dikator im Osten keine Signifikanz aufweist. Umgekehrt scheint eine hohe Kaufkraft im Westen zu einem geringeren Zuwachs der AfD-Stimmen zu führen. Im Osten zeigt das Modell dagegen bei der Kaufkraft sogar einen positiven Zusammenhang mit dem Stimmenzuwachs. Gegensätzliche Signifikanzen im demografischen Bereich lassen zudem vermuten, dass die AfD in den beiden Landesteilen unterschiedliche Wähler_innengruppen anspricht und mobilisieren konnte. So korreliert ein hoher Jugendquotient im Osten mit einem geringeren AfD-Zuwachs. In Westdeutschland ist es nach dem Modell umgekehrt. Demnach stützt sich der Zuwachs dort auch auf jüngere Altersgruppen. Zudem zeigt sich, dass der Frauenanteil in Westdeutschland einen deutlich dämpfenden Effekt auf den Stimmenzuwachs der AfD haben könnte, während dieser im Osten nicht signifikant ist. Auffällig sind außerdem die ausschließlich in Ostdeutschland signifikant negativen Koeffizienten von Migrationsanteil und Bevölkerungsdichte, die auf dämpfende Effekte einer urbaneren und diverseren Bevölkerungsstruktur hindeuten. Zusammenfassend lässt sich für die Daseinsvorsorge auch hier festhalten, dass eine gut ausgebaute soziale Infrastruktur, Bildung sowie digitale Anbindung den Zuwachs der AfD in Deutschland signifikant zu dämpfen scheinen. Wirtschaftliche Unsicherheiten wie hohe Arbeitslosigkeit und industriegeprägte Strukturen begünstigen dagegen Zuwächse der AfD. Dabei ist zu beachten, dass diese Einflussfaktoren in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Im Osten spielen eher Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Räumen eine zentrale Rolle, während im Westen wirtschaftliche Ängste und demografische Faktoren stärker ins Gewicht fallen. Diese Befunde unterstreichen damit die Bedeutung regional differenzierter Strategien zur Demokratiefestigung und Eindämmung rechtspopulistischer Tendenzen. Einflussfaktoren der Wahlbeteiligung Zusätzlich zu den AfD-Stimmenanteilen wurde auch der Einfluss von Indikatoren der Daseinsvorsorge auf die Wahlbeteiligung bei der BTW 2025 und deren Veränderung gegenüber der BTW 2021 mit zwei weiteren Regressionsanalysen untersucht. Ziel ist die Identifizierung von Aspekten der Daseinsvorsorge, die einen mobilisierenden Effekt für die Teilnahme an demokratischen Wahlen haben. In Abbildung 11 ist der Einfluss der Indikatoren auf die Wahlbeteiligung dargestellt. Das angepasste R² von 0,83 weist hierbei einen hohen Erklärungsgehalt des statistischen Modells auf. Getrennte Modelle für Ost- und Westdeutschland sind in ihrem erklärenden Gehalt allerdings weniger aussagekräftig. Auf die Darstellung der entsprechenden Ergebnisse wird deshalb im Folgenden verzichtet. Es zeigt sich, dass die Variablen Breitbandausbau, Schulabgänger_innen mit Hochschulreife und Kitabetreuungsquote auch mit der Wahlbeteiligung signifikante positive Zusammenhänge aufweisen. Demnach sind eine gute soziale Infrastruktur und ein gutes Bildungssystem als besonders förderlich für die politische Partizipation einzuschätzen. Analog dazu wirken sich schlechte Bildungschancen, ausgedrückt durch eine hohe Zahl an Schulabgänger_innen ohne Abschluss, hemmend auf die Wahlbeteiligung aus. Weiterhin zeigt die Regressionsanalyse, dass eine höhere Anzahl an Straftaten signifikant mit einer geringeren Wahlbeteiligung verbunden ist. Daraus könnte sich schließen lassen, dass in Regionen mit hoher Kriminalität das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat und die Politik sinkt – wobei höhere Kriminalitätsraten pro Kopf eher in urbanen Räumen zu finden sind, in denen die Wahlbeteiligung tendenziell höher ist. Aufgrund der schwierigen Messbarkeit der inneren Sicherheit sind diese Zusammenhänge insgesamt mit Vorsicht zu interpretieren. Der negative Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Pflegeheimplätzen und der Wahlbeteiligung lässt sich, wie oben bereits erläutert, teilweise durch den Zusammenhang zwischen demografischer Überalterung und Demokratiezufriedenheit erklären. Daneben sind wirtschaftliche Aspekte von großer Relevanz. Aus der Analyse lässt sich erkennen, dass eine bessere ökonomische Situation mit einer höheren Wahlbeteiligung einhergeht. So korreliert zum einen die Kaufkraft signifikant positiv mit der Wahlbeteiligung. Zum anderen weisen Regionen mit einer höheren Arbeitslosigkeit, aber auch Regionen mit einer höheren Industriequote eine deutlich niedrigere Wahlbeteiligung auf. Wirtschaftliche Unsicherheiten und strukturelle Herausforderungen scheinen somit die Motivation zur Wahlteilnahme negativ zu beeinflussen. Es lassen sich zudem klare Muster im Zusammenhang mit räumlichen Strukturen und Demografie erkennen. Insbesondere in Ostdeutschland sowie in dünn besiedelten ländlichen Räumen ist die Wahlbeteiligung signifikant niedriger. Im Gegensatz dazu sind Großstädte durch eine deutlich höhere Beteiligung gekennzeichnet. Zudem besteht ein negativer Zusammenhang zwischen dem Altenquotienten sowie dem Anteil ausländischer Bevölkerung und der Wahlbeteiligung. Im Gegensatz zum Regressionsmodell der Wahlbeteiligung weist die Analyse zur Veränderung der Wahlbeteiligung mit einem angepassten R² von 0,43 eine vergleichsweise geringe Erklärungsleistung auf. Daraus lässt sich ableiten, dass die hier ausgewählten Variablen den Veränderungstrend nicht hinreichend beschreiben können und sich die Ergebnisse daher nur eingeschränkt interpretieren lassen. Durch die insgesamt schwach ausgeprägten Signifikanzen des Regressionsmodells bleibt zu vermuten, dass Aspekte der Daseinsvorsorge und auch strukturelle Faktoren nur eine untergeordnete Rolle für die Dynamik der Wahlbeteiligung spielen. Die dahinter liegenden Motive und Mobilisierungsmechanismen für den Zuwachs können durch das vorliegende Modell nicht ausreichend erklärt werden. Auf eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse wird daher an dieser Stelle verzichtet. 20 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.
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Antidemokratische Wahlerfolge im ungleichen Deutschland : demokratiestützende Aspekte der Daseinsvorsorge
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