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Antidemokratische Wahlerfolge im ungleichen Deutschland : demokratiestützende Aspekte der Daseinsvorsorge
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Fazit: Wie kann regionale Daseinsvorsorge zur Demokratiefestigung beitragen? Die Ergebnisse der verschiedenen statistischen Analysen zeigen für Deutschland ein durchaus komplexes Verhältnis zwischen Elementen der Daseinsvorsorge, ungleichen Le­bensverhältnissen und den Wahlerfolgen der AfD bzw. der allgemeinen Wahlbeteiligung. Wenig überraschend ist die AfD vor allem in Ostdeutschland stark und dort vor allem in ländlichen strukturschwachen Kreisen. Betrachtet man die Entwicklung der AfD-Stimmenanteile zwischen den Bundestagswahlen 2021 und 2025, so waren die Zugewin­ne zwar ebenfalls in Ostdeutschland am stärksten, aber auch in Westdeutschland konnte die Partei deutlich hinzu­gewinnen und das nicht allein in strukturschwachen Krei­sen und kreisfreien Städten, sondern auch in Räumen, die sich am ehesten der soliden(ländlichen) Mitte oder den wohlhabenden Umlandkreisen zuordnen lassen. Die Ergeb­nisse zur Wahlbeteiligung spiegeln die Ergebnisse zu den AfD-Zweitstimmenanteilen im Wesentlichen wider, wobei sich Veränderungen in der Wahlbeteiligung nur schwer durch die in dieser Studie verwendeten Indikatoren erklären lassen. Mit Blick auf die unterschiedlichen Dimensionen der Da­seinsvorsorge wird deutlich, dass vor allem Indikatoren aus den Bereichen Information und Kommunikation(Breit­bandausbau), Bildung(Schulabgänger_innen mit Hoch­schulreife) und Soziales(Kitabetreuungsquote) einen signi­fikanten Zusammenhang mit AfD-Stimmenanteilen und der Wahlbeteiligung aufweisen. Die Zusammenhänge mit den Bereichen Mobilität, Gesundheit, Sicherheit und Ord­nung sind weniger eindeutig. Ein Abgleich der Regressions­ergebnisse mit denen des Gleichwertigkeitsberichts der Bundesregierung ergibt allerdings, dass auch die subjektiv empfundene Zufriedenheit mit der Versorgung mit Fach­ärzt_innen und der ÖPNV-Qualität eine signifikant negati­ve Korrelation mit AfD-Wahlergebnissen aufweist. Beim Daseinsvorsorgebereich Wohnen zeigt sich ein signifikant negativer statistischer Zusammenhang zwischen der Miet­belastungsquote und der Demokratieunzufriedenheit. Dies überschneidet sich mit der Tatsache, dass die Demokratie­unzufriedenheit in struktur- und einkommensschwachen Räumen mit tendenziell niedrigeren Mietpreisen höher ist. Untersuchungen von Abou-Chadi et al.(2024) mit kleinräu­migeren Daten konnten jedoch zeigen, dass ein Anstieg der Mietpreise in der unmittelbaren Nachbarschaft durchaus zu einem Anstieg von Stimmenanteilen von Rechtsaußenpar­teien führen kann. Des Weiteren weisen unsere Regressions- und Korrelations­analysen zum Teil deutliche Unterschiede in den erklären­den Faktoren der Demokratieunzufriedenheit zwischen West- und Ostdeutschland nach. So tragen sozioökonomi­sche Faktoren und der Breitbandausbau im Vergleich ost­deutscher Kreise und kreisfreier Städte deutlich weniger zur Erklärung von AfD-Stimmenanteilen bei als im Westen. Diese Ergebnisse der Regressionsanalyse bestätigen sich in den bivariaten Korrelationsanalysen der subjektiven Zufrie­denheiten nur teilweise. Hier wurden in der Dimension Wirtschaft stärkere Zusammenhänge mit den AfD-Ergeb­nissen im Osten festgestellt. Unterschiede zwischen objek­tiv messbaren sozioökonomischen Indikatoren und der sub­jektiven Wahrnehmung der wirtschaftlichen Situation scheinen somit im Osten eine Rolle zu spielen. Die Korrelationsanalysen auf Grundlage der Ergebnisse des Gleichwertigkeitsberichts zeigen zudem, dass die ver­fügbaren objektiven Indikatoren der Daseinsvorsorge die tatsächliche Zufriedenheit der Menschen vor Ort mit den unterschiedlichen Daseinsvorsorgekategorien in Teilen nur unzureichend abbilden. Dies wird insbesondere bei der Fachärzt_innendichte deutlich, die keine relevanten Zu­sammenhänge mit der subjektiven Bewertung der fach­ärztlichen Versorgung vor Ort aufweist. Andere im Gleich­wertigkeitsbericht abgefragte Aspekte, wie das Vorhan­densein lebendiger Ortszentren, können durch klassische regionalstatistische Indikatoren kaum erfasst werden, scheinen aber einen hohen erklärenden Gehalt bezüglich der räumlichen Ausprägung von Demokratie(un)zufrieden­heit zu besitzen. Wie also können Ansätze zur Stärkung der Daseinsvorsor­ge und allgemeine strukturpolitische Maßnahmen demo­kratiestützend eingesetzt werden und helfen, rechtspopu­listischen und extremistischen Parteien wie auch Bewegun­gen den Nährboden zu entziehen? Auf Grundlage der oben dargelegten Ergebnisse lässt sich eine Reihe von Hand­lungsempfehlungen ableiten: 1. Schulen und Bildungsinfrastrukturen stärken: Der An­teil der Schulabgänger_innen mit Hochschulreife und mit Abstrichen auch der Anteil an Bildungsverlierer_in­nen ohne Schulabschluss zeigen sich in unseren Analy­sen als verlässliche Determinanten der Demokratie(un)­zufriedenheit. Bildung ist nicht nur eine wichtige Voraus­setzung für die ökonomische Zukunftsfähigkeit von Regionen und die Zukunftsperspektiven der lokalen Be­völkerung, insbesondere politische Bildung trägt auch auf direktem Weg zur Erhöhung der Partizipation und zur Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gegenüber Antidemokratische Wahlerfolge im ungleichen Deutschland 27