aÉòÉãÄÉê=OMMT= Nach der gescheiterten Verfassungsreform: Chavismus ohne Zukunft? Dr. Kurt-Peter Schütt • Am 2. Dezember stimmten rund 16 Millionen wahlberechtigte Venezolaner und Venezolanerinnen über den Vorschlag des Präsidenten Chávez für eine Verfassungsreform ab. Bei einer Wahlbeteiligung von etwa 56% unterlag der Präsident mit 49,3% der Stimmen. 50,7% der Wahlberechtigten stimmten gegen den Reformvorschlag. • Dieses Ergebnis stellt die erste Abstimmungsniederlage des Präsidenten seit seiner Wahl im Jahre 1998 dar. Die Gründe hierfür liegen u.a. in der Wahlenthaltung eines Teils seiner traditionellen Anhängerschaft, der wegen der persönlichen politischen Ambitionen des Präsidenten und seines Projekts eines diffus formulierten Sozialismus verunsichert ist. Zudem wurde der Reformvorschlag sowohl von einem bisherigen chavistischen Koalitionspartner als auch von zahlreichen politischen Persönlichkeiten öffentlich kritisiert. Die im zweiten Halbjahr entstandene studentische Protestbewegung förderte dagegen in den oppositionellen Sektoren die Wahlbeteiligung. • Der Reformentwurf enthielt überwiegend Dispositionen, die eine extreme Machtkonzentration in den Händen des Staatsoberhauptes beinhalteten. Hierzu gehörten die unbefristete Wiederwahl des Präsidenten und die Verlängerung seiner Amtszeit von sechs auf sieben Jahre. • Die knappe Ablehnung der Verfassungsreform ist für den Chavismus eine politische Katastrophe, mit der sich die Regierung nicht abfinden, sondern intensiv Wege suchen wird, dieses politisches Projekt durchzusetzen. Vorläufer des Reformvorschlags Am 2. Dezember wurde in Venezuela über die geplante Verfassungsreform von Präsident Chávez abgestimmt. Bei einer Wahlbeteiligung von etwa 56% unterlag die Regierung mit 49,3%. 50,7% der Wahlberechtigten stimmten gegen den Reformvorschlag. Bereits die bestehende Verfassung war 1999 mit einem Referendum durchgesetzt worden. Einen radikalen politischen Neuanfang hatte der 1998 zum Präsidenten gewählte Chávez schon mit der neuen bolivarischen Verfassung 1999 versprochen, die, von einer verfassungsgebenden Versammlung erarbeitet, im Dezember 1999 per Referendum mit fast 72% der abgegebenen Stimmen bestätigt wurde. Sie zeichnet sich einerseits durch die Ausweitung der Befugnisse des Staatspräsidenten, ein staatszentriertes Entwicklungsmodell und die Stärkung des Zentralstaates gegenüber den Gebietskörperschaften aus, schuf aber andererseits über eine erweiterte Bürgerbeteiligung, die Einbeziehung plebiszitärer Elemente in das Wahlrecht und die Einrichtung zweier zusätzlicher Verfassungsgewalten neue Partizipationsmöglichkeiten. Anlässlich seiner zweiten Amtseinführung im Jahr 2001 pries Chávez diese Verfassung als die beste der Welt, die wenigstens 200 Jahre Bestand haben und frühestens 2021 einige kleinere Anpassungen erfordern würde. Die Hoffnungen auf eine Erneuerung von Demokratie und Rechtsstaat durch die bolivarische Verfassung haben sich jedoch nicht erfüllt. Dies lässt sich nicht der Verfassung anrechnen, sondern dem Regierungsstil des Präsidenten, der das politische System nach achtjähriger Amtszeit in eine autoritär geführte plebiszitäre Demokratie umgeformt, alle Verfassungsorgane einschließlich der Justiz seiner Kontrolle 1
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