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Aufbruch oder Stillstand? : Die politische Situation vor dem 10. Parteitag der Kommunistischen Partei Vietnams
Entstehung
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mangelnde Konkretisierung dessen, was der Marxismus- Leninismus für die Partei sein soll, bzw. was dieserunfehlbare Weg genau vorgibt, kritisiert. Gleichzeitig gibt er sich als Reformer, indem er postuliert, dass manchmal gerade das Abweichen vom Weg zum Erfolg führt. Doch nicht nur in Bezug auf die Ideolo­gie übt der ehemalige Premier Kritik. In sei­nem Pamphlet greift er auch die Linksradika­len innerhalb der Partei an und macht diese verantwortlich für die ökonomischen und ge­sellschaftlichen Rückschritte, mit denen Viet­nam in der Vergangenheit zu kämpfen hatte. An eine zukünftige Führung appelliert er standhaft zu bleiben und den Weg der Mo­dernisierung weiter zu gehen. Er fordert von den Entscheidungsgremien der Partei unab­hängiger zu werden und Entscheidungen nicht zum Wohle der Partei, sondern zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung zu treffen. Fazit und Ausblick Vom nächsten Parteitag wird sowohl national als auch international viel erwartet. Welche konkreten Resultate dieser jedoch haben wird, bleibt weitgehend ungewiss. Schon allein aus biologischen Gründen ist sicher, dass sich viele der Älteren, vom Krieg geprägten Kader in den Ruhestand verabschieden werden. Eine jüngere, besser und vor allem internationaler ausgebildete Generation wird nach und nach in Führungspositionen hineinwachsen und den Erneuerungsprozess mit mehr Energie vorantreiben. Dabei darf aber nicht unter­schätzt werden, dass sich die Älteren zwar aus dem offiziellen politischen Leben zurückzie­hen, viele von ihnen jedoch weiterhin aktiv bleiben und indirekt Einfluss ausüben werden. Sie werden die Jüngeren genau beobachten, ob diese den ihnen anvertrauten Aufgaben auch gerecht werden. Es bleibt abzuwarten, wer den Machtkampf zwischen Traditionalis­ten und Reformern gewinnt und ob es auch in der KP in Vietnam dazu kommen wird, dass sich, wie in der SPD, eine Gruppe von Netz­werkern bildet, die versucht die Interessen einer jüngeren Generation stärker zu bündeln und in politisches Handeln einfließen zu las­sen. Nach dem Abtreten der Kriegsgeneration, die den Befreiungskampf aktiv miterlebte, würde sich hierfür eigentlich eine gute Möglichkeit bieten. Durch den sich in den nächsten Jahren vollziehenden Generationenwechsel wird al­lerdings zuerst eine Generation in wichtige politische Ämter gehoben, die ihre Ausbil­dung größtenteils in den ehemaligen Ost­blockländern absolvierte. Die besten unter ihnen studierten in Moskau, andere in Ostber­lin, Warschau oder Prag. Mit den dort Ausge­bildeten wird Vietnams Geschick für einen gewissen Zeitraum durch eine Generation von ‚Apparatschiks bestimmt, die nicht unbedingt für die Öffnung des Landes stehen. Zwar ver­schwindet mit diesem Wechsel auch ein Stück des dogmatischen und unflexiblen Führungs­stils derer, die durch den Befreiungskampf geprägt wurden, doch gleichzeitig verschwin­det auch die Authentizität, die diese Genera­tion auszeichnet. Diese wird nun in den kommenden Jahren durch schlichte Funktio­näre ersetzt, die eine ganz andere Bindung zu ihrem Land und dessen Menschen haben als ihre Vorgänger. Auch wenn daran niemand so recht glauben mag, könnte der anstehende Generationenwechsel einen Rückschritt für Vietnam bedeuten. Bis die dritte Generation, die durch ihre internationale Sozialisation möglicherweise grundlegende Maßnahmen zur Veränderung der politischen und gesell­schaftlichen Kultur Vietnams einleiten könnte, zu den Schaltstellen der Macht aufrücken kann, wird es noch geraume Zeit dauern. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich ne­ben dem wirtschaftlichen langsam auch der politische Wandel vollzieht, bevor die dritte Generation endgültig nachgerückt ist. Die Entwicklungen schreiben der politischen Klas­se den Weg, der in den nächsten Jahren be­schritten wird, vor und es wird kaum eine an­dere Möglichkeit bleiben- unabhängig davon, ob die politische Klasse die Öffnung des Lan­des vorantreiben will oder nicht. - 5-