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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 5 DIE STUDIE Letzeres verweist darauf, dass die Inputlegitimation, also die Zufriedenheit der Bürger_innen mit den politischen Institutionen und Akteur_innen, nicht nur als abgeleitete Variable der an den Leistungen der Politik festgemachten Outputlegitimation betrachtet werden kann, sondern für die Ausbildung und Aufrechterhaltung von Vertrauen ei­genständige Bedeutung gewinnt. Entsprechend breiten Raum nimmt sie in unserer Untersuchung ein. Diese ist ein Follow-up der StudieVertrauen in Demokratie. Wie zufrieden sind die Menschen in Deutschland mit Regie­rung, Staat und Politik?, die die Autor_innen 2019 ebenfalls für die Friedrich-Ebert-Stiftung und in Zusam­menarbeit mit dem Berliner Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap durchgeführt haben(Decker et al. 2019). Der Fragebogen ist zweigleisig angelegt. Einerseits wer­den Fragen und Items aus der Studie von 2019 wieder­holt, um Veränderungen nachzuzeichnen. Andererseits treten neue Probleme hinzu. Ursprünglich sollte das Hauptaugenmerk dabei auf der Coronapandemie und deren Bekämpfung liegen, bis die weitgehend abge­schlossene Arbeit an dem Fragebogen vom Epochener­eignis des Ukrainekriegs im Februar 2022 eingeholt wur­de. In der überarbeiteten Version sind die Themenschwer­punkte deshalb breiter verteilt und das Thema der Pande­mie weniger priorisiert. Wie in der ersten Studie sind der Literatur- und der Aus­wertungsteil aufeinander bezogen, ohne sich in der Rei­henfolge der behandelten und abgefragten Probleme genau zu entsprechen. Der Literaturbericht schließt an den Vorgänger an die dort enthaltenen Grundlagen der politikwissenschaftlichen Vertrauensforschung werden hier also nicht erneut ausgebreitet. Auch die Aufteilung der Themenschwerpunkte(allgemeines Vertrauen, Insti­tutionenvertrauen und Inputlegitimation, gesellschaftli­che Konflikte und Outputlegitimation) wurde übernom­men ergänzt um das im Zusammenhang mit der Coro­napandemie und dem Klimaschutz neu aufgekommene Thema der Wissenschaftsleugnung. schließlich Berlin), Norden(Niedersachsen, Schleswig­Holstein, Hamburg und Bremen), Süden(Bayern, Baden­Württemberg) und Westen(Nordrhein-Westfalen, Hes­sen, Rheinland-Pfalz und Saarland). Die Daten wurden nach Abschluss der Befragung nach soziodemografischen Merkmalen und dem erinnerten Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl gewichtet, um Repräsentativität zu erzielen. Den Antworten auf alle inhaltlichen Fragen zum Vertrau­en sowie den Einstellungen und Reformwünschen der Be­fragten liegt eine vierstufige Antwortskala ohne die Kate­gorieteils/teils zugrunde. 2 Auf eine solche Mittelkate­gorie wurde bewusst verzichtet, da Befragte diese gern als Ausflucht nutzen, um sich insbesondere bei heiklen Themen nicht klar positionieren zu müssen. In Kauf zu nehmen ist dabei allerdings, dass Befragte mit tatsächlich neutraler oder ambivalenter Einstellung in weniger pas­sende Antwortkategorien gezwungen werden. Die Ant­wortenweiß nicht oderkeine Angabe, die bei den meisten Fragen ohnehin nur sehr wenige Befragte wähl­ten, blieben aus der Analyse ausgeschlossen. 3 Um die Nähe oder Ferne der Befragten zu den Parteien zu ermitteln, haben wir nach dem Wahlverhalten bei der letzten Bundestagswahl im September 2021 gefragt. 4 Personen, die angaben, ungültig gewählt zu haben, wur­den in der Auswertung den Nichtwähler_innen zugerech­net. Quasipopulistische Einstellungen wurden als Zustim­mung(voll und ganz odereher) zu dem ItemDie Bürger sind sich oft einig, aber die Politiker verfolgen ganz andere Ziele operationalisiert. 5 Eine allgemeine Positionierung auf der Links-rechts-Achse wurde auf ei­ner elfstufigen Skala erhoben. Der Fragebogen enthält sowohl bewährte Messinstru­mente der politischen Kulturforschung(beispielsweise die Frage nach der Zufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie oder nach dem Institutionenvertrauen) als auch neue Messinstrumente wie etwa zur Wirtschafts­und Sozialpolitik, zur Klimapolitik oder aus den Bereichen Wissenschaftsskepsis und Verschwörungsglauben. METHODIK Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung wahlberechtigter Deutscher ab 18 Jahren in Privathaus­halten. Die Umfrage fand als Mixed-Mode-Befragung statt, das heißt, es wurde eine telefonische Befragung (computergestützte Telefonumfrage CATI) mit einer On­line-Umfrage kombiniert. Für die telefonische Befragung wurden zu 60 Prozent Festnetz- und zu 40 Prozent Mobil­funknummern angerufen. Der Erhebungszeitraum lag vom 11. Juli bis 9. August 2022. Durchgeführt hat die Befragung wie schon 2019 das Berliner Meinungsfor­schungsinstitut Infratest dimap unter Leitung von Rober­to Heinrich und Nico Siegel. Die repräsentative Zufallsstichprobe umfasst 2.536 Be­fragte(1.658 Telefoninterviews und 878 Online-Inter­views). Wir haben uns bewusst für eine so große Stich­probe entschieden, um auch in regionaler Hinsicht mög­lichst repräsentative Befunde zu erlangen. Als Regionen werden unterschieden: Ostdeutschland(neue Länder ein­2 Frage nach der subjektiven Bewertung der Demokratieent­wicklung weicht davon ab(Hat sich der Zustand der Demokratie in Deutschland Ihrer Meinung nach in den letzten Jahren deutlich verbessert, eher verbessert, weder verbessert noch verschlechtert, eher verschlechtert, deutlich verschlechtert?). Hier konnten die Befragten auch die Mittelkategorieweder verbessert noch ver­schlechtert auswählen. 3 Ausnahme stellt die Fragenbatterie mit gegensätzlichen Aus­sagen zum Föderalismus dar. Hier wählten einmal 13 und einmal 18 Prozent der Befragten eine entsprechende Antwort. Auch bei den Fragen nach der Wahlentscheidung bei der Bundestagswahl 2021, dem Haushaltseinkommen und der Bewertung von Urwahlen lag die Zahl derjenigen, die keine Antwort gaben, leicht über der Zehnprozentmarke. 4 Problem möglicher Verzerrungen bei der Erinnerung des Wahl­verhaltens vgl. Schoen/Kaspar(2009). 5 wird üblicherweise mit einer Kombination von mehreren Items gemessen. Um den Fragebogen nicht ausufern zu lassen, haben wir uns hier auf ein Item beschränkt, das alle Elemente des Populismus(Anti-Establishment-Orientierung, Volkssouveränität und Antipluralismus) zumindest berührt, und den abgeschwächten Be­griffquasipopulistisch verwendet.