Operationelles Modell Die Entwicklung der ungarischen Verteidigungsindustrie war bereits einer der sieben Schwerpunktbereiche des„Irinyi“-Plans von 2016, der auf die Förderung einer innovativen wirtschaftlichen Entwicklung abzielt. Dies deutet auch darauf hin, dass die Frage der Entwicklung der Verteidigungsindustrie bereits 2017 entschieden war und als integraler, systemischer Bestandteil des umfassenden militärischen Modernisierungsprogramms angesehen wurde. In den vorangegangenen 25 Jahren bestand die Beschaffung von Verteidigungsgütern meist aus singulären kommerziellen Transaktionen, die höchstens durch begrenzte zivile Kompensation ergänzt wurden. In den 2020er-Jahren war es dagegen üblich geworden, dass die Beschaffung von Verteidigungsgütern bis zu einem gewissen Grad mit der gemeinsamen Herstellung und Montage von Komponenten in Ungarn(Lokalisierung) und im Falle strategischer Partnerschaften sogar mit der gemeinsamen Nutzung von Lizenzen und gemeinsamen Innovationen einherging. Dementsprechend stützt sich die Entwicklung der ungarischen Verteidigungsindustrie auf zwei funktionelle Säulen. Die erste Säule ist die Schaffung von Kapazitäten, die es wert sind, in nationaler Hand zu bleiben, weil sie die kontinuierliche Versorgung der ungarischen Streitkräfte mit militärischer Primärtechnologie und Material sicherstellen. Die zweite Säule, die die erste ergänzt, umfasst den Aufbau von Kapazitäten, die durch die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen auf den Technologietransfer und die Integration ungarischer Firmen in internationale Lieferketten der Verteidigungsindustrie in bestimmten enger gefassten Bereichen abzielen. Auf diese Weise sollen die Exporte der Verteidigungsindustrie und die Einnahmen zu den nationalen Verteidigungsausgaben beitragen. Ein wichtiges Ziel bei der Entwicklung der ungarischen Verteidigungsindustrie – in Bezug auf Technologie, Investitionen und Produktionskapazitäten – ist der Anschluss an internationale Akteure, was auch die Markteintrittskosten für ungarische Unternehmen(und Unternehmen in Miteigentum) senken kann. Darüber hinaus können internationale Akteure, die mit fortschrittlicher Technologie auf den Markt kommen, ungarische Unternehmen in Produktionsketten sowie Forschungs- und Entwicklungsprozesse einbinden und ihnen so ermöglichen, ein technologisches Niveau zu erreichen, das durch eine unabhängige Entwicklung nicht möglich wäre. Um dies zu erreichen, war es notwendig, Joint Ventures als zentrale Akteure der ungarischen Verteidigungsindustrie des 21. Jahrhunderts zu positionieren, in die ungarische Akteure Kapital, Infrastruktur und günstige Produktionsbedingungen(relativ billige und qualifizierte/ausgebildete Arbeitskräfte, staatliche Subventionen und Steuererleichterungen) einbringen, während ausländische Partner serienreife Spitzentechnologie(Hardware und Software) sowie Forschungs- und Entwicklungsperspektiven und international anerkannte Marken bereitstellen. Das beste Beispiel dafür ist die vielfältige Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Rheinmetall, das über seine Tochtergesellschaften zu einem wichtigen Akteur in mehreren Bereichen der ungarischen Verteidigungsindustrie geworden ist. Die bestehenden Rüstungsunternehmen des ungarischen Verteidigungssektors versuchten sich an diesen neuen Vorzeigeprojekten zu orientieren, und dort, wo es keine solchen Unternehmen gab, da der Bereich neu gegründet wurde, mussten neue Unternehmen gegründet werden. In den ersten Jahren der industriellen Entwicklung gab es keine offensichtliche Absicht,„nationale Champions“ im ungarischen Verteidigungssektor zu schaffen, die Schlüsselakteure mit einem breit gefächerten Portfolio und einer herausragenden Rolle sein würden, wie die Polska Grupa Zbrojeniowa(PGZ) in Polen oder die Czechoslovak Group(CSG) in Tschechien. Heute scheint sich dies zu ändern: Bis Oktober 2025 hat die neu gegründete 4iG Space and Defence Technologies Zrt.(4iG SDT) sechs wichtige Unternehmen der Verteidigungsindustrie vollständig oder teilweise übernommen und durch den Ausbau ihrer eigenen Aktivitäten und ihres Partnernetzes auch in der Raumfahrtindustrie in den Bereichen Satellitenherstellung und-kommunikation Fuß gefasst. 2 Durch diese Schritte wurde das Unternehmen in fünf Geschäftsbereichen zu einem führenden Unternehmen in Ungarn: Raumfahrtindustrie, Luftfahrtindustrie, Landsysteme, Herstellung von Waffen und Munition sowie Cyberverteidigung und Digitalisierung der Verteidigung. Auf diese Weise erhielt 4iG SDT die Möglichkeit, das führende Rüstungsunternehmen in Ungarn zu werden und als„nationaler Champion“ aufzutreten, was auch eine Grundlage für die Gewinnung von internationalen Aufträgen bei Fertigung und Entwicklung von Hightech-Produkten in größerem Volumen darstellen könnte. Die Kapazität der Verteidigungsindustrie, die sich um 4iG SDT herum herauskristallisiert, wird daher, was die Eigentumsverhältnisse betrifft, eine gemischte sein und näher am tschechischen Modell des Privateigentums liegen, mit einer zurückhaltenden Rolle des staatlichen Eigentümers. Die Landkarte der Verteidigungsindustrie Was die Anzahl der in der Rüstungsindustrie tätigen Unternehmen betrifft, so ist der ungarische Verteidigungssektor in den letzten zehn Jahren insgesamt um 20% gewachsen: 2015 hatten 496 Unternehmen eine Lizenz für die Rüstungsindustrie, während diese Zahl 2025 auf 600 anstieg. Die Produktionskapazitäten sind in den letzten Jahren in ähnlichem Maße gestiegen(+18%): 2023 verfügten 169 Un2 Nach mehreren Umstrukturierungen und Übertragungen von Unternehmenseigentum und Aufsichtsrechten wurden im Oktober 2025 vier Verteidigungsunternehmen von der N7 Holding, die Elemente der nationalen Verteidigungsindustrie konsolidiert, auf die N7 Defence Zrt. übertragen, an der 4iG SDT eine Mehrheitsbeteiligung von 75%+1 Stimme hält: Aeroplex Kft.(Flugzeugwartung), Arzenál Fegyvergyár Zrt.(Herstellung von Kleinwaffen), Colt CZ Hungary Zrt.(Herstellung von Kleinwaffen) und Rheinmetall Hungary Munitions Zrt.(Munitionsherstellung) wurden Teil von 4iG SDT. Gleichzeitig wurde 4iG SDT durch eine Akquisition Mehrheitsgesellschafter von Hirtenberger Defence Technologies Kft.(Produktion von Mörsern und Munition) und erwarb eine Minderheitsbeteiligung an Rheinmetall Hungary Zrt.(Produktion und Entwicklung von Lynx-Schützenpanzern). Siehe Földes 2025 und Ternovácz 2021. Der Verteidigungssektor in Ungarn 3
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