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Der Verteidigungssektor in Ungarn
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schung und Entwicklung integrieren und Letztere so befä­higen, ein technologisches Niveau zu erreichen, das durch unabhängige Entwicklung nicht möglich wäre. Dies kann auch die Markteintrittskosten für ungarische Unternehmen (und Unternehmen in ungarischem Miteigentum) senken. Dieses Betriebsmodell beruht auf der Lokalisierung der Produktion und einer verstärkten Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung, die über das Beschaffungsmo­dell alter Schule und traditionelle Kompensationsvereinba­rungen hinausgeht. Ermöglicht wurde dieser Wandel durch ein umfassendes Entwicklungsprogramm der Streitkräfte, das eine hochwertige und langfristige Nachfrage für die Verteidigungsindustrie geschaffen hat. Deshalb sind aus­ländische Hersteller daran interessiert, sich mit ungari­schen Partnern zusammenzutun oder über Joint Ventures lokale Tochtergesellschaften zu gründen. Die Neugestaltung des Ökosystems der Verteidi­gungsindustrie, das um acht funktionale Cluster herum auf­gebaut ist, hat gezeigt, dass sich dieses nur allmählich ent­wickelt, obwohl es fragmentiert ist und weitgehend von den Prioritäten der ungarischen Streitkräfte bei deren Moderni­sierung bestimmt wird. Es verfügt in mehreren Bereichen über ein technologisches und produktionstechnisches Potenzial, befindet sich aber derzeit noch im Wandel. Dies bedeutet, dass eine Konsolidierung der Kapazitäten der ungarischen Verteidigungsindustrie in den Bereichen Pro­duktion, Reparatur und Wartung neuer Technologien und noch mehr in Forschung und Entwicklung frühestens Ende der 2020er-Jahre zu erwarten ist, sofern einige zentrale Her­ausforderungen erfolgreich bewältigt werden(Csiki Varga 2024). Zu diesen Herausforderungen gehören die Finanzie­rung, der Ausbau von Innovationskapazitäten, die Bereit­stellung ausreichender Arbeitskräfte, der Aufbau einer funk­tionierenden und dann nachhaltigen Lieferkette der Vertei­digungsindustrie und eines umfassenderen Ökosystems sowie der Zugang zum internationalen Waffenmarkt. Die kurz- bis mittelfristige Finanzierung erfolgt größ­tenteils durch Regierungsaufträge, die die Beschaffung der wichtigsten Waffensysteme der HDF bis mindestens 2028 abdecken. Für alle anderen neu geschaffenen Industrieka­pazitäten innerhalb der acht Cluster und darüber hinaus ist jedoch eine weitere Finanzierung erforderlich. Da die durch die ESG-Vorschriften erzwungene öffentliche und private Finanzierung über europäische Banken stark eingeschränkt ist, stößt die Sicherstellung von Investitionen im ungari­schen Verteidigungssektor auf starke Hindernisse. Die staatlichen Ausgaben für die Modernisierung des Verteidi­gungssektors(weitere Anschaffungen), für Reparatur und Wartung, für Forschung und Entwicklung sowie für Sub­ventionen für die Partner hängen weitgehend von der all­gemeinen Wirtschaftsleistung des Landes ab, die in den letzten Jahren bescheiden war und nur knapp an einer Rezession vorbeischrammte. Dies sollte Risikokapital immer wichtiger werden lassen, aber in Ungarn machen die risikoscheue Finanzkultur, die zurückgebliebene Entwick­lung des Verteidigungssektors und die begrenzte Verfüg­barkeit von Risikokapitalfonds auch diese Form der Finan­zierung zu einer Herausforderung. Eine weitere Herausforderung ist Ungarns bescheide­ne Leistung als Innovator. Der Europäische Innovationsan­zeiger(EIS) erfasst die gesamte Innovationsleistung Ungarns in allen Sektoren im Vergleich zur EU. Die Daten zeigen, dass sich die Innovationsfaktoren seit 2017 zwar verbessert haben, aber nicht einmal mit dem EU-Durch­schnitt mithalten konnten, sodass Ungarn lediglich in der Gruppe deraufstrebenden Innovatoren unter den EU-27 verbleibt, in der es auf Platz 21 liegt. In den Bereichen Humanressourcen, Risikokapitalinvestitionen, FuE-Ausga­ben, innovative kleinere und mittlere Unternehmen und geistiges Eigentum(Patente, Design) liegt Ungarn weit hin­ter dem EU-Durchschnitt zurück(Europäische Kommission 2025). Daten des Europäischen Innovationsanzeigers, 2017–2024, die die ungarische Leistungsbilanz im Vergleich zum EU-Durchschnitt zeigen Abb. 3 Quelle: Europäische Kommission, 2025 Der Verteidigungssektor in Ungarn 13