Sammelwerk 
Der 17. Juni 1953 : die Gewerkschaften und die Diktaturen des 20. Jahrhunderts ; Vorträge einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Hans-Böckler-Stiftung am 13. Juni 2003 im Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin
Entstehung
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7 Michael Sommer Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Der 17. Juni 1953 als Freiheitsbewegung Wir wollen freie Menschen sein"- riefen die streikenden und demonstrierenden Arbeiter vor fünfzig Jahren, am 16. und 17. Juni 1953, in den Straßen Berlins. Es ist das Motto, unter dem die Arbeiterbewegung einst angetreten ist, das sie konsequent verfolgt hat, dem sie zum Durchbruch und zum Erfolg verholfen hat und das sie mit Zähnen und Klauen verteidigen wird. Es wäre verwegen und unzulässig, diesen 17. Juni 1953 mit anderen Ereignissen der deutschen- gar der europäischen- Ge­schichte davor oder danach zu parallelisieren. Erlaubt ist hinge­gen der Blick auf einige Daten aus jener Freiheitsgeschichte, die, wie der frühere Bundespräsident Gustav Heinemann feststellte, in der Geschichtsdarstellung und Traditionspflege lange Zeit ziemlich stiefmütterlich behandelt worden sind. Ich denke an die Revolution von 1848, an den 20. Juli 1944, aber auch an den Volksaufstand in Ungarn 1956, die anderen Erhebungen gegen die Sowjetmacht und schließlich an die friedliche Revolution von 1989/90. Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ein öko­nomischer, gesellschaftlicher und politischer Strukturwandel ab, der in seinen Ausmaßen mit dem zu vergleichen ist, was wir heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, durchleben. Institutionen und Werte, Verhaltensweisen und Gewohnheiten werden er­schüttert, verändert, beseitigt. Das Industriezeitalter trat seine ebenso zerstörerische wie se­gensreiche Herrschaft an. Besonders krass waren die Auswir­kungen auf die arbeitenden Menschen. Die Landwirtschaft ver­lor endgültig ihre dominierende Rolle, auch viele Handwerker