migrant_innen u.a. durch fehlende Strukturen oder der Marginalisierung in der Berichterstattung meistens keinen Zugang zur Öffentlichkeit bekommen. Somit schaffen sie sich eigene Teilöffentlichkeiten für den Austausch untereinander, aber auch für den Dialog mit anderen. So versuchen sie auch, den Anschluss in die große Öffentlichkeit zu gewinnen. In diesem Rahmen entstehen neue Narrationen, neue Informationssysteme und kommunikative Praktiken. Insgesamt generieren und produzieren sie neues Wissen. In diesem Kontext ist mikopa für Leipzig, für Sachsen und auch für Deutschland eine Plattform, eine Teilöffentlichkeit, in der neue Narrationen in Form von Informationssystemen und neuen kommunikativen Praktiken herausgebildet werden. Die erste Tagung der mikopa Reihe war eine Integrations-Fachkonferenz. Von der„Integrations-Fachkonferenz“ 2016 beschritt mikopa den„Weg zur inklusiven 187
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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