standards, auch was das„zivilisierte Benehmen unter seinen Einwohnern“ angehe, schimpfte er. Damit meinte er nicht nur die grassierende Korruption, die es zu bekämpfen gelte. So wurde im Juni 2006 der ehemalige Vizebürgermeister Pekings Liu Zhihua wegen Korruption bei den olympischen Bauvorhaben entlassen. Er spielte auch auf die weitverbreiteten Unarten wie Spucken und lautstarkes Räuspern in aller Öffentlichkeit an, die man doch bitte vor aller Welt unterlassen möge. Seitdem streifen 56 Spuckkontroll-Teams durch die Innenstadt, um die Bürger zu erziehen. Doch wichtiger sind ihm die nachhaltige Modernisierung und der infrastrukturelle Sprung nach vorn in die Zukunft der Stadt, deren Einwohnerzahl kontinuierlich wachsen wird. Der Sprung soll in großem Maße Arbeitsplätze schaffende Investitionen in Produktion und vor allem in moderne Dienstleistungen nach sich ziehen. Ziel ist ein jährliches Pro-Kopf-Einkommen von 10.000 Dollar im Jahr 2010. Grüne Spiele in Gefahr? Die Spiele rücken näher. Erbarmungslos zeigt die rückwärts laufende Uhr am Rande des Platzes des Himmlischen Friedens die schrumpfende Zeit an, die noch verbleibt, um die„besten Olympischen Spiele der Geschichte“ hinzubekommen. Die meisten Beobachter sind sich darin einig, dass die Stadt problemlos alle Olympiabauten und geplanten städtischen Infrastrukturmaßnahmen rechtzeitig fertig stellen wird. In Hinblick auf die Bewältigung der enormen organisatorischen Herausforderungen sind die Meinungen hingegen schon geteilt. Es überwiegt jedoch noch der Optimismus. Aber die Verwirklichung zentraler Elemente der Vision grüner Spiele steht zumindest gegenwärtig auf dem Spiel. Vor allem die hohe Luftverschmutzung und das Verkehrschaos auf den Straßen machen den Organisatoren große Sorgen. Die Inspektoren des IOC sind von den derzeitigen Planungen und Vorhaben Pekings nicht sonderlich überzeugt. Die Umwelt- und Verkehrsaspekte seien noch nicht gelöst, mahnte der Vorsitzende der IOCKoordinierungskommission Hein Verbruggen auf einer Pressekonferenz in Peking im April. Doch die Notpläne dafür scheinen schon in der Schublade zu liegen. Da der Autoverkehr Pekings größter Umweltsünder ist, hat man über drastische Maßnahmen nachgedacht, wie er während der Spiele einzuschränken ist. Angeblich sollen etwa eine Mio. Autos von den Straßen ferngehalten werden. Die Pläne dafür werden später in diesem Jahr noch bekannt gegeben. Dabei muss man wissen, dass zurzeit etwa 3 Mio. Autos Pekings Straßen verstopfen. Zum Beginn der Spiele werden es ca. 3,3 Mio. sein. Täglich kommen durchschnittlich 1.060 Autos hinzu, darunter auch wieder viele Volkswagen. Die schwarzen Zahlen, die VW neuerdings vor allem wegen des guten Geschäfts in China schreibt, sind in Peking zu besichtigen. Sicherlich wird die Stadtverwaltung in nicht allzu ferner Zukunft darüber nachdenken müssen, Straßenmaut für die Innenstadt einzuführen, und vor allem die Anzahl der zigtausend Taxis zurückzufahren. Doch das steht gegenwärtig nicht zur Debatte. Die Automobilindustrie ist auch in China eine mächtige Lobby. Darüber hinaus werden offenbar weitgreifende Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den umliegenden Provinzen vorbereitet, sollte die Luftqualität kurz vor den Spielen weiterhin kritisch sein. Im Umkreis von Hunderten von Kilometern um Peking herum sollen die Produktion umweltbelastender Industrien und die Bautätigkeit gedrosselt werden. In Peking selber gilt während der Olympischen Spiele absoluter Baustopp. Peking als Modell einer„harmonischen Gesellschaft“ Mit dem Impuls der Olympischen Spiele„wird Peking Modell einer harmonischen Gesellschaft“, versprach Bürgermeister Wang Qichen. Es soll sozusagen Schaufenster dafür werden, wie sich der Rest Chinas seine gesellschaftliche Zukunft vorstellen soll. Was bedeutet das konkret? In der letzten Plenarsitzung des ZK der KPC im September 2006 wurde das Ziel der„sozialistischen harmonischen Gesellschaft“ als Grundkonzept aller Politiklinien offiziell verabschiedet und soll offenbar auf dem 17. Nationalkongress der KPC im Herbst 2007 in die Präambel der Parteistatuten geschrieben werden. Die„sozialistische harmonische Gesellschaft“ wird definiert als - 4-
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