chen. Diese Vielfalt spiegelt unterschiedliche medienpolitische Traditionen wider, ist jedoch mit jeweils spezifischen Risiken verbunden. Während beitrags- oder abgabenbasierte Modelle grundsätzlich eine stabile und vom jährlichen Haushaltsprozess entkoppelte Finanzierung ermöglichen können, sind sie häufig Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Legitimationsdebatten. Steuerbasierte Modelle hingegen bergen ein erhöhtes Risiko politischer Einflussnahme, da sie PSM stärker in die Logik staatlicher Haushaltsentscheidungen einbinden. In nahezu allen untersuchten Ländern sind PSM aktuell mit realen oder drohenden Einschränkungen ihrer finanziellen Mittel konfrontiert. Einfrieren von Gebühren, unterinflationäre Anpassungen oder ineffiziente Erhebungsmechanismen führen dazu, dass die finanziellen Grundlagen der PSM vielfach erodieren. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich, wo strukturelle Unterfinanzierung, politische Unsicherheit oder langfristige Kürzungen die Erfüllung des öffentlichen Auftrags zunehmend erschweren. Aber auch in Ländern mit vergleichsweise stabiler Finanzierung wie Österreich, Schweden, Italien und Deutschland zeichnen sich mittelfristige Begrenzungen ab. Diese können Investitionen in Programmqualität, Digitalisierung und Innovation einschränken. Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist, dass nicht allein die Höhe der finanziellen Mittel, sondern insbesondere die Entscheidungsstrukturen über deren Festlegung und Verwendung für die Unabhängigkeit von PSM ausschlaggebend sind. Wo Parlamente oder Regierungen unmittelbar und kurzfristig über Budgets, Gebührenhöhen oder Mittelverwendung entscheiden, entstehen strukturelle Abhängigkeiten, die politischen Druck begünstigen. Modelle mit mehrjähriger, vom Staatshaushalt entkoppelter Finanzierung und klar geregelten Anpassungsmechanismen – wie etwa in Schweden – bieten demgegenüber vergleichsweise stärkere institutionelle Sicherungen. Literatur Bagnariol, Luca(2026): Italien – Eine Analyse der Rai zwischen Tradition und Reformbedarf, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Beaufort, Maren(2026): Österreich – Herausforderungen, Wandel und Perspektiven, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections. fes.de/publikationen/download/pdf/1964639(6.4.2026). Campos-Freire, Francisco; Rodríguez-Castro, Marta; Blasco-Blasco, Olga(2020): Public Service Media’s Funding Crisis in the Face of the Digital Challenge, in: Rocha, Álvaro; Ferrás, Carlos; Montenegro Marin, Carlos Enrique; Medina García, Víctor Hugo(Hrsg.): Information Technology and Systems, Advances in Intelligent Systems and Computing, Cham, Springer International Publishing, S. 671–80, doi:10.1007/978-3-030-40690-5_64(6.4.2026). Chivers, Tom(2026): Vereinigtes Königreich – öffentliche Medien am Abgrund, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections.fes.de/ publikationen/download/pdf/1964906(6.4.2026). Eberwein, Tobias; Saurwein, Florian; Karmasin, Matthias(2019): Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa: Ein kennzahlenbasierter Vergleich zum Verhältnis von Finanzierung und Publikumsleistungen, in: Jahrbuch für Christliche Sozialwissenschaften, S. 141–167, doi:10.17879/JCSW-2019-2504(14.4.2026). Friedrich-Ebert-Stiftung(o. J.): Rundfunk in Europa, https://www.fes. de/medienpolitik/rundfunk-in-europa(6.4.2026). Horonziak, Sonia(2026): Polen – politische Vereinnahmung, strukturelle Schwächen und die Herausforderungen einer echten Reform, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, https://collections.fes.de/ publikationen/download/pdf/1964879(6.4.2026). Kaun, Anne; Biendara, Michele Madeine(2026): Schweden – wie steht es um die öffentlich-rechtlichen Medien?, Friedrich-EbertStiftung, Bonn, https://collections.fes.de/publikationen/download/ pdf/1965442(6.4.2026). Poulain, Sébastien(2026): Frankreich – Utopie im Widerstand, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Sehl, Annika(2023): Einflussfaktoren auf die Zahlungsbereitschaft für öffentlich-rechtliche Medien, in: MedienWirtschaft 20(45), S. 32–35. Stratmann, Magdalena(2026): Herausforderungen und Chancen: Der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk in Zeiten von Plattformen und KI, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn. Über die Autorin Magdalena Stratmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Institut für Medienforschung| Hans-Bredow-Institut(HBI) im Forschungsprogramm„Regelungsstrukturen und Regelbildung in digitalen Kommunikationsräumen“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Medienregulierung mit besonderem Fokus auf öffentlicher digitaler Kommunikation, öffentlich-rechtlichen Medien sowie der Regulierung künstlicher Intelligenz. Impressum Herausgeberin Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Godesberger Allee 149 53175 Bonn info@fes.de Herausgebende Abteilung Abteilung Analyse, Planung und Beratung Kontakt Dr. Johannes Crückeberg medienpolitik@fes.de Bildnachweis Titelillustration: Till Lukat Die in dieser Publikation zum Ausdruck gebrachten Ansichten sind nicht notwendigerweise die der Friedrich-Ebert-Stiftung e.V.(FES). Eine gewerbliche Nutzung der von der FES herausgegebenen Medien ist ohne schriftliche Zustimmung durch die FES nicht gestattet. Publikationen der FES dürfen nicht für Wahlkampfzwecke verwendet werden. April 2026 © Friedrich-Ebert-Stiftung e.V. Weitere Publikationen der Friedrich-Ebert-Stiftung finden Sie hier: ↗ www.fes.de/publikationen Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Europa – Finanzierungsmodelle und ökonomische Herausforderungen 5
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten