zeigt eine ambivalente Herangehensweise an den Integrationsprozess, indem sie einerseits die Europäisierung feiert, andererseits die bisherigen national determinierten Machtverhältnisse und Strukturen unberührt lassen möchte. Es ist das Verdienst von beiden hier besprochenen Büchern, uns diese Widersprüchlichkeit innerhalb der Gewerkschaftsbewegung aufzuzeigen. Während sich Rüb eher an ein wissenschaftlich versiertes und interessiertes Publikum wendet, möchten Scholz et al. einen politischen Standpunkt verdeutlichen und innerhalb der Gewerkschaften einen Europadiskurs anstoßen. Verstärkt sollten die Möglichkeiten einer offensiven europapolitischen Strategie der Gewerkschaften diskutiert werden – nicht nur in Deutschland, sondern in allen Mitgliedstaaten der Union. Viel umfassender als bislang muss das soziale Europa in diesem Kontext konkretisiert und als übergeordnetes Ziel in der Strategie der Gewerkschaften sowie bei den Funktionären und Mitgliedern verankert werden. Hier zeigt sich ein spannendes Diskurs- und Forschungsfeld, das an Relevanz gewinnen wird, solange die eu eine Asymmetrie zwischen ökonomischer und sozialer Integration aufweist. Björn Hacker, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin SEBASTIAN DULLIEN/ HANSJÖRG HERR/ CHRISTIAN KELLERMANN: Der gute Kapitalismus … und was sich dafür nach der Krise ändern müsste Bielefeld 2009 Transcript, 242 S. B ücher über die internationale Finanzkrise füllen inzwischen ganze Regale. Es fällt Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen erkennbar schwer, das Jahrhundertereignis unkommentiert zu lassen. Nicht immer tragen die Verlautbarungen indes zur Aufklärung bei – und wenn sich schon Händler an der Frankfurter Börse berufen fühlen, über Wirtschaftspolitik zu schreiben, liegt der Verdacht nahe, dass sich am Markt für Krisenliteratur eine Blase herausbildet. Sebastian Dullien, Hansjörg Herr und Christian Kellermann haben nun ein weiteres Buch zur Krise vorgelegt. Es hebt sich in vielerlei Hinsicht positiv von der Masse ab. Während die meisten Autoren klare Schlussfolgerungen meiden, werden Dullien, Herr und Kellermann an den entscheidenden Stellen konkret. Ihre Analyse ist klar, durch empirische Daten gestützt und nachvollziehbar – und fördert immer wieder überraschende Einsichten zu Tage. Das Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die die tieferen Ursachen der Misere verstehen wollen und auf der Suche nach Alternativen zur Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre sind. Zentrale These der Autoren ist, dass der Ursprung der Finanzkrise nicht nur in der laxen Regulierung der Finanzmärkte, sondern in falschen – aber im Prinzip 128 Rezensionen/Book Reviews ipg 1/2010
Rezension
[Rezension von: Der gute Kapitalismus / Sebastian Dullien, Hansjörg Herr, Christian Kellermann, 2009]
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