Nhi Le: 10.3 Mehr Medienpräsenz, mehr Miteinander! Überlegungen zur Sichtbarkeit migrantisch-ostdeutscher Stimmen(Zusammenfassung) Nhi Le teilte Impulse für Strategien für mehr Sichtbarkeit von migrantisch-ostdeutschen Stimmen in den Medien und Vernetzungsmöglichkeiten zwischen People of Color sowie der ersten und zweiten Generation migrantischer Communitys im Interesse sozialer und gesellschaftlicher Veränderungen. Zu den Themen Medienpräsenz und Journalismus merkte Nhi Le an, dass migrantische Perspektiven in der Öffentlichkeit oft zu kurz kommen. Als Beispiele, in denen dies besonders deutlich wurde, nannte sie die zwei„Aufmerksamkeitszyklen“ zu den Themen Wiedervereinigung, Osten, Wende und Einheit; einmal 2019 zum Anlass des 30-jährigen Mauerfalls und einmal 2020 zum Anlass der 30 Jahre Wiedervereinigung. Wenn ostdeutsche Narrative im Diskurs sind, gehe es oftmals um Ungleichheit zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen oder um das Leben von Ostdeutschen. Es gehe demnach durchaus auch um identitätspolitische Themen, Von links nach rechts: Victoria Baer, Laura Schrader, Isabel Herling, Kefa Hamidi und Nhi Le über Zoom zugeschaltet 190 10. Un-/Sichtbarkeit und Mit-/Selbstbestimmung von Migrant_innen... jedoch seien hier hauptsächlich weiße Ostdeutsche gemeint, kommentierte Nhi Le. Es gehe auch oftmals um sogenannte Vorurteile gegen den Osten und Ostdeutsche, selten jedoch gehe es um Migrant_innen und nicht-weißen Menschen im Osten, welche auch besonderen Vorurteilen ausgesetzt sind. Als Beispiele diskutierte Nhi Le zwei im ARD ausgestrahlte Reportagen und Dokumentationen über ostdeutsche Perspektiven auf den Wiedervereinigungsprozess. Sowohl in „Wir Ostdeutsche – 30 Jahre im vereinten Land“ als auch in„Hierdrüben“ seien die Mehrheit der Protagonist_innen weiß und es fehlten migrantische und nicht-weiße ostdeutsche Perspektiven von zum Beispiel ehemaligen Vertragsarbeiter_innen oder Geflüchteten. Das Problem sei nicht per se ein Medienproblem, so Nhi Le, sondern eher ein Mentalitätsproblem, da der Osten nicht als Einwanderungsgesellschaft verstanden werde, und andererseits Migrant_innen und nicht-weiße Ostdeutsche nicht als Ostdeutsche gesehen, sondern wie eine dritte Gruppe betrachtet werden. Es gebe somit Westdeutsche, Ostdeutsche und Migrant_innen. Da es generell weniger ostdeutsche Narrative in Mediendiskursen gebe, gingen die ostdeutschen migrantischen, nicht-weißen Perspektiven noch weiter unter. Eine Präsenz von migrantischen und nicht-weißen Perspektiven gebe es eigentlich nur, wenn sich Redakteur_innen oder Autor_innen selbst für diese Geschichten interessieren. Das heißt, dass ostdeutsch-migrantische Medienpräsenz vom Wohlwollen der Kommunikator_innen abhängig sei, sofern es keinen Perspektivwechsel durch migrantische, nicht-weiße Journalist_innen gibt, welche diese Geschichten erzählen. Migrantische, nicht-weiße Journalist_innen können diese Arbeit jedoch nicht allein stemmen und sie sollten außerdem nicht aufgrund ihrer Identität gezwungen sein, diese Themen bearbeiten zu müssen. Diese Arbeit machen zu müssen, weil man davon betroffen ist, heiße immer noch, von den Interessen der Mehrheitsgesellschaft abhängig zu sein. Migrant_innen und ihre Geschichten sind aber seit Generationen da und lautstark. Das Problem liege also nicht daran, dass diese Menschen sich nicht genug hörbar machen, sondern eher daran, dass es zu wenige Zuhörer_innen gebe. Als Lösungsansatz schlug Nhi Le vor, mehr Öffentlichkeitsarbeit für bestehende Projekte von Migrant_innen und migrantischen Organisationen in Ostdeutschland zu bereiten, wie z.B. für das Projekt„MiStory“ von DaMOst, bei dem Zeitzeug_innen zu Wort kommen. Dafür solle mehr Werbung gemacht oder auch Pressemitteilungen versendet werden. Was gebraucht werde, sei eine Verbindung migrantisch-ostdeutscher Projekte und Stimmen mit den Menschen, die in der Redaktion sitzen, Artikel schreiben oder auch Filme produzieren. Vorhandene Projekte von unterschiedlichen Migrant_innenselbstorganisationen können außerdem über Verteiler, Newsletter oder Social Media Plattformen stärker beworben werden und damit mehr Sichtbarkeit erlangen. Die Tatsache, dass Migrant_innenorganisationen stark 191
Druckschrift
Im Osten was Neues? : Perspektiven von Migrant_innen - Schwarzen Menschen - Communitys of Color auf 30 Jahre (Wieder-)Vereinigung und Transformationsprozesse in Ostdeutschland : 28.-30. Oktober 2020, Hochschule Mittweida, Tagungsdokumentation
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