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Antidemokratische Wahlerfolge im ungleichen Deutschland : demokratiestützende Aspekte der Daseinsvorsorge
Entstehung
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Objektive vs. subjektive Indikatoren von Daseinsvorsorge und sozioökonomischen Disparitäten Wie eingangs erwähnt, sollen neben den objektiv messba­ren Indikatoren der Regressionsmodelle auch die subjekti­ven Einschätzungen der Bevölkerung im Zusammenhang mit antidemokratischen Wahlerfolgen untersucht werden. Dies geschieht zum einen mit dem Wissen, dass Wahlent­scheidungen deutlich subjektiver und vielschichtiger sind, als es die Indikatoren der Regressionsmodelle im vorange­gangenen Kapitel abbilden können, und zum anderen, um die Übereinstimmung der Indikatoren mit der subjektiven Einschätzung der Bevölkerung abzugleichen. Hierfür wird auf die im Rahmen des Gleichwertigkeitsberichts stattge­fundene Bevölkerungsumfrage der Bundesregierung zu­rückgegriffen(BMWK 2024). In dieser wurden im Oktober und Dezember 2023 Bürger_innen in allen Kreisen und kreisfreien Städten zu ihrer Wahrnehmung der gleichwerti­gen Lebensverhältnisse befragt. Dabei unterteilen sich die Fragen in vier Dimensionen: Wirtschaft, Gesellschaft, Infra­struktur& Daseinsvorsorge sowie Klima& Umwelt. Im Hin­blick auf den thematischen Fokus des Projekts sowie die Ergebnisse der Regressionsmodelle werden im Folgenden ausschließlich die Dimensionen Wirtschaft und Infrastruk­tur sowie Daseinsvorsorge beleuchtet. 5 Die Umfragedaten des Gleichwertigkeitsberichts stehen in einer dreistufigen Ordinalskala zur Verfügung, die die Ein­schätzungen der Bevölkerung auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte relativ zum Durchschnitt aller Befragten setzt. In einem vorbereitenden Schritt werden die einzelnen Skalen teilweise direktional angepasst, sodass die Zustim­mungswerte für alle Fragen einheitlich wie folgt zu inter­pretieren sind: 1= unterdurchschnittliche Zufriedenheit 2= durchschnittliche Zufriedenheit 3= überdurchschnittliche Zufriedenheit Aufgrund der sehr groben ordinalen Skalierung 6 sind die Zufriedenheitswerte nur sehr bedingt für die Verwendung in Regressionsmodellen geeignet. Stattdessen wurden Rangkorrelationskoeffizienten nach Spearman 7 berechnet, um die Beziehungen der subjektiven Einschätzungen mit den Zweitstimmenanteilen der AfD(BTW 2025) sowie den objektiven Indikatoren der Regressionsmodelle zu untersu­chen. Die Korrelationskoeffizienten sind in den Tabellen 3 und 4 angegeben und haben ein Signifikanzniveau von fünf Prozent, das heißt, dass wir zu 95 Prozent sicher sein können, dass der statistische Zusammenhang nicht nur zu­fällig besteht. Nicht signifikante Korrelationskoeffizienten sind nicht dargestellt. Wie schon bei den Regressionsmo­dellen ermöglichen auch bivariate Korrelationen keine Aus­sagen über Kausalitäten, sondern geben lediglich Hinweise auf mögliche Zusammenhänge. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass sich die Zufriedenheit der Bevölkerung im Zeitraum zwischen der Umfrage des Gleichwertigkeits­berichts und der BTW 2025 verändert hat. Neben dieser zeitlichen Einschränkung stellt auch die räumliche Ebene eine mögliche Limitation für die Aussagekraft der Korrela­tionsanalysen dar. So können zum einen keine Unterschie­de der subjektiven Zufriedenheiten innerhalb von kreisfrei­en Städten und Kreisen abgebildet werden. Zum anderen ist das subjektive Verständnis der Befragten für ihre Region möglicherweise nicht deckungsgleich mit den administrati­ven Grenzen. Nichtsdestotrotz stellen die Befragungsergeb­nisse des Gleichwertigkeitsberichts die aktuellste und klein­räumigste uns bekannte Erhebung der subjektiven Zufrie­denheit im Bereich Daseinsvorsorge für das gesamte Bundesgebiet dar. Die abgefragten Zufriedenheitswerte in der Dimension Wirtschaft zeigen insgesamt leichte Zusammenhänge bzw. Korrelationen zu den Zweitstimmenanteilen der AfD. Dabei ist augenscheinlich, dass die Korrelationsstärken, mit Aus­nahme der Zufriedenheit mit der eigenen beruflichen regio­nalen Perspektive, im Osten größer sind(siehe Tabelle 3). Hier ist insbesondere die Einschätzung der allgemeinen wirtschaftlichen Situation mit einem Koeffizienten von –0,54 negativ mit den Zweitstimmenanteilen der AfD kor­reliert. Somit geht eine negativere Einschätzung der allge­meinen wirtschaftlichen Situation durch die Befragten mit höheren Wahlerfolgen der AfD einher. Im Westen ist dies mit einem Koeffizienten von –0,25 deutlich weniger ausge­prägt. Dabei zeigen sich im Westen nur geringe Unterschie­5  In den Dimensionen Gesellschaft und Natur& Umwelt korreliert die überwiegende Zahl der abgefragten subjektiven Einschätzungen nicht oder nur leicht mit den Wahler­gebnissen der AfD. 6  Das heißt, in diesem Kontext, dass die verschiedenen Antwortmöglichkeiten zwar in einer Reihenfolge von kleiner zu größer geordnet sind, aufgrund der wenigen Antwort­möglichkeiten die Unterschiede allerdings eher ungenau gemessen sind. 7  Rangkorrelationskoeffizienten messen Stärke und Richtung von Zusammenhängen zwischen zwei Merkmalen. Ist der Wert positiv, sind hohe Werte des einen Merkmals mit hohen Werten des anderen verbunden. Ist er negativ, gehen hohe Werte des einen mit niedrigen Werten des anderen Merkmals einher. 22 Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.