Konfliktdynamik im Länderdreieck Sudan, Tschad und Zentralafrikanische Republik Patrick Berg März 2008 • In den letzten drei Jahren hat sich die Sicherheitslage im Osten des Tschad sowie in Teilen der Zentralafrikanischen Republik dramatisch verschärft. Dabei handelt es sich jedoch nicht primär um eine Ausbreitung des Konflikts im benachbarten Sudan/Darfur, sondern um die Eskalation dort bereits bestehender nationaler Konflikte. • Während die Krise in der Zentralafrikanischen Republik auch weiterhin innenpolitisch dominiert bleibt, ist durch die immer engere Verflechtung der Konflikte in Darfur und im Tschad ein neues Konfliktsystem entstanden, das nur noch unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Konfliktursachen in beiden Ländern aufgelöst werden kann. • Die bislang meist isolierte Betrachtung der Teilkonflikte ist einer der Gründe für den ausbleibenden Erfolg internationaler Friedensbemühungen. Neben der Entwicklung einer umfassenden Regionalstrategie bedarf es einer besseren Abstimmung der zahlreichen Akteure – einschließlich Chinas, Lybiens, der Afrikanischen Union und der Arabischen Liga – sowie einer Rückbesinnung auf das Primat politischer Lösungsansätze gegenüber dem Einsatz internationaler Militärmissionen in noch akuten Konflikten. Verflechtung statt spill-over Der Darfur-Konflikt im Westen des Sudan steht seit seiner Eskalation im Herbst 2003 mit seinen Millionen von Flüchtlingen, Hunderttausenden Todesopfern und anhaltender Gewalt gegen die Zivilbevölkerung im Interesse der Weltöffentlichkeit. Flüchtlingsbewegungen sowie grenzüberschreitende Angriffe haben die Aufmerksamkeit auch auf die benachbarten Gebiete im Ost-Tschad und den Norden der Zentralafrikanischen Republik gelenkt. Seit Ende 2005 ist dort eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage zu beobachten, die sowohl in den Medien als auch im politischen Diskurs meist als direkte Ausbreitung des Darfur-Konflikts interpretiert wird. Diese Darstellung greift aber als Erklärung der Krisen in den Nachbarländern zu kurz. Auch wenn die Krise in Darfur unbestritten zur weiteren Eskalation bestehender Konflikte beigetragen hat, haben die Probleme im Tschad und der Zentralafrikanischen Republik ihre je eigenen Ursachen. Diese haben eine oft lange Geschichte, die in der Analyse der Situation nicht ausgeblendet werden darf, will man der Komplexität der inzwischen miteinander verflochtenen Konfliktlage in der Region gerecht werden. Tschad: Jeder gegen jeden Der Tschad ist heute von einer bereits in der Kolonialzeit angelegten Spaltung des Landes entlang ethnischer und religiöser Linien geprägt. Das fehlende Vertrauen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen hat zur Entwicklung einer repressiven und autoritären politischen Kultur geführt, in der ethnisch homogene Eliten die Ressourcen des Landes zur eigenen Bereicherung ausbeuten. Ethnisch basierte Rebellengruppen konkurrieren um diese exklusive Kontrolle des Staatsapparats, zeigen jedoch kein Interesse an einer demokratischen Reform des autoritären Präsidialsystems. Machtwechsel waren daher seit der Unabhängigkeit immer die Folge militärischer 1
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