tive Umfrage des International Republican Institute bestätigt den Erfolg dieser Strategie. 77 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Kambodscha sich allgemein in die richtige Richtung entwickelt und begründen dies mit dem zunehmenden Bau von Straßen, Schulen, Kliniken und Pagoden. Viele dieser Projekte wurden mit internationaler Hilfe finanziert, aber offiziell von Hun Sen eröffnet und tragen sogar dessen Namen. Zu den nationalen Geldgebern gehören reiche Unternehmer des Landes, die als Gegenleistung politischen Schutz sowie Projektaufträge von Hun Sen erhalten. Sie bilden gemeinsam mit Militärangehörigen, Dorfvorstehern und lokalen Beamten eine landesweite klientelistische Struktur unter der Schirmherrschaft Hun Sens und der CPP. Oppositionelle Aktivisten treffen dadurch auf erhebliche Schwierigkeiten, ihr Netzwerk auf dem Land auszubauen, um die ländlichen Wähler zu erreichen. Landesweit konnte die CPP vor allem mit den Hauptwahlkampfthemen Stabilität und Wirtschaftsaufschwung punkten. Hun Sen hat bislang das Land mit harter Hand regiert. Dies rechtfertigt er mit dem Hinweis, dem Land Frieden und Fortschritt nach der Schreckenherrschaft der Roten Khmer gebracht zu haben. Kambodscha ist eines der ärmsten Länder dieser Welt. Hun Sens Politik der Wirtschaftsliberalisierung hat dem Land in den letzten Jahren durchschnittliche Wachstumsraten von über zehn Prozent beschert und zahlreiche ausländische Investoren angelockt. Die Schattenseite des Erfolgs – Korruption, eine tiefe Kluft zwischen arm und reich, Zwangsräumungen für Investitionsprojekte und die Plünderung von Rohstoffen – wird dabei heruntergespielt. Kurz vor der Wahl dürfte die UNESCO mit der Aufnahme eines kambodschanischen Tempels in die Liste der Weltkulturdenkmäler eine weitere Trumpfkarte in Hun Sens Hände gespielt haben. Die langersehnte Auflistung war ein willkommener Trost für das derzeit von der Inflation geplagte kambodschanische Volk. Die CPP beeilte sich, die von Thailand bekämpfte Aufnahme als ihren diplomatischen Erfolg zu verwerten. Der Tempel aus dem 11. Jahrhundert war Schauplatz eines Jahrhunderte langen territorialen Disputs zwischen Thailand und Kambodscha. 1962 hat der Internationale Gerichtshof den Tempel letzterem zugesprochen. Strittig blieben etwa fünf Quadratmeter Land rund um den auf einer Anhöhe liegenden Tempel. Beide Staaten haben Truppen mobilisiert, nachdem thailändische Demonstranten den Sicherheitszaun überwunden hatten, um gegen die UNESCO Entscheidung zu protestieren. Die Oppositionsparteien warfen der CPP vor, die Eskalation an der Grenze auszunutzen, um den Blickpunkt der Wähler von schwierigeren Wahlkampfthemen abzulenken. Den überaus nationalistischen und stolzen Kambodschanern dürfte der aktuelle Grenzstreit mit dem als chauvinistisch geltenden Nachbarn Thailand nicht unberührt gelassen haben. Viele sahen in Hun Sens militärischer Antwort einen entschlossenen Akt zur Verteidigung der nationalen Souveränität. Dies mag ihm und der CPP zusätzliche Pluspunkte gebracht haben, dürfte aber nur einer von mehreren Gründen für das nicht zufrieden stellende Abschneiden der Oppositionsparteien bei der zurückliegenden Wahl sein. Die Schwächen der Oppositionsparteien liegen nicht nur in der strukturellen, finanziellen und personellen Überlegenheit der CPP, sondern auch in ihren inter- und intra-parteilichen Zerwürfnissen. Hun Sen selbst würde seinem Ruf als Meister der Manipulation nicht gerecht, hätte er nicht eine intrigante und zugleich wirkungsvolle Taktik zur Spaltung seiner politischen Rivalen betrieben. Bereits vor dem Wahlkampf konnte er bedeutende Mitglieder der Opposition systematisch mittels großer Geldsummen, Luxusgütern sowie Regierungsposten zum Parteiwechsel überreden. Im Manöverspiel der CPP verlor die SRP nicht nur hochrangige Mitglieder, sondern auch die langjährige und bedeutende Unterstützung der unabhängigen Gewerkschaften. Durch eine geschickte Anhebung der monatlichen Löhne für die Textilarbeiter konnte Hun Sen vor der Wahl den Rückzug der Gewerkschaften aus der Politik erreichen. Statt ihre Kräfte strategisch zu bündeln, verfolgen die Oppositionsparteien eher aus Machteitelkeit als aus ideologischen Gründen separate und wenig substantielle Agenden. Darin lag ein Grund für ihre enttäuschenden Wahlergebnisse. Fazit Mit dieser Wahl hat Kambodscha bewiesen, dass es seit dem Ende des Bürgerkrieges in der Lage ist, - 4-
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