Buch 
Der Verteidigungssektor in Ungarn
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Potenzial für Forschung und Entwicklung und Innovation Die gemeinsamen Elemente der in den acht Clusterberei­chen skizzierten Kooperationen in den Bereichen Produkti­on, Forschung und Entwicklung sowie Innovation sind: Prä­senz internationaler Partner in Ungarn, Technologietransfer und Deckung des kurz- bis mittelfristigen Technologiebe­darfs der HDF, gefolgt von einer langfristigen Produktion für den internationalen Markt. Um sicherzustellen, dass die Produkte den sich ständig ändernden Anforderungen der Kriegsführung entsprechen und neue Technologien integ­rieren, bemühen sich die ungarischen Akteure der Verteidi­gungsindustrie auch um Forschung und Entwicklung und Innovation(FuEuI). Die Regierung unterstützt diese Aktivi­täten und koordiniert sie über das Forschungsinstitut für Verteidigungsinnovationen(VIKI). Die in den 2020er-Jahren entwickelten Kapazitäten der Verteidigungsindustrie, die in Zusammenarbeit mit deutschen, türkischen etc. Unterneh­men geschaffen werden, umfassen in den meisten Fällen auch FuEuI-Aktivitäten, die über die gemeinsame Produk­tion hinausgehen. Die internationale Säule der Entwicklung der Vertei­digungsindustrie wird durch internationale Unternehmen mit Investitionen und kommerziellen Partnerschaften sowie durch Innovationsprogramme der NATO und der EU vertre­ten, die die multinationale Entwicklung unterstützen, wie zum Beispiel Defence Innovation Accelerator for the North Atlantic(DIANA) der NATO und Europäischer Verteidi­gungsfonds(EEF) sowie die multinationalen Projekte der Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit(PESCO) zur Ent­wicklung von Fähigkeiten. Der 2022 gegründete DIANA der NATO hat zunächst zwei ungarische Testzentren in Kapos­vár und Zalaegerszeg zertifiziert, seit 2024 gibt es neun DIANA-akkreditierte Einrichtungen in Ungarn. Die neuen Zentren wurden von der Universität Pécs, der Universität Óbuda(zwei Zentren), der BHE Bonn Hungary Electronics Ltd., der Alverad Technology Focus Kft., der ITSec Area Ltd. und den Nokia Bell Labs gegründet. Es werden vielverspre­chende Verbindungen zu mindestens vier der acht aufstre­benden und disruptiven Technologiebereiche geknüpft, die von der NATO als wichtige Entwicklungsbereiche identifi­ziert wurden: Big Data, künstliche Intelligenz, autonome Geräte und Quantencomputer(Honvedelem.hu 2024). Im Sommer 2022 vergab der EDF Mittel für sechs multinationale Forschungsprojekte mit ungarischer Beteili­gung zur Entwicklung von künstlicher Intelligenz, 5G-Kom­munikation, Satellitentechnologie, Sensoren und Drohnen­technologie, die im Folgenden aufgeführt sind(mit den Namen der ausländischen Unternehmen, die Konsortiums­führer sind, und der ungarischen Unternehmen, die daran beteiligt sind, sowie mit dem Forschungsbereich): 5G COMPAD(Saab, Schweden, und BHE Bonn Hungary Electronics Ltd.) Entwicklung von militärischen 5G-Kommunikationssystemen für friedenserhaltende Operationen; EuroHAPS(Thales, Frankreich und C3S Elektronikai Fejle­sztő Kft.) Technologie für Bodenbeobachtungssatelliten; FaRADAI(Ethniko Kentro Erevnas Kai Technologikis Anaptyxis, Griechenland und Certh Számítástechnikai es Automatizálási Kutatóintézet) künstlichen Intelligenz bei der Überwachung; iFURTHER(Hellenic Aerospace Industry S.A., Griechen­land und BHE Bonn Hungary Electronics Ltd.) Ent­wicklung von Sensoren jenseits der Sichtlinie; NOMAD(Equipos Móviles de Campana Arpa, S.A.S., Spanien und F4STER-FUTURE 4 Zrt.) Energiespeiche­rung und-versorgung für mobile militärische Gefechts­stände; ALTISS(Magellium S.A.S., Frankreich und SAGAX Com­munications Ltd.) Einsatz von Drohnenschwärmen zum Schutz der Streitkräfte(Europäische Kommission 2022a, b). Unter den 54 multinationalen Projekten, die im seit 2023 laufenden EDF-Projektzyklus unterstützt werden, ist jedoch nur ein einziges ungarisches Unternehmen beteiligt: Das Forschungsinstitut für Verteidigungsinnovationen(VIKI) nimmt zusammen mit 34 Partnereinrichtungen aus 14 EU­Mitgliedstaaten am CALIPSO-Projekt teil, das die Entwick­lung eines umweltfreundlichen Antriebssystems zum Ziel hat(Europäische Kommission 2023). Daraus lässt sich schließen, dass sowohl die Zahl der ungarischen Unterneh­men als auch der Forschungszentren, die an Projekten auf internationaler Ebene teilnehmen können, sehr begrenzt ist und dass es nur wenige Bereiche gibt, in denen ungarische Akteure der Verteidigungsindustrie innovativ handeln kön­nen. Es wird erwartet, dass diese Beschränkungen mit dem Ausbau der Kapazitäten der Verteidigungsindustrie etwas abnehmen werden, aber sie werden nicht verschwinden, da ungarische Unternehmen nur in Ausnahmefällen in der Lage sind, eine führende oder initiierende Rolle zu über­nehmen. Im Falle von PESCO, das ebenfalls von der EU fi­nanziert wird, spielt Ungarn nur bei einem Projekt(EURO­SIM) eine führende Rolle und ist an acht weiteren beteiligt (Nádudvari, Etl, Bereczky 2020). Bewertung und Ausblick Da die Entwicklung der ungarischen Verteidigungsindustrie erst Mitte der 2010er-Jahre begann und praktisch auf einer Handvoll Tier-3-Unternehmen ohne Zugang zu fortschritt­licher Technologie, Produktions-Know-how, Investitionen und internationalen Märkten aufbaute, müssen die bedeut­samen Entwicklungen des letzten Jahrzehnts sorgfältig be­wertet werden. Die Entwicklungsbemühungen in Bezug auf Technologie, Investitionen und Produktionskapazitä­ten konzentrierten sich auf das Hauptziel, nämlich den Anschluss an die internationale Verteidigungsindustrie zu finden, und zwar sowohl in Bezug auf die wichtigsten Ak­teure als auch auf die Produktionsketten, von den unteren Ebenen aufwärts. Internationale Akteure, die mit fort­schrittlicher Technologie auf den Markt drängen, können ungarische Unternehmen in Produktionsketten und For­Der Verteidigungssektor in Ungarn 12