werden kann und etwas ganz Eigenes entwickeln kann, macht die Musik für einen Schüler einzigartig:„Ich baue beats und dabei kann ich machen, was ich will. Ich habe vorher keine Vorstellung, was am Ende rauskommen soll, sondern das entsteht erst beim Improvisieren, wenn man aus sich rausgeht. Es kann mir auch ganz egal sein, wie andere das Ergebnis finden, ob es ihnen gefällt oder nicht. Das ist für mich Freiheit.“ Dass Musik neue Möglichkeiten über den Alltag hinaus eröffnen kann, zeigte auch das nächste mitgebrachte Lied:„A ka Yürek Gerek“ von dem türkischen Sänger„Mustafa Sandal“ und der Griechin„Natalia“. Die Schülerin, die diesen Song ausgesucht hatte, erklärte:„Darüber, dass die beiden dieses Liebeslied zusammen singen, wurde in der Türkei zuerst heftig diskutiert. Aber man kann ja trotz der politischen Probleme, die es zwischen Türken und Griechen gibt, gemeinsam Musik machen. Und beim Thema Liebe werden ganz oft Grenzen überwunden. In der Musik ist das natürlich leichter.“ Wie leicht – oder wie schwer – es ist, mit verschiedenen Hintergründen ein gemeinsames Musikprojekt zu machen, sollte sich nun zeigen. Denn gleich nach der Präsentation der eigenen Lieblingslieder stand die Frage im Raum, welches Thema und welche Musikrichtung denn der eigene Song der Schüler/innen haben sollte. „Wo komm’ ich her? Wer bin ich?“- Themenwahl für den Songtext Beim Vorstellen der mitgebrachten Songs und der Diskussion über ihre Inhalte wurde sehr schnell klar, welche Themen den Schüler/innen besonders am Herzen lagen. Die Frage nach der eigenen Identität und der Wunsch, in seiner individuellen Art anerkannt zu werden und auch andere mit Respekt und Toleranz zu behandeln, stand dabei im Zentrum. Außerdem wollten sie musikalisch ausdrücken, dass unterschiedliche Kulturen ihre Grenzen überwinden können. Deshalb sollte der Text in verschiedenen Sprachen gesungen werden, wozu sich einige Schüler/innen gleich bereit erklärten. Da es in der Gruppe Fans der unterschiedlichsten Musikrichtungen gab, wollten die Schüler/innen diese verschiedenen Stile ebenfalls in ihr Lied einbauen. Noch war zwar unklar, wie man etwa Metal, Hip-Hop, türkischen Pop, Elektronik und Soul zusammenbringen sollte, aber man musste ja ohnehin erst einmal anfangen, Vorschläge zu sammeln, Textideen zu entwerfen und erste Melodien auszuprobieren. Dazu teilte sich die Gruppe in zwei Workshops auf: die einen wollten gern Texte schreiben und singen, die anderen Instrumente spielen und die Musik komponieren. Erstes Texten und Komponieren In der Texter-Gruppe war zunächst nur klar, um welche Themen sich der Song in etwa drehen sollte. Da ein gemeinschaftliches Projekt Ziel war, versuchten die Schüler/innen zunächst, sich zusammen den Text für eine sogenannte„Hookline“, also eine besonders eingängige Melodiezeile, auszudenken. 6
Konferenzband
Interkulturelle Musikwerkstatt : 23. - 24. April 2009, Forum Jugend und Politik in Bonn ; Workshopdokumentation der Friedrich-Ebeert-Stiftung Bonn
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