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Analyse des slowenischen Verteidigungssektors
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orientierung, und grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus und nicht mehr durch die für die jugoslawische Ära typischen eigenständigen Schwerindustrieplattformen. Die meisten Rüstungsunternehmen befinden sich in Privatbesitz, der Staat hält nur geringe Anteile an einigen wenigen Firmen und keine Mehrheitsbeteiligung; einige Unternehmen sind in ausländischem Besitz(Interview 2). Der Staat fungiert derzeit hauptsächlich als Geldgeber für Forschung und Entwicklung und investiert jährlich etwa 23 Millionen Euro, mit denen in den letzten Jahren mehrere neue Produkte gefördert wurden. Die Einrichtung des Stra­tegischen Rates für die Verteidigungsindustrie eröffnet die Möglichkeit einer begrenzten staatlichen Beteiligung als Minderheitseigentümer oder über Joint Ventures an stra­tegisch wichtigen Unternehmen oder Technologien, um das inländische Know-how zu erhalten(Interviews 1, 2, 4). Im September 2025 gründete der Staat DOVOS d.o.o. als vollständig staatliches Unternehmen mit einem Anfangskapital von 3 Millionen Euro, um im Einklang mit der nationalen Strategie für die Verteidigungsindustrie 2025(SDH 2025) in Hochtechnologieunternehmen der Ver ­teidigungsbranche und Unternehmen zur Herstellung von Dual-Use-Produkten zu investieren und deren Integration in europäische und NATO-Lieferketten zu unterstützen. In der öffentlichen Debatte wurde die Notwendigkeit einer strengen Transparenz und parlamentarischen Kontrolle betont(MMC 2025). Die meisten slowenischen Unternehmen stellen in erster Linie zivile Güter mit Einsatzmöglichkeiten im Vertei­digungssektor her und benötigen nur für die Produktion von reinen Verteidigungsgütern Sondergenehmigungen. Die Verteidigungsindustrie erwirtschaftet eine rund 40% höhere Wertschöpfung als der nationale Durchschnitt(fast 100 000 Euro pro Beschäftigtem) und hat das Potenzial, bis zu 10% zum BIP beizutragen, vergleichbar mit der Auto ­mobil- oder Tourismusbranche(Interviews 1, 2, 4). Schlüsselunternehmen und Fähigkeitscluster Die slowenische Verteidigungsindustrie besteht aus einer Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen, die sich auf hochwertige Nischen spezialisiert haben. Einige der be­kanntesten sind in Tabelle 1 auf Seite 5 aufgeführt. Die in Tabelle 1 aufgeführten Unternehmen wurden anhand eines zweifachen Ansatzes ermittelt. Erstens wur­den die am häufigsten genannten Unternehmen anhand von Beiträgen relevanter institutioneller Akteure ermittelt. Zweitens wurde bei der Auswahl darauf geachtet, dass ver­schiedene technologische Bereiche vertreten sind, ein­schließlich Unternehmen, die in Bereichen wie Weltraum­technologien und sichere Kommunikation tätig sind. Ökosystem der Verteidigungsindustrie und Cluster­bildung GOIS(der slowenische Cluster der Verteidigungsindustrie) ist ein freiwilliger und unabhängiger Interessenverband ( gospodarsko interesno združenje), der Unternehmen, Liefe­ranten und Dienstleister aus den Bereichen Verteidigung, Sicherheit und Schutz zusammenbringt. Seine Aufgabe ist es, slowenische Hersteller und Dienstleister im Verteidi­gungs- und Sicherheitssektor zu vernetzen und zu koordi­nieren, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern zu fördern, die Entwicklung der Industrie zu unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen der Industrie, staatlichen In­stitutionen(wie dem Verteidigungsministerium) und For­schungs- und Innovationseinrichtungen zu erleichtern. Mit Stand November 2025 umfasst GOIS 176 Mitglieder. Im Vergleich dazu hatte der Cluster Anfang 2024 58 Mitglie ­der, was bedeutet, dass sich seine Mitgliederzahl in weni­ger als zwei Jahren verdreifacht hat(Interview 2). Laut Boštjan Skalar(Interview 2) sind jedocheinige Unterneh ­men GOIS vor allem in der Erwartung unmittelbarer finan­zieller Vorteile beigetreten. Der slowenische Staat inves­tiert derzeit jährlich rund 23 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung und unterstützt damit etwa 140 bis 150 Projekte. Neben den traditionellen Verteidigungsherstellern ist eine wachsende Zahl von Unternehmen in Bereichen wie Schutzeinrichtungen, Überwachung des körperlichen Zustands von Soldaten, künstliche Intelligenz, Cybersicher­heit, Schutz kritischer Infrastruktur sowie Lebensmittelsi­cherheit und Wasserschutz tätig. Folglich geht die Verteidi­gungsindustrie weit über konventionelle Waffensysteme hi­naus und umfasst auch Technologien wie Drohnen und Lösungen zur Drohnenabwehr, autonome Fahrzeuge, mobi­le Vorposten und ähnliche Fähigkeiten(Interview 2). Laut GOIS und öffentlich zugänglichen Beschreibun­gen der slowenischen Verteidigungsindustrie decken die Mitglieder ein breites und diversifiziertes Portfolio ab: per­sönliche Schutzausrüstungen, Kommunikationssysteme, Optoelektronik, Telekommunikation; Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge und Fahrzeugaufrüstungen(zum Beispiel leichte gepanzerte Fahrzeuge, Spezialfahrzeuge); Ingenieursleis­tungen, Logistik, Wartung, Infrastrukturunterstützung; For­schung und Entwicklung(FuE), Innovation, Produktion, Erprobung und Vermarktung von Verteidigungs- und Sicherheitstechnologien; Dual-Use-Technologien und-Pro­dukte, die sowohl für militärische als auch für zivile Märkte bestimmt sind(Katalog des Clusters der slowenischen Ver­teidigungsindustrie). 3. Ausländische Investitionen und Beteiligungen Die ausländischen Investitionen und Beteiligungen in der slowenischen Verteidigungsindustrie sind nach wie vor re­lativ bescheiden, da der strategische Ansatz Sloweniens dem inländischen Eigentum, der technologischen Souverä­nität und der Stärkung der nationalen Lieferketten Vorrang einräumt. Interview 1 zufolge ist die slowenische Verteidi ­gungsindustrie zunehmend attraktiv für hochentwickelte einheimische Technologieunternehmen in Bereichen wie Biotechnologie, IT und Quantentechnologie, die derzeit hauptsächlich auf zivilen Märkten tätig sind, aber ein star­kes Interesse an Dual-Use- und verteidigungsbezogenen Aktivitäten zeigen. Diese Verlagerung ist eher Ausdruck ei­ner nach innen gerichteten Innovationsdynamik als davon, auf ausländisches Kapital zu setzen. Analyse des slowenischen Verteidigungssektors 3