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Sieben Jahre nach dem Coup : Pakistans Regime in der Legitimitätskrise
Entstehung
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Oktober 2006 Sieben Jahre nach dem Coup: Pakistans Regime in der Legitimitätskrise Armin Hasemann, FES Islamabad Das gegenwärtige, vierte militärisch kontrollierte Regime in Pakistan vollendete am 12. Okto­ber 2006 sein siebtes Jahr an den Hebeln der Macht und übertrifft damit bereits jetzt die Re­gierungszeit jeder zivilen Regierung in der Geschichte des Landes. Während das tägliche Politdrama die Beobachter in seinen Bann zieht, bleiben die Akteure, das Establishment, unverändert. Der Anspruch, die Fehler der für alle gegenwärtigen Probleme verantwortlich gemachten zivi­len Vorgängerregierungen zu korrigieren, verliert unterdessen rasant an Glaubwürdigkeit, so dass zum Zweck des Machterhalts verschärfte Gangarten zum Einsatz gebracht werden. Aber der Spielraum des Präsidenten und seiner Regierung verengt sich dabei zunehmend. Hintergrund Der Beginn der Regierung Musharraf stand ganz im Zeichen der bedingungslosen Imple­mentierung des vom IMF diktierten Konsoli­dierungskurses, was bereits in der Ernennung des New Yorker Citibankers und heutigen Premierministers Shaukat Aziz zum Finanz­minister zum Ausdruck kam. Es waren jedoch vor allem die Nachwirkungen der Ereignisse vom 11. September 2001, die der pakistani­schen Wirtschaft zu unerhofftem Aufschwung verhalfen: politische Dividenden für die Rolle Pakistans imKrieg gegen den Terror, Bud­gethilfen des IMF und der Weltbank. Zurück­fließendes Kapital vermögender Pakistani und Auslandspakistani gaben ab 2002 den Aus­schlag für eine Entwicklung, die das Land, wenn man den Zahlen des staatlichen Eco­nomic Survey(2005/06) folgt, in fast allen makroökonomischen Daten besser dastehen lässt als je zuvor in seiner Geschichte. Auch wenn die Glaubwürdigkeit der Zahlen nicht nur von unabhängigen Ökonomen, sondern auch von der Weltbank in Frage gestellt wird, ist nicht zu leugnen, dass sowohl die Schwer­industrie als auch die Landwirtschaft letztere eher aufgrund zuträglicher Wetterbedingun­gen beachtliche Wachstumsraten von bis zu 7,5% erreicht haben. Es war allerdings der Finanzsektor, der am stärksten von der enor­men Liquidität einer kleinen Oberschicht profi­tieren konnte. Die Leasing-Angebote verviel­fältigten sich, Kleinkredite wurden zuhauf an der boomenden Börse investiert, deren hoch­spekulatives Klima auch den Immobilienmarkt erfasste und die Preise nicht nur in den städti­schen Zentren, sondern auch kleineren Pro­vinzstädten explodieren ließ. Das Militär ist unterdessen landesweit zur führenden Kraft im Immobilienhandel aufgestiegen. Während das Regime nicht müde wird, seine angeblichen wirtschaftspolitischen Erfolge öffentlich zu feiern, wird übersehen, dass eine einmalige Gelegenheit, hineinströmendes Ka­pital in arbeitsintensiven Kernbereichen der Industrie und der Landwirtschaft zu investie­ren und Beschäftigung zu schaffen, ungenutzt verstrich. Die wachsende Kluft zwischen Profi­teuren und Beteiligten der gegenwärtigen Konsumwelle und der großen Masse jener, die hart am Rande der Armutsgrenze leben, von rasant gestiegenen Konsumentenpreisen für Güter des Grundbedarfs zusätzlich unter Druck geraten sind und die Entwicklungen