Druckschrift 
Das westafrikanische Musterländle Benin hat gewählt! : die Bevölkerung Benins stimmt für einen Politikwechsel und sorgt somit für den dritten demokratischen Machtwechsel in der jungen republikanischen Geschichte
Entstehung
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Trotz der teilweise chaotischen Zu­stände blieben die Wähler dennoch auffällig ruhig. Die Verzögerungen wurden zwar laut kritisiert und den Journalisten und Wahlbeobachtern die Beschwerden in das Notizbuch diktiert, aber es gab keine größeren Unruhen. Stattdessen wurde geduldig in Schlan­gen gewartet bis das Wahlbüro seine Türen öffnete. Der Wahlablauf In jedem Wahlbüro befanden sich ein Wahlleiter, ein Sekretär und ein Assis­tent, Wahlbeobachter von verschiede­nen Kandidaten und zwischenzeitlich auch immer wieder nationale und in­ternationale Beobachter. Nachdem die Wähler in der Wahlkabi­ne ihren Favoriten mit einem Stempel auf einem farbigen DinA3-Bogen mar­kiert hatte, auf dem die 26 Kandidaten abgebildet waren, wurden Fingerkuppe und Fingernagel des Wählers mit nicht wasserlöslicher schwarzer Tinte be­malt, um eine doppelte Stimmabgabe zu verhindern. Anschließend mussten die Wähler ihren Fingerabdruck auf der Wahlliste hinterlassen. Die Auszählung der Stimmen in den Wahlbüros verlief unter der Beobach­tung von Wahlhelfern, Vertretern eini­ger Kandidaten, offiziellen Wahlbeob­achtern und vielen Zuschauern aus der Bevölkerung, die sich durch die Fens­ter und Türen der Wahlbüros einen eigenen Eindruck über den Verlauf der Wahl verschaffen wollten. Die Wahlur­ne wurde auf einem Tisch ausgekippt und die Stimmzettel zunächst gezählt. Anschließend wurden die Stimmzettel nacheinander aufgefaltet und für jeden Zuschauer gut sichtbar herumgezeigt. Auf einer Tafel wurde auf einer Strich­liste jede Stimme für die verschiede­nen Kandidaten vermerkt. Auch dieser Vorgang stellte sich sehr transparent und regelgerecht dar und verlief ohne Zwischenfälle. Die Unregelmäßigkeiten in der Organi­sation haben keinem Kandidaten un­verhältnismäßig genutzt oder gescha­det. Trotz Unzulänglichkeiten kann da­her von einem demokratischen Ablauf der Wahl gesprochen werden. Einen gegenteiligen Eindruck hinterließ allerdings Mathieu Kérékou, der nach seiner Stimmabgabe lange vor dem Schließen der Wahllokale über Wahl­betrugsversuche und über eine Millio­nen angeblich fehlender Stimmzettel orakelte. Er kündigte daher mit einem Verweis auf die US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen an, dass man sich notfalls mit dem Auszählen der Stimmen bis zu sechs oder sieben Monaten Zeit nehmen werde. Einige Kommentatoren interpretierten dies als einen weiteren Versuch Kérékous, die demokratische Legitimation der Wah­len anzuzweifeln und sich eine längere Amtszeit zu sichern. Mathieu Kérékou bei der Stimmabgabe Foto: Karla Held© 6