3 Konrad H. Jarausch Aufbruch der Zivilgesellschaft Zur Einordnung der friedlichen Revolution von 1989 In der Distanz von fünfzehn Jahren bleibt der Umgang mit der Erinnerung an den demokratischen Aufbruch von 1989 merkwürdig ambivalent. Einerseits preisen Festreden die Zivilcourage der Demonstranten und die Weitsicht der Bundesregierung, andererseits protestieren Ostdeutsche gegen soziale Kürzungen und schimpfen Westdeutsche über deren Undankbarkeit für Transferzahlungen. Zwar loben Kommentare die Konzessionsbereitschaft Michael Gorbatschows und die Unterstützung von Busch sen. für die Vereinigung, aber die Beziehung zu Russland bleibt problematisch und das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten ist gespannt. 1 Verunsichert durch den damaligen Umbruch, reagieren viele davon Betroffene mit einer Mischung von Nostalgie und Zukunftsangst auf seine irritierenden Folgen. Mit dem Ende der Nachkriegszeit, dem Abschluss des Kalten Kriegs und der Überwindung der Spaltung Europas ist ein ganzes Koordinatensystem zusammengebrochen. Dadurch entstand im politischen Denken wie privaten Leben ein tiefer Bruch, der nach einer schlüssigen Erklärung verlangt. Ein wichtiges Zeitdokument, das als Einstieg zur Reflexion dienen kann, ist die brillante Reportage des englischen Historikers Timothy Garton Ash von 1990. Der plötzliche 1 Stefan Berg u. a.,„Trübsal in der Zwischenwelt“, Der Spiegel, 58, 2004, Nr. 39, 44-51.
Druckschrift
Aufbruch der Zivilgesellschaft : zur Einordnung der friedlichen Revolution von 1989 ; Vortrag, gehalten auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin im WBZ am 28. Oktober 2004 in Berlin
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