DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 55 Abbildung 45 REGIONALE VERBREITUNG VON VERSCHWÖRUNGSDENKEN während der Coronapandemie: Das Coronavirus ist eine Biowaffe, die absichtlich entwickelt wurde, um Menschen zu schaden.(in%) 100 90 80 70 60 70,5 50 40 30 20 15,5 10 6,5 7,5 0 Nord n= 2.382 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 1 1 53,1 55.4 63,9 1 23,1 23,9 1 21,5 9,9 12,5 13,9 7,9 8,2 6,7 Ost Süd West stimme eher nicht zu stimme überhaupt nicht zu stimme eher zu stimme voll und ganz zu Insgesamt stimmen jedoch 40 Prozent der Befragten mindestens einer der beiden Aussagen zu, 13 Prozent glauben sogar an beide pandemiebezogenen Verschwörungserzählungen. Ein Blick auf die regionale Verbreitung zeigt, dass pandemiebezogenes Verschwörungsdenken im Süden und Osten der Republik deutlich mehr verbreitet ist als im Norden. Der Aussage, die Regierung habe die Menschen während der Covid-19-Pandemie gezielt in Angst versetzt, stimmen in den ost- und süddeutschen Bundesländern je über 40 Prozent der Menschen zu, in den norddeutschen Bundesländern Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein nur 28 Prozent. Auch die Aussage, beim Coronavirus handele es sich um eine Biowaffe, findet im Osten und Süden größeren Zuspruch als im Norden. Das nimmt nicht wunder, gehörten doch sowohl Sachsen als auch Baden-Württemberg zu den Hochburgen der Anti-Corona-Bewegung. Auch die Mitgliedschaft in coronaskeptischen Telegram-Kanälen ist dort überproportional hoch(vgl. Frei/Nachtwey 2021). Determinanten von Corona-Verschwörungsdenken Ein höheres Alter sowie eine höhere formale Bildung hemmen den Glauben an pandemiebezogene Verschwörungserzählungen. Personen, die Probleme haben, ihre laufenden Ausgaben zu decken, weisen dagegen eine höhere Anfälligkeit auf. Unter diesen Befragten stimmen sechs von zehn der Aussage(eher) zu, die Regierung habe die Bevölkerung während der Coronakrise mit Absicht in Angst versetzt, und 37 Prozent halten das Coronavirus für eine Biowaffe. Die Zustimmungsraten bei den übrigen Befragten liegen um 24 bzw. 28 Prozentpunkte niedriger. Ein ähnliches Bild lässt sich mit Blick auf das Einkommen beobachten. Dies stützt Erkenntnisse früherer Studien, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Sorgen(zum Beispiel der Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren) und pandemiebezogenem Verschwörungsdenken fanden(vgl. Bruder/Kunert 2021). ALTER UND BILDUNG SCHÜTZEN VOR VERSCHWÖRUNGSDENKEN Pandemiebezogenes Verschwörungsdenken und Vertrauen Zugleich besteht ein negativer Zusammenhang zwischen politischem Vertrauen 25 und pandemiebezogenem Verschwörungsdenken. Der Effekt wirkt in beide Richtungen. Misstrauen in die politischen Institutionen kann einerseits eine Ursache für eine größere Anfälligkeit für Verschwörungserzählungen sein. Andererseits schmälert der Glaube an die Verwicklung der Regierung in eine Verschwörung das Vertrauen in die politischen Eliten und Institutionen. Während von den Befragten mit einem hohen Institutionenvertrauen lediglich neun Prozent die Ansicht vertreten, die Regierung habe die Bevölkerung während der Coronakrise mit Absicht in Angst versetzt, um Grundrechtseinschränkungen durchzusetzen, sind es unter den Befragten mit geringem politischem Vertrauen mehr als drei Viertel (76 Prozent) – eine Differenz von 67 Prozentpunkten! Unter Befragten mit einem mittleren Vertrauensniveau ist immerhin noch knapp ein Drittel für diese Verschwörungserzählung empfänglich. Auf insgesamt niedrigerem Niveau zeigt sich dieser Zusammenhang auch bei dem Verschwörungsdenken, das Coronavirus sei eine Biowaffe. Impfstatus und Corona-Verschwörungsdenken Pandemiebezogenes Verschwörungsdenken ist unter Ungeimpften stärker verbreitet als unter Geimpften. Wer die Warnungen der Regierung vor dem Virus für übertrieben hält und dahinter in Wirklichkeit ganz andere Ziele ver25 Messung des politischen Vertrauens wurde ein additiver Index aus dem Vertrauen in die Bundesregierung, den Bundestag, das Bundesverfassungsgericht, die EU-Kommission und die Medien gebildet.
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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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