FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG – DEMOKRATIEVERTRAUEN IN KRISENZEITEN 64 Befragte glauben an mind. 1 Verschwörungserzählung Abbildung 58 VERSCHWÖRUNGSDENKEN UND BEURTEILUNG VON DEMOKRATIEREFORMEN: Vetoinitiative(in%) 100 7,1 90 14,4 80 70 32,6 60 50 40 30 46 20 10 0 Verschwörungsgläubige 15,8 34,6 31,8 17,7 Nicht-Verschwörungsgläubige n= 2.142 Quelle: Umfrage FES/Universität Bonn 2022 ziemlich gut geeignet weniger gut geeignet sehr gut geeignet überhaupt nicht geeignet ne zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen genutzt. Die Politik brachte deshalb eine Regulierung von Telegram ins Spiel. Wie stehen die Bürger_innen zu diesem Vorschlag? Über zwei Drittel(68 Prozent) befürworten ihn. 68 PROZENT BEFÜRWORTEN EINE REGULIERUNG VON TELEGRAM Auch wenn die Zustimmung unter den über 65-Jährigen mit 80 Prozent größer ausfällt als unter den Jüngeren, heißt selbst in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen eine Mehrheit von 66 Prozent regulatorische Maßnahmen gut. Auf Ablehnung stoßen diese unter anderem bei den Ungeimpften(68 Prozent) und Befragten, die bei der vergangenen Bundestagswahl der AfD ihre Stimme gegeben haben(72 Prozent). Die Anhänger_innen aller anderen Parteien unterstützen den Vorschlag mehrheitlich, wobei die Zustimmung bei SPD- und Grünen-Wähler_innen mit jeweils mehr als 80 Prozent am größten ist. Befragte, die an Verschwörungserzählungen glauben, stehen dem Vorschlag erwartungsgemäß reservierter gegenüber, doch auch in dieser Gruppe unterstützt eine Mehrheit die Idee: So liegt die Zustimmung bei Menschen, die an mindestens eine der fünf abgefragten Verschwörungserzählungen glauben, bei 61 Prozent(gegenüber 77 Prozent unter den übrigen Befragten). Wissenschaftsfeindliche Einstellungen während der Coronapandemie Wissenschaftsfeindliche Einstellungen sind in der deutschen Bevölkerung lediglich schwach vertreten, was sich mit dem in Teil B dokumentierten hohen Vertrauen in die Wissenschaft deckt. So stimmt jeweils eine große Mehrheit von über 80 Prozent folgenden Aussagen zu:„Man sollte Experten glauben, wenn sie sagen, dass das Virus gefährlich ist“ und„So wie bei der Coronapandemie sollte die Politik auch in anderen Fragen mehr auf die Wissenschaft hören“. Alter hat einen hemmenden Effekt. Menschen mit niedriger formaler Bildung sowie solche, die sich selbst der Unter- oder Arbeiter_innenschicht zuordnen, sind eher wissenschaftsfeindlich eingestellt. Zudem hängt eine solche Haltung stark positiv mit Verschwörungsglauben zusammen und ist entsprechend auf der rechten Seite des politischen Spektrums häufiger anzutreffen als auf der linken. Wie zu erwarten sind das Coronavirus verharmlosende Positionen unter Ungeimpften stärker verbreitet als unter Geimpften: Eine Mehrheit der Ungeimpften(57 Prozent) lehnt die Aussage„Man sollte Experten glauben, wenn sie sagen, dass das Virus gefährlich ist“ ab(von den Geimpften nur 13 Prozent). Während von allen Befragten 90 Prozent der Ansicht sind, die Politik solle auch in anderen Fragen mehr auf die Wissenschaft hören, sind es unter den Ungeimpften nur 55 Prozent – immerhin noch eine knappe Mehrheit. AfDWähler_innen sind gegenüber der Wissenschaft deutlich kritischer eingestellt als die Anhänger_innen der übrigen Parteien, obwohl sie beiden Aussagen ebenfalls mehrheitlich zustimmen. Coronaskeptisch eingestellte Befragte sind mit der Coronapolitik deutlich unzufriedener: Lediglich 16 Prozent der Befragten, die der Aussage widersprechen, man solle Expert_innen glauben, das Coronavirus sei gefährlich, sind mit der Arbeit der Politik in der Coronakrise ganz oder überwiegend zufrieden. Befragte mit einer coronaskeptischen Haltung zeigen sich ferner in stärkerem Maße allgemein unzufrieden mit der Demokratie und vertreten eher die Ansicht, der gesellschaftliche Zusammenhalt sei zurückgegangen.
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Demokratievertrauen in Krisenzeiten : wie blicken die Menschen in Deutschland auf Politik, Institutionen und Gesellschaft?
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