Einige der Positionen dürften vor allem im linken Lager auf Skepsis stoßen. So argumentieren Dullien, Herr und Kellermann, dass ein modernes Finanzwesen über die Schöpfung von Kredit Wachstum und Wohlstand befördert.»In einer Geldwirtschaft mit funktionierendem Finanzsystem ist es nicht notwendig, dass vor Investitionen Ersparnisse gebildet werden. Investitionen schaffen vielmehr durch die angeregte Einkommensbildung eben jene Ersparnisse.« Es könne deshalb nicht darum gehen, ein minimalistisches Kreditgewerbe oder eine Welt ohne Schulden anzustreben. Auch zeigen sie, wie die Liberalisierung von Märkten für Produkte und Dienstleistungen, zum Beispiel im Telekommunikationssektor, die Innovationskraft fördern kann. Wachstumskritik wird man in dem Buch vergeblich suchen. Derlei Tabubrüche machen allerdings den Reiz des Buches aus. Man kann »Der gute Kapitalismus« als Manifest für eine moderne sozialdemokratische Politik lesen, als ein Plädoyer dafür, die Dynamik der Marktkräfte für den Menschen nutzbar zu machen – statt sich ihnen zu unterwerfen oder sie zu ersticken. Mark Schieritz, Die Zeit, Frankfurt ABRAHAM F. LOWENTHAL/ THEODORE J. PICCONE/ LAURENCE WHITEHEAD(Hrsg.): The Obama Administration and the Americas. Agenda for Change Washington d.c. 2009 The Brookings Institution Press, 234 S. E s waren versöhnliche Töne, die Präsident Obama im April 2009 in seiner Rede beim Amerikagipfel in Trinidad und Tobago anschlug: ein»Neuanfang« mit Kuba, eine»Partnerschaft auf Augenhöhe« mit der Region Lateinamerika und außerdem»shake hands« mit Chávez, dem schärfsten Kritiker der usa . Erleben wir also derzeit die ersten Anzeichen einer Wende in Washingtons Lateinamerikapolitik oder war die medial inszenierte Freundschaftsoffensive rein symbolischer Natur? Ein Plädoyer für eine umfassende Politik des»Wandel[s] durch Annäherung« hat The Brookings Institution, einer der führenden Think Tanks der usa , mit dem Sammelband»The Obama Administration and the Americas. Agenda for Change« vorgelegt. Die Autoren zeichnen darin ein hoffnungsvolles Bild einer neuen Partnerschaft zwischen den usa und den lateinamerikanischen sowie karibischen Ländern. Die usa können noch immer einen bedeutenden Einfluss auf die Art der demokratischen Entwicklung in Lateinamerika haben – so der Tenor der Beiträge –, wenn sie geduldig sind, multilateral agieren und ihre Herangehensweise auf die Heterogenität der Region und der Probleme abstimmen. ipg 1/2010 Rezensionen/Book Reviews 131
Rezension
[Rezension von: The Obama administration and the Americas / Abraham F. Lowenthal, Thoedore J. Piccone, Laurence Whitehead (Hrsg.), 2009]
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