Zeichen der Veränderung: Die neue palästinensische Regierung Peter Schäfer, FES Ost-Jerusalem • Nach wochenlangen Auseinandersetzungen sprach das palästinensische Parlament am 24. Februar der neugebildeten Regierung ihr Vertrauen aus. Im Gegensatz zur Regierungszeit Arafats, wo Ministerposten in der Regel als Anerkennung von Loyalität zur politischen Führung vergeben wurden, sind nunmehr„Technokraten“ vorherrschend. Außer dem international anerkannten Finanzminister Salam Fayyad(unabhängig), der bereits einige korruptionsanfällige Bereiche bereinigte, sind mit Naser al-Qidwa(Fatah), Naser Jusef(Fatah) und Masen Sinokrat(unabhängig) die zentralen Bereiche Äußeres, Inneres und Wirtschaft nun mit Fachleuten besetzt. • Mahmud Abbas hatte versprochen, sich als Präsident vor allem auf zwei Bereiche zu konzentrieren: Die Wiederbelebung der Friedensverhandlungen mit Israel und die Beseitigung der Korruption. Genau dafür wurde er von vielen PalästinenerInnen gewählt. Die Aushandlung eines Waffenstillstands mit allen militanten Bewegungen ist ein Zeichen für das Vertrauen in die neue Linie. Gleichzeitig wird dadurch ein Umbruch in der palästinensischen Politik deutlich. Nicht nur die Fatah-Bewegung, auch die islamistische Hamas und kleinere, säkulare Gruppen befinden sich in der Transformationsphase zur politischen Partei. Beobachter sind zuversichtlich, dass sich beispielsweise die Hamas in diesem Prozess stark mäßigen wird. • Die Fatah-Bewegung steht ihrerseits unter Druck, ein Fiasko wie bei den Kommunalwahlen am 17. Januar im Gaza-Streifen, wo die Islamisten in acht von zehn Gemeinderäten die Mehrheit erhielten, für die Parlamentswahlen am 17. Juli zu vermeiden. Ziel ist nun, in den Institutionen der Palästinensischen Autonomiebehörde transparente Strukturen aufzubauen. Als das palästinensische Parlament am 24. Februar der neugebildeten Regierung ihr Vertrauen aussprach, war die Erleichterung spürbar. Das Kabinett war Gegenstand wochenlanger Auseinandersetzungen zwischen dem am 9. Januar gewählten Präsidenten Mahmud Abbas(Abu Masen) und seinem Ministerpräsidenten Ahmad Qureia(Abu Ala). Während der Regierungszeit Jassir Arafats wurden Minister- und andere Posten meist als Belohnung für Loyalität zur politischen Führung vergeben. Der Unmut der Bevölkerung über ineffektive und korrupte Regierungsmitglieder war groß. Die neuen Minister gelten stattdessen als„Technokraten“. Von 23 Ministerinnen und Ministern haben zwar fünfzehn keine Regierungserfahrung, bringen dafür aber mehr Fachwissen mit. Außer dem Ministerpräsidenten sind nur dreizehn Mitglieder der herrschenden FatahBewegung. Kleinparteien wie FIDA(Palästinensische Demokratische Union), die Volkskampffront und die Volkspartei, die den Friedensprozess mit Israel unterstützen, wurden ebenfalls mit je einem Ministerposten versorgt. 1
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