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Aufbruch der Zivilgesellschaft : zur Einordnung der friedlichen Revolution von 1989 ; Vortrag, gehalten auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung und des Wissenschaftszentrums Berlin im WBZ am 28. Oktober 2004 in Berlin
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4 Aufbruch aus repressiver Stabilität, die Wirkung wirtschaftli­cher Unzufriedenheit, die zentrale Rolle der Intellektuellen und die bürgerrechtliche Ideologie der Akteure erinnerten ihn an den Völkerfrühling von 1848. Jürgen Habermas nahm mit seinem Diktum von dernachholenden Revolution diesen Fingerzeig auf, indem er behauptete, dass 1989 keine neuen Ideen hervorgebracht, sondern eher die Wiederherstellung klassischer Bürgerrechte bewirkt habe. Auch der amerikani­sche Historiker Charles S. Maier spricht von einerdeutschen Revolution, indem er die Friedfertigkeit des Umbruchs be­tont. 2 Trotz mancher Enttäuschungen bei der juristischen Aufarbeitung suggeriert der diachrone Vergleich daher, dass es sich 1989 um ein revolutionäres Aufbegehren gehandelt hat, das rechtsstaatliche Freiheitsgarantien erreichen wollte. Eine weitere in The Magic Lantern ebenso angelegte Per­spektive betont dagegen das europäische Ausmaß des Auf­bruchs, das den gesamten Ostblock und die Sowjetunion selbst umfasste. Im Herbst 1989 sprang der Funke von Polen nach Ungarn, von dort in die DDR, danach in die Tschecho­slowakei über, bis die Flamme des Aufbegehrens schließlich auch noch Bulgarien und Rumänien erreichte. Entwicklun­gen, die in Warschau Jahrzehnte brauchten, verliefen in Bu­2 Timothy Garton Ash, The Magic Lantern. The Revolution of89 Witnessed in Warsaw, Budapest, Berlin and Prague, New York 1990, 134 ff. Vgl. Jürgen Habermas, Die nachholende Revolution. Kleine politische Schriften VII, Frankfurt 1990; und Charles S. Maier, Der Umbruch der DDR und der Untergang des Kommunis­mus, Frankfurt 1999.