und ein Einmischen der Kommandeure in die Lokalpolitik unterbunden werden. Es ist bis heute umstritten, warum Ramos, unter Marcos Chef der`çåëí~Äìä~êó= cçêÅÉë, nicht die Armee säuberte. Ein Amnestiegesetz begnadigte die Putschisten, Menschenrechtsverletzungen blieben ungesühnt. Statt die Politik ins Militär brachte Ramos Militärs in die Politik. Seither wechseln demobilisierte Generäle in zivile Karrieren und befinden als Kabinettsangehörige oder Regierungsberater über die zivile Kontrolle der Sicherheitsapparate. Umgekehrt suchen Politiker die Kooptation in informelle Militärzirkel – selbst Gloria Macapagal-Arroyo ist adoptiertes Mitglied eines Ausbildungsjahrgangs der Militärakademie. Reformforderungen versus Handlungsspielräume Die neue Präsidentin steckt in einem Dilemma. Das klassenübergreifende Bündnis der Protestbewegung eröffnet politischen Spielraum und verschafft ihr Autonomie gegenüber Partikularinteressen. Insbesondere hat sie keine Verpflichtungen gegenüber Wahlkampfsponsoren, die nach dem Urnengang mit Staatsaufträgen oder Ämtern bedient werden müssen. Kostenschätzungen über Estradas Wahlkampf belaufen sich auf US$ 100 Mio. Gleichzeitig sind ihr die Hände in vielen Angelegenheiten gebunden, die die Interessen der Sicherheitskräfte betreffen. Diese sind nicht nur sicherheitspolitischer, sondern auch geschäftlicher Art: Schmuggel, Entführungen, Geldwäsche – kaum eine kriminelle Aktion ohne Beteiligung Uniformierter. Ihren Handlungsspielraum verdeutlichte die Präsidentin mit ihrem Antrittsbesuch bei den Militärs, bei dem sie sich für deren Teilnahme an EDSA II bedankte. Die neue Regierung wird an der Erfüllung von drei Mindestforderungen gemessen werden: Korruptionsbekämpfung, Sozialpolitik und Friedensverhandlungen. Noch nie wurde in den Philippinen ein hochrangiger Politiker wegen Korruption verurteilt, selbst der Marcos-Klan konnte seinen Reichtum verstecken und ist längst wieder in politischen Ämtern zu finden. Das Angebot an Estrada, ins Exil zu gehen, hat Irritationen ausgelöst. Viele glauben schon nicht mehr an die Zerschlagung der Interessengeflechte von Trapos, Unternehmern und Generälen. Es gehört zur Ironie der gegenwärtigen Lage, dass die mêç= mççê= Ó= Rhetorik= des gestürzten Präsidenten und sein Aufruf an die Mittellosen, Klassenkampf gegen Makatis(Finanzzentrum in Manila) Reiche zu führen, zur neuen Politikverpflichtung wird. Fast 40% der philippinischen Haushalte beziehen ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Dass Estrada Zehntausende zu seiner Verteidigung mobilisieren konnte, verdeutlicht nur, dass sie den Stab über ihm nicht brachen, weil sie von politischen Alternativen keinen Vorteil erwarteten. Tatsächlich verliert eine Wirtschaftselite in ihrer Kritik der Amtsführung Estradas moralische Rechtfertigung, wenn zahlreiche ihrer Angehörigen Nutznießer ebensolcher Praktiken in der Vergangenheit waren. Selbst aktuelle Listen von Steuerschuldnern lesen sich wie das tÜç= áë= tÜç in Wirtschaft und Gesellschaft – ca. 40% der Steuerschuld werden nicht eingetrieben, Steuerhinterziehung kann geradezu als Sozialpakt zwischen Staat und Elite bezeichnet werden. Angesichts dieses Umfangs sollte sich nicht einmal das gegenwärtige Haushaltsdefizit als unüberwindbares Hindernis zur Finanzierung einer neuen Sozialpolitik auftürmen. Allerdings müssen die Steuern eingetrieben werden. Der Friedensschluss mit der NPA könnte in greifbare Nähe gerückt sein. Die kommunistischen Frontorganisationen_~ó~å und_~ó~å= jìå~ operierten innerhalb der Protestbewegung nicht wie eine städtische Guerilla, die den Staat herausfordert. Bayan Muna meldete überdies ihre Teilnahme an den Mai-Wahlen 2001 an. Dies sind Signale, dass die kommunistische Partei ihren revolutionären Kampf aufgeben könnte, um sich als legale Opposition zu etablieren. Auch die MILF( jçêç=fëä~ãáÅ=iáÄÉê~íáçå=cêçåí) sucht einen Waffenstillstand, Friedensverhandlungen sind hier jedoch schwieriger. Die Erweiterung des Autonomiegebietes und der Verwaltungsrechte stoßen auf den Widerstand christlicher Siedler in Mindanao. Eine - 3-
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Die Philippinen nach Estradas Sturz : Demokratie weiter im Notstand
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