Die Macht am Nordpol. Warum ein Krieg wahrscheinlich ist SINAH MARX W em gehört der Nordpol? Diese Frage kann unterschiedlich beantwortet werden. Eine Antwort kann beispielsweise lauten:»dem, der ihn sich nimmt«. Auch»dem, dem er zugesprochen wird« lautet eine mögliche Reaktion. Während die erste Antwort auf eine faktische Handlung der Aneignung hindeutet, verlangt die zweite nach einem juristischen Zueignungsakt. Die Beantwortung kann also einerseits auf der Basis von machtpolitischen Erwägungen oder andererseits auf Grundlage rechtlicher Vereinbarungen erfolgen. Der Konflikt zwischen Macht und Recht als zwei regulierenden Prinzipien der internationalen Politik wird gemeinhin mit den beiden dominierenden Theorien dieses akademischen Feldes – Realismus und Idealismus – assoziiert. Wann immer sich neue Regulierungsfragen in der internationalen Politik stellen, wird die Unterscheidung virulent – so auch bei der Problematik der völkerrechtlichen Zuordnung der nördlichen Polargebiete. Es war langjährige Staatenpraxis, auf den nordpolaren Meeresboden außerhalb des Festlandsockels keine Ansprüche zu erheben. Der Nordpol gehörte»niemandem«, das Nordpolarmeer war in weiten Teilen»Mare Liberum«. Ohne dass über die Zugriffsrechte entschieden worden wäre, wird nun absehbar, dass eingelagerte Rohstoffe durch den Klimawandel abbaubar werden. Das birgt ein hohes Konfliktpotenzial. Warum der Nordpol interessant ist Global Warming führt dazu, dass die Polkappen schmelzen. Der Zeitpunkt, den Studien für eine eisfreie Arktis angeben, wird stets nach unten korrigiert. Damit ist der Startschuss für das Rennen um territoriale Hoheit gegeben. Im Völkerrecht und im politischen und wirtschaftlichen Alltagsgeschäft wird einem Staat die ausschließliche Nutzung der Rohstoffe und Bodenschätze zugesprochen, die sich auf seinem Hoheits96 Marx, Die Macht am Nordpol ipg 1/2010
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