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Das "African Media Barometer" - ein Instrument zur Selbsteinschätzung der Freiheit von Meinung und Medien in Afrika
Entstehung
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Vorbemerkung Medienfreiheit wird inzwischen weltweit ge­messen: Etwa durch den New YorkerFreedom House-Index. Die Daten werden gesammelt von Auslandskorrespondenten, Besuchern, so­wie Menschenrechts- und Medienorganisatio­nen. Die Kriterien wurden in New York entwi­ckelt und dort werden auch die Ergebnisse aus­gewertet. Die Resultate haben häufig mit der gelebten Realität in den untersuchten Ländern nur wenig gemein. Und sie sind unvollständig: Die Rangliste der Pressefreiheit, die vonRe­porter ohne Grenzen jedes Jahr erstellt wird, ist wie die Organisation selbst sagtkein Indi­kator für die Qualität der Berichterstattung in den jeweiligen Ländern und sagt auch nichts über die Aushöhlung der Pressefreiheit durch ökonomischen Druck aus. Es gibt also gute Gründe für einen neuen Be­wertungsansatz, wenn er methodische Schwä­chen anderer Versuche überwindet und gleich­zeitig versucht, eine Reformagenda zu beför­dern. Beides ist das gemeinsame Anliegen von MISA und FES. Deshalb haben sich das Media Institute of Sou­thern Africa(MISA), eine Medien-Lobby­Organisation im Südlichen Afrika mit Mit­gliedsverbänden in 11 Staaten, und das Medien­projekt Südliches Afrika der Friedrich-Ebert­Stiftung(FES) für einen grundsätzlich neuen Ansatz entschieden und 2005 das African Media Barometer(AMB) gestartet. 2 Mit Hilfe von ge­meinsam entwickelten Kriterien des AMB ana­lysieren und bewerten kundige Bürger selbst die Lage der Medien und Meinungsfreiheit in ihrem Land. Verfahren zur Selbstbewertung Das Verfahren ist ebenso einfach wie intensiv. In bislang 16 Staaten haben sich 2005 und 2006 Panels von jeweils zehn Frauen und Männern zu einer Klausur über ein langes Wochenende ge­troffen: zur einen Hälfte Persönlichkeiten der 2 Zur ausführlichen Darstellung der Methodik s. http://library.fes.de/pdf-files/bueros/namibia/03268.pdf: Das Afrika Medien-Barometer(AMB) Ein neues Instrument der Medien-Entwicklungszusammenarbeit Zivilgesellschaft(etwa Hochschullehrer, Ge­werkschafter, Seelsorger verschiedener Religio­nen, Juristen, Menschenrechtsaktivisten, Frau­enrechtlerinnen), zur anderen Medienschaffende (Journalisten, Verleger, Medienlobbyisten, Wis­senschaftler). Die Klausurteilnehmer werden sorgsam ausgesucht, nach ihren Kenntnissen und Verdiensten, und nicht zuletzt danach, ob ihr Wort etwas gilt in ihrer jeweiligen Gesell­schaft. Sie sind nicht Teilnehmer an einer un­verbindlichen Seminardiskussion oder Beant­worter der ihnen gestellten Fragen, sie selbst sind die Experten, die in einem zielgerichteten Prozess ihr Wissen und ihre Einschätzungen zu­sammentragen. Der(von außen kommende) Moderator spielt nur eine Rolle: die Diskussion zu moderieren. Die Bewertung wird von den Panel-Mitgliedern bestimmt. Ihr Leitfaden ist eine Liste von 42 Indikatoren, hausgemacht in Afrika und nicht erdacht am grünen Tisch irgendwo in Berlin oder Washing­ton. 3 Afrikanische Indikatoren zur Meinungs­und Pressefreiheit? Es gibt sie und sogar höchst offiziell. Kontinentale Gremien haben während der vergangenen zehn Jahre einen weitreichenden Konsens über entsprechende Prinzipien erarbeitet. Von besonderer Bedeu­tung ist die Declaration of Principles on Free­dom of Expression in Africa der Menschen­rechtskommission der Afrikanischen Union von 2002, die weltweit als eine der progressivsten gilt und die einzelnen Aspekte von Meinungs­freiheit detailreich und vorbildlich definiert: von der Garantie des Rechts auf freie Meinungsäus­serung über die Forderung nach einer pluralen Medienlandschaft, staats-unabhängigem öffent­lichen Rundfunk bis hin zum Recht der Medien auf freiwillige Selbstkontrolle. Die Deklaration fußt weitgehend auf Dokumenten, die zuvor von afrikanischen Medienvertretern entwickelt wur­den: der Windhuk Deklaration zur unabhängi­gen und pluralistischen Presse in Afrika(1991) und der Afrikanischen Rundfunk-Charta(2001). Diese Leitsätze vor allem bilden die Grundlage für die AMB -Indikatoren. In der modernen Pla­3 Die vollständige Liste der Indikatoren ist einzusehen bei www.fesmedia.org.na 2