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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
Entstehung
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DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 15 alten Bundesrepublik der Norden mit 63 Prozent am bes­ten abschneidet. SOZIALES VERTRAUEN IN VERSCHIEDENEN SOZIALEN GRUPPEN Politisch sehr Interessierte haben ein höheres Vertrauen als wenig oder gar nicht Interessierte(62 gegenüber 46 Prozent) und in der politischen Selbsteinstufung wei­sen die gemäßigt links eingestellten Wähler_innen den höchsten Wert auf(72 Prozent). Bezieht man die Partei­präferenz mit ein, verzeichnen die Grünen-Wähler_innen einen noch höheren Wert(77 Prozent), während die AfD­Wähler_innen und die Nicht- bzw. Ungültig-Wähler_in­nen mit jeweils 38 Prozent die Schlusslichter bilden. WER MENSCHEN VERTRAUT, VERTRAUT AUCH POLITISCHEN INSTITUTIONEN Wie erwartet gibt es eine Korrelation mit anderen Ver­trauensvariablen: Im Schnitt etwa 70 Prozent der Befrag­ten, die ein hohes soziales Vertrauen angeben, vertrauen auch den politischen Institutionen und sind mit der De­mokratie zufrieden. ZUKUNFTSVERTRAUEN Die Frage, ob es künftigen Generationen in Deutschland besser oder schlechter gehen werde als heute, wurde 2022 deutlich negativer beantwortet als drei Jahre zuvor. Waren es 2019 knapp zwei Drittel, so blicken jetzt mehr als vier Fünftel pessimistisch in die Zukunft. Dabei gibt es keine großen Unterschiede zwischen West- und Ost­deutschland. Innerhalb Westdeutschlands sind die Zu­kunftserwartungen im ökonomisch prosperierenden Sü­den am geringsten. Jüngere Menschen sind tendenziell etwas optimistischer. Bezieht man Bildungs- und Schicht­merkmale mit ein, gibt es dagegen kaum Unterschiede. Ähnliches gilt für politisches Interesse und Einstellungs­merkmale. Berücksichtigt man die Parteipräferenz, sind die SPD-Anhänger_innen mit 71 Prozent am wenigsten skeptisch, bei den Nicht- und Ungültig-Wähler_innen ist der Wert mit 86 Prozent am höchsten, gefolgt von den AfD-Wähler_innen und den Wähler_innen sonstiger Par­teien(jeweils 84 Prozent). WENIGER VERTRAUEN IN DIE ZUKUNFT Engere Zusammenhänge bestehen auch hier wiederum mit den anderen Vertrauensvariablen. Dies gilt insbesondere für die subjektive Demokratieentwicklung. 39 Prozent derjeni­gen, die hier eine Verbesserung konstatieren, weisen auch ein hohes Zukunftsvertrauen auf. Erwartbar war zugleich, dass diejenigen, die einen schwindenden Zusammenhalt in der Gesellschaft beklagen, skeptischer in die Zukunft bli­cken. Abgeschwächt gilt das auch für diejenigen, die sich wegen der Zuwanderung Sorgen machen. Bei beiden Vari­ablen liegen die Werte bei 82 Prozent. Eine Mehrheit fürchtet sich nicht vor den mit Zuwanderung verbundenen Veränderungen Bei den Entwicklungen, die den Menschen Sorgen ma­chen, liegen der Klimawandel und die wachsende Feind­seligkeit mit jeweils 80 Prozent Zustimmung an der Spitze, gefolgt von wachsender Kriegsgefahr, einer Verschlechte­rung der sozialen Sicherung und einer lang anhaltenden Inflation, die von jeweils 74 Prozent angeführt werden. Dass der Wohlstand abnimmt, bereitet 64 Prozent der Bürger_innen große oder sehr große Sorgen; immerhin 36 Prozent sehen das aber nicht so. Zwei Drittel sorgen sich vor einer weiteren Zunahme des Rechtsextremismus. Keine mehrheitliche Zustimmung erfährt dagegen die Aussage, unsere Gesellschaft verändere sich durch die Zu­wanderung zu stark: 55 Prozent machen sich hierüber we­Abbildung 2 ZUKUNFTSVERTRAUEN: Wird es in Deutschland künftigen Generationen alles in allem... gehen als heute?(in%) wesentlich besser etwas besser etwas schlechter wesentlich schlechter n= 2.310 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 13,7 35,1 2,3 48,9